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Gestoppte Arte-Dokumentation : Spuren der Misshandlung

Eine andere Geschichte: Evgeniy Lunchenko als Magnizki in Andrej Nekrassows Film Bild: Anna Marchuk/ZDF

Der Anwalt Magnizki ist im Jahr 2009 in russischer Haft zu Tode gebracht worden. In einem Dokumentarfilm hat der Regisseur Nekrassow die Brisanz des Falles heruntergespielt. Jetzt wird ihm Propaganda im Sinne Putins angelastet.

          Der russische Journalist Andrej Nekrassow glaubt, wie er an dieser Stelle sagte, er könne die Geschichte des Ende 2009 in Moskauer Haft verstorbenen Anwalts Sergej Magnizki neu erzählen. Deshalb drehte er einen Film für das ZDF und Arte, der jedoch in letzter Minute abgesetzt wurde. Magnizkis Hinterbliebene und für den Film Befragte hatten erhebliche Zweifel an dem Film angemeldet. Die Grünen-Politikerin Marieluise Beck verwahrt sich gegen die Vorgehensweise Nekrassows bei einem Interview, der Investmentbanker Bill Browder hält den Wahrheitsgehalt des Films für gleich null.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Dafür gibt es gute Gründe, wie Bernd Fabritius (CSU) mitteilt, der stellvertretende Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses der Parlamentarischen Versammlung des Europarats. So sei es falsch, zu behaupten, die Berichterstatter des Europarats hätten zu dem Fall keine eigenen Untersuchungen angestellt, sondern sich nur auf die Angaben des Investors Browder verlassen. Es habe zwei Besuche in Moskau gegeben, Gespräche mit Behördenvertretern, Menschenrechtsanwälten und die Einsichtnahme in amtliche Dokumente. „Eklatant wahrheitswidrig“ sei Nekrassows Behauptung, Magnizki habe nichts enthüllt und niemanden angezeigt. Die „einfach“ durch Dokumente zu belegende Wahrheit sei, „dass Magnizki die Polizisten, die ihn später verhaften ließen, bei verschiedenen Gelegenheiten und belegt durch offizielle Vernehmungsprotokolle, welche dem Europarat vorliegen, belastet hat“.

          Gerade noch rechtzeitig entdeckt

          Magnizki war einem großangelegten Betrug der Moskauer Polizei auf die Spur gekommen. In der Haft wurde er, wie die „Nowaja Gaseta“ aufgrund von Briefen und Tagebüchern nachwies, die Magnizki in der Haft schrieb, zu Tode gebracht. Ihm wurde Trinkwasser verweigert, er wurde in immer neue, verdrecktere Zellen verlegt. Als er an Bauchspeicheldrüsenentzündung erkrankte, leisteten ihm die Gefängnisärzte keine Hilfe. Er wurde misshandelt und verprügelt, was Spuren an seinem Leichnam belegen. Dass Nekrassow dies in Abrede stelle, sei „schmerzhaft und unentschuldbar“, sagte der Investor Bill Browder auf Anfrage. Der Regisseur stütze die lügnerische Haltung des russischen Präsidenten Putin in diesem bestens dokumentierten Fall von Korruption, dem die Ermordung seines Anwalts und Freundes Sergej Magnizki gefolgt sei, der das Verschwinden von 230 Millionen Dollar aufklären wollte und auch die Namen zweier involvierter Polizeioffiziere benannt habe.

          Marieluise Beck widerspricht dem Regisseur Nekrassow in der Schilderung von Dreharbeiten bei einem Interview. Sie habe Nekrassow explizit darum gebeten, ihre Mitarbeiter aus Schutzgründen nicht zu filmen; er habe es trotzdem getan, als „russische Propaganda“ habe sie seinen Film indes nicht bezeichnet.

          Frau Becks Anwälte wiederum weisen Nekrassows Unterstellung zurück, sie hätten bei ihrem offiziellen Protest gegen den Film „gestohlenes geistiges Eigentum“ verwendet. Das sei schlicht falsch. Er sei, sagte der Europapolitiker und Bundestagsabgeordnete Bernd Fabritius, Arte und dem ZDF „dankbar dafür, dass sie gerade noch rechtzeitig entdeckt haben, einer Propagandaattacke ausgesetzt gewesen zu sein“.

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