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Schwester des Sultans : Die Deutsch-Türkin Selma Ergeç erobert die Türkei

In den Träumen ihrer Figur darf sie alles, außer reiten: Selma Ergeç Bild: Archiv

Türken lieben die Serie „Das prächtige Jahrhundert“ und die starken Frauen darin. Selma Ergeç spielt eine von ihnen. In der Türkei ist sie ein Star. Geboren ist sie in Hamm.

          Bis vor kurzem wurde Selma Ergeç oft gefragt, wann ihre große Liebe Ibrahim denn sterben werde. Sie sagte dann immer: „Am 14. März 1536“, und wenn sie das sagte, nickten die Leute wissend und lächelten sie mitfühlend an. Und auch als sie an diesem Morgen das Istanbuler Café „Limonlu Bahçe“ betritt, halten die Gäste inne und schauen ihr mit verzückt-verträumten Blicken hinterher. Selma Ergeç ist Deutsch-Türkin und ein Star in der Türkei: Sie spielt Hatice Sultan, die Schwester von Sultan Süleyman dem Prächtigen in der erfolgreichsten türkischen Fernsehserie aller Zeiten „Muhtesem Yüzyil“ („Das prächtige Jahrhundert“).

          Karen Krüger

          Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Seitdem sie läuft, ist es in der Türkei eigentlich sinnlos, sich mittwochabends verabreden zu wollen. Außer man trifft sich vor dem Fernseher. Elf Millionen Türken schalten ein, wenn der Osmanische Hof bebt vor Liebe und Intrigen, mit Geschichten und Kulissen aus Tausendundeiner Nacht und historischen Persönlichkeiten, die man sonst nur gerahmt von drögen Zahlen und Fakten antreffen kann. Genüsslich wird vom Sofa aus kommentiert: Der Sultan hat geschwitzt beim Sex! Darf ein Sultan das? Und wann endlich kommt denn jetzt Brad Pitt? Der Schauspieler soll einen Gastauftritt zugesagt haben - für schlappe zwei Millionen Dollar. Ganz zu Recht nannte die „New York Times“ die Serie eine Art osmanisches „Sex and the City“.

          Anfangs war ihr deutscher Akzent zu stark

          Selma Ergeç setzt sich an den Tisch, bestellt Frühstück. Verhandelt mit dem Kellner, ob er ihr nicht doch irgendwoher einen Sesamkringel organisieren kann, obwohl der nicht auf der Karte steht. Er steht da, strahlt und schüttelt den Kopf. Als Hatice Sultan ist Selma Ergeç eine kluge Schönheit, gekleidet in prachtvolle Gewänder, die ihre Reize so gut zur Geltung bringen, dass türkische Sittenwächter alarmiert sind. In Jeans und Kapuzenshirt sieht sie aus wie die hübsche Nachbarin, von der man hofft, dass sie endlich mal bei einem klingelt. Lustigerweise sprechen sie auf der Straße vor allem arabische Touristen an. „Sie sind Meister darin, Maskierungen zu enttarnen. Auch wenn ich mit Sonnenbrille, Schal und Kapuze rumlaufe, kommen sie und bitten um ein Foto.“

          In sechzig Länder wurde die Serie schon verkauft, unter ihnen die Emirate. Auch in Deutschland wird geguckt, über Kabel und Internet, denn noch hat kein deutscher Sender die Serie gekauft. Es gibt deshalb Unterschriftensammlungen deutsch-türkischer Fans und eine deutschsprachige Facebook-Seite, falls das Türkisch nicht gut genug ist, um in Foren mitzudiskutieren. Auch Selma Ergeç hatte anfangs sprachliche Probleme. Ihre erste Rolle wurde synchronisiert, so stark war ihr deutscher Akzent. Damals schwor sie sich: So etwas passiert mir nie wieder. Sie nahm Schauspielunterricht, feilte an ihrem Türkisch. Und wird heute nur noch selten korrigiert.

          Groß geworden mit „Verbotener Liebe“ und „Marienhof“

          Selma Ergeç wurde 1978 in Hamm geboren, als Tochter eines deutsch-türkischen Ehepaares. In Münster studierte sie Medizin, absolvierte ihre Praktika aber an Krankenhäusern in der Türkei. Und bekam dort Lust, einige Zeit auszusetzen, um herauszufinden, warum sie sich nicht vorstellen kann, ganz in der Türkei zu leben.

          Das war vor zehn Jahren. Sie versuchte sich als Model, mit mäßigem Erfolg. Stattdessen wurde ihr in einer Seifenoper eine Rolle angeboten, über die türkische Schauspieler nur die Nase rümpften: Gesucht wurde die Darstellerin einer minderjährigen Drogensüchtigen. Groß geworden mit „Verbotener Liebe“ und „Marienhof“, wo selbst die schwierigsten Charaktere irgendwann geläuterte Mitglieder der Gesellschaft werden, sagte Selma Ergeç zu. Weitere Fernsehrollen folgten, auch Kinofilme, 2011 dann das Angebot einer Hauptrolle in „Muhtesem Yüzyil.“

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