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Schwere Verletzung : Regimekritiker in China nach ARD-Interview zusammengeschlagen

  • Aktualisiert am

1,3 Millionen Menschen wurden wegen des Dammbaus umgesiedelt Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Ein chinesischer Regierungskritiker ist unmittelbar nach einem Polizeiverhör wegen eines ARD-Interviews zusammengeschlagen und schwer verletzt worden. Fu Xiancai sei nun vom Hals abwärts gelähmt, heißt es.

          Ein chinesischer Regierungskritiker ist unmittelbar nach einem Polizeiverhör wegen eines ARD-Interviews zusammengeschlagen und schwer verletzt worden, wie die Menschenrechtsgruppe Human Rights in China am Dienstag mitteilte.

          Fu Xiancai sei nach dem Überfall in der vergangenen Woche vom Hals abwärts gelähmt, hieß es. Er hatte sich wegen ausbleibender Kompensationszahlungen für die Umsiedlung von rund 1,3 Millionen Menschen während der Bauarbeiten für den Drei-Schluchten-Damm mehrfach bei der Regierung in Peking beklagt.

          Von Unbekannten niedergeschlagen

          Wie Human Rights in China weiter berichtete, wurde Fu am Donnerstag zu einer Vernehmung bei der Polizei in der Region Zigui in der Provinz Hubei bestellt. Dort wurde er zu dem Interview über den Abschluß der Bauarbeiten am Drei-Schluchten-Damm befragt, das er der ARD am 19. Mai gegeben hatte. Auf dem Heimweg sei er von Unbekannten niedergeschlagen worden. Fu werde im Krankenhaus rund um die Uhr polizeilich überwacht, hieß es.

          NDR-Intendant Jobst Plog schrieb in einem Brief an den chinesischen Botschafter in Berlin, ARD-Mitarbeitern sei jegliche Kontaktaufnahme zu Fu oder seiner Umgebung verwehrt worden. Am 10. Juni habe der Sender erfahren, daß auch Fus Familie jeglicher Kontakt zu dem Verletzten untersagt worden sei.

          Plog: ein Racheakt

          In dem ARD-Interview erklärte Fu, er habe wie viele andere Menschen aus der Jangtse-Uferregion nicht die versprochenen Kompensationszahlungen für die notwendige Umsiedlung erhalten. Er sei nach eigenen Angaben 15 Mal in Peking gewesen, „um mich bei der Zentralregierung zu beschweren, über 50 Mal bei der Orts- und Provinzverwaltung. Nie wurde mir geholfen. Im Gegenteil: Ich wurde bedroht und geschlagen“.

          Es stehe außer Zweifel, „daß der Überfall ein Racheakt unter anderem wegen seiner Äußerung im Deutschen Fernsehen war“, erklärte Plog. So sei Fu in der lokalen Verwaltung als „Verräter“ hingestellt worden, weil er mit ausländischen Medien gesprochen hatte. Plog forderte den chinesischen Botschafter auf, seinen Einfluß geltend zu machen, „daß chinesische Staatsbürger künftig nicht um Leben oder Gesundheit fürchten müssen, nur weil sie sich ganz sachlich im Deutschen Fernsehen äußern“.

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