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Serie „Midnight, Texas“ : Ihr fehlt der Biss

Spielen ein übernatürliches Paar: Peter Mensah als Lemuel und Arielle Kebbel als Olivia. Bild: NBC

Klar, dass sich die Ereignisse überschlagen, wenn ein gefallener Engel, ein Vampir und ein spukendes Mordopfer aufeinandertreffen: Ohne ihre schrägen Figuren hätte die Serie „Midnight, Texas“ ein Problem.

          Treffen sich ein Geisterseher, ein schwarzer Vampir, ein geweihter Wer-Tiger, eine Auftragskillerin, eine Hexe und ein schwuler gefallener Engel in „Mitternacht“ in Texas: Das ist dann erst mal der ganze Witz der Serie „Midnight, Texas“, die der Sender NBC auf Grundlage der gleichnamigen Buchreihe der Autorin Charlaine Harris produziert hat. Sie kann Karate, trat schon als Gewichtheberin an und hat dem Abosender HBO mit ihren Büchern der „The Southern Vampire Mysterie“-Reihe um die telepathisch begabte Bardame Sookie Stackhouse die Vorlage für Alan Balls („Six Feet Under“) verstiegene Horror-Soap „True Blood“ geliefert.

          Axel Weidemann

          Redakteur im Feuilleton.

          Mit „Midnight, Texas“ versuchte nun auch der Sender NBC etwas Blut aus dem herrlich bescheuerten Arrangement zu saugen, bediente sich dabei aber eines Strohhalms. „Midnight, Texas“ verhält sich zu „True Blood“ wie ein Blutzucker-Test zu einer Bloody Mary. Nun kann ja beides zu gegebener Zeit sinnvoll sein. Mit einer langen Einführung hält man sich in „Midnight, Texas“ nicht auf. Die Ereignisse überschlagen sich von Beginn an. Das Medium Manfred Bernardo (François Arnaud), Nachfahre einer Sinti-und-Roma-Familie (die Serie benutzt den Begriff „Gypsy“) mit einer lange zurückreichenden Geisterseher-Tradition, flüchtet vor skrupellosen Gläubigern ins heruntergekommene „Midnight“: ein Tipp seiner Geisteroma, „Gypsy-Xylda“ (Joanne Camp), die stets unvermittelt mit einem silbernen Pfeifchen auf dem Beifahrersitz des türkisen Wohnmobils auftaucht. Hier sehen die Häuser selbst aus wie Untote, die von unruhigen Geistern behaust sind. „Der Schleier zwischen der Welt der Lebenden und der Toten ist hier sehr dünn.“ Und wird zunehmend dünner.

          „Lindenstraße“ trifft das „Handbuch der Parapsychologie“

          Nicht ganz zufällig ist in „Midnight“ gerade ein Mord passiert. Die Polizei aus dem Nachbarort hat den Pfandleiher Bobo Winthrop (Dylan Bruce) im Verdacht. Ihm wiederum ist die viel zu sympathische Hexe Fiji (Parisa Fitz-Henley) verfallen. Nun machen sich alle Sorgen, dass etwas nicht stimmt in „Midnight“: die ihr Geheimnisumwittertsein doch sehr offen ausstellende Killerin Olivia (Arielle Kebbel), ihr Mann, der blauäugige Vampir Lemuel (Peter Mensah), besagte Fiji, der Tigerwandler Pastor Sheehan (Yul Vazquez) und der gefallene Engel Joe Strong (Jason Lewis).

          Das Mordopfer, die einstige Freundin von Bobo, macht nun mit allerlei Spuk auf sich aufmerksam, um Manfred zu zeigen, wer sie ermordet hat. Schnell ist die rassistische Biker-Gang „Die Söhne des Luzifer“ (wer sonst!) unter Verdacht, und so nimmt es auch nicht wunder, dass, als Fiji Manfreds neuem Heim die Geister austreiben will, sich eine verdächtig teuflisch wirkende Hand nach ihr streckt, zu der auch eine entsprechende Stimme gehört. Derweil verguckt sich Manfred in den letzten „Normalo“: die junge Creek, die in der Tankstelle ihres mürrischen Vaters arbeitet.

          Mit etwas Wohlwollen könnte man in dieser Serie eine launige Mischung aus „Lindenstraße“ und dem „Handbuch der Parapsychologie“ sehen. Die Musik unterstreicht mehr lässig, als dass sie untermalt, Kamera (Mike Spragg, Erci Kress) und Schnitt (Timothy Good, John Health) bürsten die Erzählung in routinierten Ausschnitten und Sequenzen zusammen, Cliffhanger sorgen für Spannung, die Dialoge geben sich als auf Pointe geschriebene Drehbuch-Konstrukte zu erkennen.

          Doch es ist kaum Zeit vor lauter übernatürlichem Maskenball. Dass ein schwarzer Vampir sich einen weißen Rassisten vorknöpft, und dass der oberste Hirte dazu verflucht ist, bei Vollmond eine gestreifte Killerkatze zu sein und tagsüber seinen Tierfriedhof pflegt, sind nette Späße. Nur greift die Serie derlei Einfälle nicht auf. Sie muss in die 45-Minuten-Slots der Kabelsender passen und darf Werbekunden nicht verschrecken. So wird daraus: Eine Serie ohne Biss, der das viele Licht schadet.

          Midnight, Texas läuft donnerstags um 21 Uhr und sonntags um 23.50 Uhr beim Abokanal SyFy

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