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Schweighöfer als Reich-Ranicki : Von Literatur durchdrungen

Der Kritiker als junger Mann Bild: obs

Die Produzentin Katharina Trebitsch wird das Leben von Marcel Reich-Ranicki verfilmen. Sie will einen Film drehen, der auch ein junges Publikum mit der Lebensgeschichte des Literaturkritikers vertraut machen soll. Die Rolle des jungen Reich-Ranicki wird daher Matthias Schweighöfer spielen.

          Der Schauspieler Matthias Schweighöfer wird den Literatur-Kritiker Marcel Reich-Ranicki spielen. Er tritt auf in der Verfilmung von Reich-Ranickis Autobiographie „Mein Leben“, produziert wird der Film von Katharina Trebitsch, die sich vor zwei Jahren schon die Rechte an der Verfilmung gesichert hatte. Regie führt der israelische Filmemacher Dror Zahavi, das Drehbuch stammt vom Michael Gutmann, die Kamera führt Gero Steffen, produzierender Sender ist der Westdeutsche Rundfunk. Wer die Rolle von Marcel Reich-Ranickis Ehefrau Tosia übernimmt, steht noch nicht fest. Die Dreharbeiten sollen noch im Sommer dieses Jahres beginnen.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          „Der Film über Marcel Reich-Ranicki,“ sagte die Produzentin Katharina Trebitsch im Gespräch mit FAZ.NET, „zeigt, dass sein Überleben unter den Bedingungen seiner Zeit an ein Wunder grenzt. Er zeigt auch, dass eine innere phantasievolle geistige Welt Anstoß für dauernde Neugier und Interesse am Morgen sein kann und darum nicht aufgeben lässt. Junge Zuschauer erleben das letzte Jahrhundert am Beispiel eines Menschen, der nie seine geistige Unabhängigkeit verloren hat.“

          Um sein Leben erzählen

          Sie wolle einen Film drehen, der auch ein junges Publikum mit der Lebensgeschichte Reich-Ranickis, der von 1973 bis 1988 die Literatur-Redaktion der F.A.Z. leitete, vertraut machen solle, hatte Katharina Trebitsch in einem früheren Gespräch gesagt. In seiner einzigartigen Autobiographie zeige Reich-Ranicki, „wie wichtig es ist, über eine geistige Welt zu verfügen, in einer zu leben. Andere Menschen mussten um ihr Leben laufen - Marcel Reich-Ranicki hat um sein Leben erzählt.“

          Ein Leben als Vermächtnis an die nachfolgende Generation: Marcel Reich-Ranicki

          Marcel Reich-Ranicki und seiner Frau Tosia war im Februar 1943 unter dramatischen Umständen die Flucht aus dem Warschauer Ghetto geglückt, seine Eltern wurden in den Gaskammern von Treblinka ermordet, sein Bruder in einem Arbeitslager bei Lubin erschossen. Sie wolle zeigen, sagte Katharina Trebitsch, wie Marcel Reich-Ranicki die Umstände seines Lebens durchgestanden habe: „Er hat sie durchgestanden, weil er von Literatur durchdrungen war. Auch die Literatur hat ihn immer zum Außenseiter gemacht, aber sie hat ihm das Leben gerettet, und heute, mehr als ein halbes Jahrhundert später, hat sie ihm eine einzigartige Rolle in diesem Land verschafft.“

          Schweighöfer als junger Reich-Ranicki

          Matthias Schweighöfer spielt Reich-Ranicki im Alter zwischen zwanzig und vierzig Jahren, also auch in der Zeit seiner Verfolgung durch die Nationalsozialisten. Er freue sich darauf, Reich-Ranicki „mit schwarzen Haaren und Glatze zu spielen“, sagte Schweighöfer, der im Augenblick in dem Kinofilm „Der Rote Baron“ zu sehen ist. Ende 2009, sagte Schweighöfer, wolle er seinen ersten Film drehen, er schreibe gerade an dem Drehbuch, für den Film „Rigor Mortis“ steht er gerade in Tirol vor der Kamera. Der Regisseur Dror Zahavi ist dem deutschen Fernsehpublikum vertraut unter anderem durch Filme wie „Die Luftbrücke“ und „Der geheimnisvolle Schatz von Troja“ auf Sat.1.

          Die Produzentin Katharina Trebitsch, Tochter des legendären Produzenten Gyula Trebitsch, der das Studio Hamburg gründete, hat etliche Film und unter anderem die Krimireihe „Bella Block“ betreut. Von 1980 an führte sie ihre eigene Gruppe von Produktionsunternehmen, in welche 1991 die Ufa einstieg. 2004 verließ Katharina Trebitsch die Gruppe und fing abermals als unabhängige Produzentin neu an, im Augenblick läuft unter ihrer Federführung die Kriminalreihe „Commissario Laurenti“ mit Henry Hübchen in der ARD.

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