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TV-Serie „Inspector Mathias“ : Es trifft immer die Schwachen

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Warum verließ er seine Familie? Inspector Tom Mathias (Richard Harrington) und seine Frau Meg (Anamaria Marinca). Bild: ARD Degeto/Fiction Factory & all

Wales sehen und sterben: In der ausgezeichneten Serie „Inspector Mathias“ geht es um Schuld und Sühne. Und immer geht es um Verbrechen an Kindern. Das hat seinen Grund.

          Wieder schäumt die Irische See und schlagen Riesenwellen gegen die Kaimauer von Aberystwyth, wieder fährt Inspector Mathias (Richard Harrington) durch karge Bergketten landeinwärts zu einsamen Gehöften. Seit zehn Monaten ermittelt er jetzt in der walisischen Küstenstadt.

          Auch in der zweiten Staffel der international ausgezeichneten Serie hat er es mit zwischenmenschlichen Abgründen zu tun. Außenseiter ist der Polizist, der in London bei Scotland Yard war, immer noch. Er bevorzugt Alleingänge. Doch das Team mit der erfahrenen, alleinerziehenden Mared Rhys (Mali Harries), Sian Owens (Hannah Daniel) und dem Zahlenmenschen Lloyd Ellis (Alex Harries) funktioniert. In fünf neuen Folgen nimmt der angeschlagene Inspector den Kampf gegen seine inneren Dämonen auf, gezwungenermaßen.

          Plötzlich erscheint seine Frau

          Am Ende der ersten Folge erscheint in stürmischer Nacht, wie aus dem Nichts, seine Frau Meg (Anamaria Marinca) auf dem Polizeirevier. Das sorgt für einen Cliffhanger, der in der zweiten Folge alle vergangenen Ermittlungen in neues Licht setzt. Sie hatten stets mit Kindern zu tun: Kinder, die im Feuer starben; Kinder, die Zeuge der Ermordung der Eltern wurden; Kinder, die misshandelt wurden wie die Insassen des Waisenhauses an der Teufelsbrücke im ersten Fall: Kinder als Opfer. Immer gibt es eine Verbindung zum leibhaftigen Bösen, das danach trachtet, Unschuldige zu vernichten.

          Fernsehtrailer: "Inspector Mathias - Mord in Wales"

          Dieses Motiv gibt den dunklen Rhythmus der Erzählung vor. Alle Geschichten handeln von der Schuld Erwachsener und Mächtiger gegenüber den Hilflosen. Alle Beziehungen sind durch Geheimnisse getrübt und von Unterlassungen bestimmt. Wo die Natur, in ihrer Schroffheit beeindruckend ins Bild gesetzt durch Stuart Biddlecombe (Kamera), auf die Härte des Überlebenskampfes weist, sitzen die Menschen in Katen, auf Werften, betreiben Sägewerke und Schafzucht, hegen Fehden und archaische Blutrachevorstellungen und scheinen von der Kultiviertheit der Städte so weit entfernt wie der Mensch vom Mond.

          Karg, rauh und scharfkantig - die Umwelt spiegelt genau den Gemütszustand von Inspector Mathias, von dessen eigener Familiengeschichte wir nun erfahren und bestätigt finden, was von Beginn aufschien: Dieser Mann tut Buße, er arbeitet sich an der Schuld anderer ab, um seine eigene zu bewältigen. Jeder Fall geht ihm unter die Haut, eigentlich müsste er suspendiert sein, eine interne Ermittlung läuft jedenfalls. Chef Brian Prosser (Aneirin Hughes) hält, irgendwie enigmatisch motiviert, an Mathias fest.

          Der Tote in der am Sonntag laufenden Episode „Alte Wunden“, ein Busfahrer, der mit einem Bolzenschussgerät hingerichtet wurde, schien auch ein treusorgender Familienvater zu sein. Ein Kriegsveteran, ausgemustert, der Kind und Frau allerdings nur über die Runden brachte, indem er den Schulkindern Drogen verkaufte. Spuren führen zu einer Familie, deren Kind durch Ecstasypillen eine Hirnschädigung erlitt. Auch der notorisch klamme Busunternehmer macht sich verdächtig. Sein Mechaniker, Exsoldat John Bell (Mark Lewis Jones), trägt ebenfalls schwer an der Erinnerung. Bei einer Razzia in Afghanistan benutzten Taliban Frauen und Kinder als lebende Schutzschilde. In einer Szene setzen Bell und Mathias sich mit der Bürde ihres Überlebens auseinander. Weitermachen, alles ein sinnloses Wirken des Zufalls? Sisyphos hat dabei wenigstens keinen Schmerz empfunden. Auch die Brüder des Ecstasyopfers leben mit Schuldgefühlen. Vergeben mag in der Großstadt möglich sein, in dieser Landschaft geht es noch um das zwingende Gesetz der Rache.

          Als sie auftaucht, erscheint alles in einem neuen Licht: Anamaria Marinca als Meg Mathias.

          So stringent die Bildgestaltung und die mystisch angehauchte Musik (John E. R. Hardy), so konzentriert sind das Buch von Debbie Moon und die Regie von Gareth Bryn. Auch in der zweiten Staffel hält „Inspector Mathias“, ursprünglich von Ed Talfan und Ed Thomas ersonnen und produziert, das Spannungsniveau. Die vorerst letzte Folge endet abermals mit einem Cliffhanger. Das letzte Wort ist in diesem Schuld- und Sühnedrama aus Wales noch nicht gesprochen.

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