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„Und wer nimmt den Hund?“ : Selten war es so schön vorbei

  • -Aktualisiert am

Bei der Paartherapie: Doris (Martina Gedeck) und Georg (UlrichTukur) Bild: ARD Degeto

Da bleibt dem beziehungsgeprüften Zuschauer das Lachen der Selbsterkenntnis im Hals stecken: In „Und wer nimmt den Hund?“ zeigen Ulrich Tukur und Martina Gedeck, wie viel Liebe in einer Trennung stecken kann.

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          Kurz nachdem Doris (Martina Gedeck) und Georg (Ulrich Tukur) sich damals im geheimnisvollen Halbdunkel des Quallenaquariums kennengelernt hatten, machten sie „die Liste“. Das heißt, erst hielt er ihr einen gelehrten Vortrag über die Fähigkeiten der Medusen, sich durch eigenes Auffressen zu erneuern, was sie bewunderungswürdig fand. Und dann ging es noch weiter zum Zitteraal. Doris fand Georg, den jüngsten Aquariumsdirektor Deutschlands, zum Verlieben klug. Sie hätte ihm stundenlang weiter zuhören können. Und tat es dann zwanzig Jahre lang. Er mochte ihre Nase. Er mag sie immer noch. Die Liste, das war der gemeinsame „Lebenswunschzettel“, datiert und mit Unterschriften. Die Punkte Kinder, Haus, Hawaii, Sex, Ägypten, verrückt bleiben – vieles davon im Lauf der Zeit abgehakt. Obwohl. Der Sex, ganz okay für jemanden mit chronischem Rückenleiden. Verrückt bleiben – das blieb auf der Strecke. Oder war er immer schon viel konventioneller als sie? Irgendwann, so gesteht Georg verschämt, „haben wir sogar FDP gewählt“. Er hat eine Freundin, seine Ehefrau hat ihn rausgeworfen. Nun sitzen beide zum „bewussten Entpaaren“ (Gwyneth Paltrow) bei der Therapeutin Dr. Bruhns (Angelika Thomas). Und schon bald geht es um Lebensbeichten und ans Eingemachte.

          Er fand sie irgendwann langweilig, als Mutter, Hausfrau und Teilzeitkraft in einer Galerie. Für 800 Euro im Monat, das müsse man sich mal vorstellen. Ihr Selbstbewusstsein, perdu, sagt er. Ihr platzt der Kragen, „ungeheuerlich“ sei das, sie habe ihm seine Karriere ermöglicht und den Rücken freigehalten. Überhaupt nehme sie nun eine Hypothek auf das gemeinsame Haus auf und mache sich selbständig. Etwa „mit einem Bauunternehmen für Luftschlösser?“, fragt er ätzend. Er dagegen hat gerade mit einer dreißig Jahre jüngeren Doktorandin, Laura (Lucie Heinze), die „Frau seines Lebens“ kennengelernt und fühle sich wie dreißig. Verliebt sei er in das „Gefühl, dass einfach noch mal alles neu anfangen könnte“. Dass er „nicht sterben“ würde. Doris darauf: „Ich bin nur noch zum Sterben gut?“

          In verkabelten Gummianzügen gegen den Verfall

          Die Trennungskomödie „Und wer nimmt den Hund?“ zeigt die ARD im Rahmen des „Sommerkinos im Ersten“. Der Film, der beim Filmfest München für den Bernd-Burgemeister-Preis nominiert war und im vergangenen Jahr im Kino lief, ist weder Existenzdrama wie der Klassiker „Kramer gegen Kramer“ noch detailliertes Psychogramm einer gescheiterten Beziehung wie die Netflix-Serie „Marriage Story“ von Noah Baumbach, beides Oscar-Gewinner und Goldstandard des Genres. „Und wer nimmt den Hund?“ fasst das Scheitern der Ehe von Doris und Georg eher von der lustigen, bisweilen auch von der absurden Seite auf. Drehbuchautor Martin Rauhaus, ausgezeichneter Kenner des Menschlichen, schreibt Martina Gedeck und Ulrich Tukur für die Therapieszenen Dialoge, bei denen vor allem dem beziehungsgeprüften Zuschauer das Lachen der Selbsterkenntnis im Hals stecken bleibt.

          Regisseur Rainer Kaufmann („Blaubeerblau“, „Ein fliehendes Pferd“) setzt mit Erfolg auf die ausgelassene Spielfreude seiner Hauptdarstellerin und seines Hauptdarstellers. Rührend bis lächerlich, wie Georg und sein bester Freund Peter (Peter Jordan) im Fitnessstudio in elektrodenverkabelten Gummianzügen gegen den vermuteten Verfall ihrer Männlichkeit antrainieren. Unfassbar, wie Doris auf den Schwadroneur Axel (Marcel Hensema) hereinfällt – „Endlich einer, der mit Derrida etwas anfangen kann!“ – , der beim ersten Zusammentreffen gleich ihre Freundin Claudia (Julika Jenkins) anbaggert. Erstaunlich, wie Doris’ und Georgs Kinder, längst auf eigenen Wegen unterwegs, alles ziemlich banal bis normal finden.

          Von einigen Exaltiertheiten abgesehen, die sich samt und sonders gegen Autos richten – Georgs Attacke auf die Reifen des Nebenbuhlers; Doris’ Versuche, den Familienwagen zu schrotten, und ihre erfolgreiche Abfackelung des Kleinwagens der jungen Doktorandin, die den dreißig Jahre Älteren als Partner bald zu eingefahren findet –, bleibt der Komödienton des Films trotz satirischer Anklänge frei von Hohn oder Zynismus. Im Grunde liegt, und daran besteht nach der Trennungstherapie kein Zweifel, hier eine Liebesgeschichte vor. Auch wenn sie vorbei ist. Nur für einen wird es keine Zukunft geben – den Hund mit Namen Töpperwien.

          Und wer nimmt den Hund?, heute, 20.15 Uhr, ARD.

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