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Serie „Longmire“ bei RTL Nitro : Ein Mann lädt ganz entschieden durch

  • -Aktualisiert am

Er ist einsam, aber schneller: Robert Taylor spielt Sheriff Longmire. Bild: Foto RTL

Bei dieser neuen Serie lässt es der Sheriff gerne in Zeitlupe krachen. Robert Taylor spielt den schroffen, harten, einsamen, aber eben doch sympathischen Western-Helden Walt Longmire: Gut anzuschauen das Ganze.

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          Mit dem Pick-up zur Arbeit fahren, auf dem Beifahrersitz liegt der Revolver, vor dir die Prärie: das ist Männlichkeit aus dem Katalog amerikanischer Folklore. Siedlerzeiten reloaded, und das Nachladen ist noch wörtlich gemeint. Aber die frontier liegt heute im Netz. Dort verschiebt sie sich im Sekundentakt, in digitalen Weiten lassen sich keine Claims mehr abstecken, es herrschen Willkür und Gesetzlosigkeit. Hier draußen aber lauern keine feigen Avatare mit Spitzelsoftware, sondern echte Schurken. Sie schießen auf dich mit der Knarre, weil du der Sheriff bist und einen illegalen Prostitutionsring ausheben willst, der seine Klientel - Cowboys und Desperados - aus einem Wohnwagen heraus bedient.

          Longmire heißt der Held, und Robert Taylor spielt ihn mit wenig Mimik und noch weniger Text, einen Mann, dessen Charakter den Felsmassiven in Wyoming nachgebildet scheint: schroff, hart und doch irgendwie schön anzuschauen.

          Autogenes Training vor einer Fototapete

          Man kann nach den vielen Schlaubergern der neueren Ermittlershows so einen Typen unterhaltsam finden. Keine kniffligen Labortests, keine intellektuellen Puzzlespiele. Genuntersuchung, um einen Verbrecher aufzuspüren? Quatsch, hier draußen hat man eine Genealogie, ist seit Generationen vor Ort. Wenn also ein Mord geschieht, findet die Ermittlung in nächster Nähe statt. Im Indianerreservat zum Beispiel, da sind auch junge Frauen verschwunden. Vielleicht gibt es eine Verbindung zum Freier, den man in den Bergen entdeckt hatte, abgeknallt wie ein Stück Wild.

          Die Serie hat den Charme von autogenem Training vor einer Western-Fototapete. Erzählungen in Zeitlupe sind Seltenheit geworden, seitdem Profiler und Agentenmasterminds im Sekundentakt ihre Erkenntnisse aufs Publikum abfeuern und anschließend SWAT-Teams dem Bösen mit militärischer Feuerkraft heimleuchten. Schusswechsel gibt es in „Longmire“ nur einen einzigen. Eine Szene wie aus dem Showdown eines alten Wildwestfilms, wo die Rothäute - so heißen Indigene im angelsächsischen Kolonialjargon - das Farmhaus belagern. Wusch! machen die Pfeile, Frauen atmen schwer im Mieder, die Männer blaffen „Weg vom Fenster!“,und laden nach.

          Dass das Ganze in der Gegenwart spielt, registriert man lediglich an der Erwähnung eines Handys. Der Sheriff soll es doch bitte mal mit zum Dienst nehmen, sagt seine Assistentin. Eine Polizistin aus Philadelphia, über die man gern ein wenig mehr erfahren hätte, warum sie zum Beispiel von der Soulstadt in die Pampa gezogen ist, wo allenthalben die Grillen zum Barbecue aufspielen. Aber vielleicht kommt das alles noch, war ja erst eine Folge, in deren Fortgang man angenehm weggeschlummert wäre, hätte Sheriff Longmire am Ende nicht plötzlich zurückgeschossen.


           

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