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Sender Euronews : PR-Kanal für die Scheichs?

  • -Aktualisiert am

Mir grüner Fassade: das Gebäude des Fernsehsenders Euronews in Lyon Bild: Picture Alliance

Den Sender Euronews haben Finanzinvestoren mit Verbindungen zu Victor Orbán gekauft. Jetzt macht der Kanal Werbung für Saudi-Arabien. Das ist kein gutes Omen.

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          Vor einem Monat hat das französische Wirtschaftsministerium dem Verkauf des Senders Euronews zugestimmt. Kaum war es so weit, gingen die neuen Eigentümer eine Partnerschaft mit Saudi-Arabien ein. Die Geschäftsleitung rechtfertigt das mit finanziellen Problemen, die Redaktion protestiert. Die Zusammenarbeit verstößt gegen die Bestimmungen der EU. Brüssel subventioniert die „Stimme Europas“. Unter dem ägyptischen Besitzer Naguib Sawiris hatte Euronews jährliche Verluste in zweistelliger Millionenhöhe erwirtschaftet – 2021 waren es nochmals siebzehn Millionen Euro. Der von Sparrunden und Entlassungen gebeutelten Redaktion hatten Sawiris Statthalter in Lyon, wo sich die Studios befinden und vierhundert Journalisten arbeiten, deutlich gemacht, dass der Sender bankrott sei. Länger als vorgesehen dauerte die Überprüfung des Verkaufs durch das Wirtschaftsministerium. Mitte Mai kam die Bewilligung, im Juli soll die Übernahme abgeschlossen werden.

          Es gibt viele Vorbehalte gegenüber dem neuen Eigentümer Alpac Capital. Die Investmentgesellschaft verfügt über keinerlei Medienerfahrung und wird von den Söhnen eines ehemaligen Nationaltrainers und eines Europapolitikers, der einst José Manuel Barroso beraten hatte, betrieben. Sie haben politische wie geschäftliche Beziehungen zu Victor Orbán. Doch jegliche Abhängigkeit oder auch nur Sympathie für den ungarischen Regierungschef stellen sie in Abrede. Die neuen Eigentümer bekennen sich zur Demokratie, zu Europa und zur Meinungsvielfalt. Mit Guillaume Dubois haben sie einen versierten Journalisten zum Chefredakteur ernannt. Seit dem 9. Juni ist Dubois verantwortlich. Wenige Tage vor seinem Amtsantritt hatte Euronews ein neues Magazin ins Programm genommen: „Inspire Saudia“. Es erzählt mit paradiesischen Bildern vom süßen Leben in Saudi-Arabien.

          Auch für andere Länder stellt sich Euronews als Werbesender zur Verfügung. Es war erstaunlich genug, dass die PR-Sendung „Katar 365“ von den französischen Behörden nicht beanstandet wurde – aber ihnen ging es offensichtlich nur um wirtschaftliche Belange. Zu Qatar und Saudi-Arabien unterhält Frankreich enge Beziehungen. Der Deal mit den Saudis lässt vermuten, dass Euronews in finanzieller Hinsicht auf dem letzten Loch pfeift. Saudi-Arabien ist ein schlechtes Omen: Euronews als Nachrichtensender, der in 160 Ländern empfangen werden kann und für Business und Urlaub in Diktaturen wirbt? So werden die letzten Reserven des wichtigsten Kapitals – der journalistischen Glaubwürdigkeit – verbraucht. Die Redakteure protestieren. Die einzige Zusicherung, die sie bekamen: Wer an „Inspire Saudia“ nicht mitarbeiten will, habe keine Nachteile zu befürchten.

          In ihrem Protestschreiben, das „La Lettre A“ vorliegt, verweisen die Journalisten auf die Klage von „Reporter ohne Grenzen“ gegen das Königreich und dessen Herrscher Mohammed bin Salman. Sie lautet auf „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“. Das Regime ist für die Ermordung des Journalisten Jamal Kha­shoggi in Istanbul verantwortlich. Der Besitzerwechsel in Lyon war für Euronews so etwas wie eine letzte Chance. Mit dem Fehlstart wird sie verspielt. Werden die PR-Sendungen für Qatar und Saudi-Arabien nicht eingestellt, bleibt der EU keine andere Wahl: Sie muss die 16 Millionen Euro Subventionen umgehend streichen.

          Jürg Altwegg
          Freier Autor im Feuilleton.

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