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Senta Berger zum Siebzigsten : Die Königin des deutschen Films

Man kennt sie als oberste und schönste Repräsentantin des deutschen Films. Dabei hat die Schauspielerin Senta Berger eine große Karriere im internationalen Filmgeschäft gemacht. Heute wird sie siebzig.

          Heute ist sie für fast alle nur die schnelle Gerdi und die besonnene Kriminalrätin Prohacek, die bezaubernd fluchende Mona aus „Kir Royal“ und die Frau, die der Deutschen Filmakademie ein Gesicht gegeben hat. Aber es gab eine Zeit, da war sie eines der großen Gesichter des europäischen Films - und eine andere, noch früher, da war sie ein deutscher Star in Hollywood. Fünf Jahre lang stand sie bei der Columbia unter Vertrag, und niemand kann sagen, wohin ihr Talent sie geführt hätte, wenn sie geblieben wäre.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Sie spielte eine mexikanische Ärztin in Sam Peckinpahs „Major Dundee“ und eine deutsche Agentin in Michael Andersons „Quiller Memorandum“, sie stand als Hagana-Kämpferin und love interest von Kirk Douglas in „Der Schatten des Giganten“ und als Nachtclubtänzerin neben Rita Hayworth, Omar Sharif und Marcello Mastroianni in „Mohn ist auch eine Blume“ vor der Kamera. Aber dann, Anfang 1969, sagte sie Los Angeles Lebewohl und kehrte nach München zu Michael Verhoeven zurück, mit dem sie seit fünfundvierzig Jahren verheiratet ist.

          Ihre Schönheit war überwältigend

          In Senta Bergers Filmkarriere kann man ohne viel Mühe das Gegenbild zur Tragödie der nur drei Jahre älteren Romy Schneider erkennen. Auch die Komponistentochter aus Wien hat früh angefangen, schon mit sechzehn spielte sie eine Schülerin in Willi Forsts Komödie „Die unentschuldigte Stunde“, und ein Jahr später wurde sie aus dem Max-Reinhardt-Seminar geworfen, weil sie verbotenerweise in Anatole Litvaks „Die Reise“ aufgetreten war. Ihr Ruhm, befördert durch Filme wie Bernhard Wickis „Wunder des Malachias“, die Simmel-Adaption „Es muss nicht immer Kaviar sein“ oder Axel von Ambessers „Schwejk“, in dem sie neben Heinz Rühmann zu sehen war, kam wie ein Blitz, ihre Schönheit war überwältigend, und ebenso wie Romy enttäuschte sie ihr deutschsprachiges Publikum, indem sie ins Ausland ging.

          Das schönste Gesicht des deutschen Films Mitte der Sechziger

          Aber alles, was Romy Schneider missglückte, wandte sich für Senta Berger zum Guten. Die Misere der siebziger Jahre, als sie trotz wichtiger Rollen bei Wenders („Der scharlachrote Buchstabe“) und Schlöndorff („Die Moral der Ruth Halbfass“) von den Regisseuren des Neuen Deutschen Films links liegengelassen wurde, überstand sie durch Theaterarbeit und Auftritte in italienischen und amerikanischen Spielfilmen (“Steiner“, „Die nackte Bourgeoisie“). Als dem Kino in den achtziger Jahren die Luft ausging, erfand sie sich im Fernsehen neu. Und als der deutsche Film nach der Jahrtausendwende wieder an Kraft gewann, wurde sie zu seiner obersten Repräsentantin.

          Die Gabe, loslassen und zugleich das Beste der Vergangenheit bewahren zu können, spricht auch aus ihrer Autobiographie „Ich hab ja gewusst, dass ich fliegen kann“, in der sie souverän auf ihre Anfänge zurückblickt. Mit einer Gelassenheit, die man bewundern muss, hat sich Senta Berger von der Kino-Ikone zur großen Schauspielerin gewandelt. Heute wird sie siebzig Jahre alt.

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