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Schweizer Rundfunk vor dem Aus : Eidgenössischer Kampf um alles oder nichts

Die Abstimmung hat eine Diskussion in Gang gebracht, die nun noch viel weiter geht. Nur in wenigen Einzelfällen ist die Kritik an der Qualität der Programme berechtigt. Um die Heimatverbundenheit zu garantieren, wird mehr denn je auch auf die Mundart zurückgegriffen. Die Frage nach der Zahl der Sender und dem Programmauftrag aber stellt sich sehr wohl. Was braucht es an Information und Kultur, um die Grundversorgung zu garantieren und der Rolle als „eidgenössische Klammer“ gerecht zu werden? Gehört eine Welle für Pop oder Folklore dazu? Ein Nachrichtenkanal? Gehört die Champions League ins öffentlich-rechtliche Fernsehen? Ganz zu schweigen von Reality-Shows und einem Promi-Magazin.

Was sie da alles so finanzieren

Das Parlament hatte die Zwangsgebühren abgesegnet – zur Volksabstimmung kam es nur, weil der Gewerbeverband Unterschriften dagegen sammelte. In der Debatte entdeckten die Schweizer die SRG als „Moloch“. Erstmals wurde ihnen bewusst, was sie da alles so finanzieren. Im Streit darüber, ob man die Gebühren mit einem Zeitungsabonnement vergleichen könne, ging die SRG bis vor das oberste Gericht des Landes. Und die von der Billag unrechtmäßig einkassierte Mehrwertsteuer wollte sie für sich – und nicht den Gebührenzahlern zurückerstatten lassen.

Das alles hat für viel Missstimmung gesorgt. Das übelste Fehlverhalten der SRG aber war ihr Zusammenschluss mit der halbstaatlichen Telefongesellschaft Swisscom und dem Verlag Ringier im Bereich der Datenverwertung zu Werbezwecken. Sie gründeten die gemeinsame Firma Admeira, den mit Abstand größten Werbevermarkter des Landes. Der Verlegerverband ging vor Gericht, Ringier verließ ihn im Streit. Offenbar führen Verlage, die den Zusammenschluss kritisieren, Geheimgespräche über einen Beitritt, und SRG-Generaldirektor Marchand scheint auf einen Austritt aus der von seinem Vorgänger begründeten Admeira hinzuarbeiten. Die einzige Grenze, die der SRG in den letzten Jahren gesetzt wurde, war das Verbot von Internetwerbung – die Roger de Weck ebenfalls gefordert hatte.

Einen Monat vor der Ankündigung seines Abschieds ließ er sich von dem Journalisten Roger Schawinski ein weiteres Mal im eigenen Sender interviewen. Am Schluss der Sendung löschte Schawinski das Licht im Studio und fuchtelte mit einer Taschenlampe herum. Das Gesicht seines Gasts erschien nun im Kegel des fahlen Lichts. „Am Schluss es birebitzeli en Joke“, kommentierte Schawinski seinen Gag, mit dem er sich über die Sparmaßnahmen bei der SRG lustig machte. Im kommenden Frühling könnte der frivole Witz bittere Wirklichkeit werden. Zum Jahreswechsel gab es eine neue Umfrage, diesmal der gesamten Bevölkerung zwischen achtzehn und 75 Jahren. Sechzig Prozent der Schweizer sind mit den Programmen zufrieden. 57 Prozent plädieren für ein Ja zu „No Billag“, aber nur 17 Prozent glauben, dass es ein Ende des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und Fernsehens bedeuten würde.

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