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„Blutsbande“ auf Arte : Wehe, wehe, wenn ich die Geschwister sehe

Darf es wahr sein? Lasse (Björn Bengtsson), Oskar (Joel Spira) und Jonna (Aliette Opheim) schauen in die Zukunft. Bild: © Sveriges Television/Baldur Bra

Immer derselbe Ärger mit den lieben Verwandten: Die schwedische Serie „Blutsbande“ zeigt, wie spannend Familienleben sein kann.

          „Endlich sind wir wieder zusammen.“ Anna-Lisa Waldemar hat ihre drei erwachsenen Kinder versammelt. Jonna, Lasse und Oskar sind wenig begeistert und wissen auch nicht, was das Treffen auf der Insel in Åland nun soll. Ihre Mutter betreibt dort ein kleines Hotel, den Betrieb halten seit Jahren Oskar und seine Frau Liv aufrecht. Lasse führt ein Restaurant in Stockholm, Jonna arbeitet an ihrer Karriere als Schauspielerin. Die drei haben sich wenig zu sagen und wissen nichts mit sich anzufangen. Was in ihren Kindertagen auf der Insel geschah, würden sie lieber vergessen. Aber daraus wird nichts. Ihre Mutter verschwindet und hinterlässt ein Vermächtnis, welches das Leben ihrer Kinder verändern wird. So bald werden sie von der Insel nicht mehr herunterkommen. Vielleicht sogar nie mehr.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Denn Anna-Lisa geht es um die Familie, um die „Blutsbande“, die, wie man sich leicht denken kann, in dieser schwedischen Serie eine doppelte Bedeutung haben. Seit Jahren wird der Vater vermisst und mit ihm ein Nachbar. Ob sie noch leben, weiß anscheinend niemand. Der eine oder andere weiß es selbstverständlich doch. Und nicht nur, dass Oskar partout verhindern will, dass Lasse den alten Swimmingpool repariert, ist seltsam. Es sei irgendwas mit dem Beton, sagt Oskar. Lasse erhält derweil Anrufe von einem Dunkelmann, dem er offenbar Geld schuldet. In ein sich anbahnendes Verbrechen scheint Lasse auch verwickelt zu sein. Irgendwann wirft er sein Handy ins Wasser, doch damit schafft er sich die Probleme natürlich nicht vom Hals, sie rücken nur noch näher. Seine Jugendliebe Liv entdeckt derweil ihre Gefühle für den Bruder ihres Mannes wieder. „Ferien auf Saltkrokan“ wie bei Astrid Lindgren wird es in diesem Sommer auf Åland nicht geben, so viel ist sicher.

          Es ist wie immer mit der Mischpoke

          Die zehnteilige Serie von Henrik Jansson-Schweizer, der unter anderem mit der Verfilmung des Romans „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ von Jonas Jonasson bekannt wurde, hat in Schweden das Publikum wie die Kritiker für sich eingenommen. Das kann man leicht nachvollziehen: Jansson-Schweizer und seine Koautoren Morgan Jensen und Niklas Rockström verstehen sich darauf, in epischer Breite eine Familiengeschichte zu erzählen, die alles andere als ein Sommermärchen darstellt und zum Thriller wird. Es ist wie immer mit der Mischpoke - man hat sie und hat nur Probleme damit.

          Von Zeit zu Zeit sähen die Geschwister sich vielleicht gern, aber andauernd? Das zerrt an den Nerven. Und das spielen Aliette Opheim (Jonna), Björn Bengtsson (Lasse) und Joel Spira (Oskar) unter der Regie von Erik Leijonborg und Anders Engström ganz wunderbar aus. Ihre Figuren hatten bis eben noch ein ganz anderes Leben - im Fall von Lasse und Oskar wird dieses obendrein von rebellierenden halberwachsenen Kindern bevölkert -, doch nun ist es mit der Selbstbestimmung vorbei. Man könnte meinen, ihre Mutter treibe ein böses Spiel mit ihnen. Doch sie meint es selbstredend nur gut, und ernst ist es ihr auch. „Seid froh, dass ihr einander habt“, sagt die Pfarrerin salbungsvoll. Doch spätestens als die drei der Anwältin ihrer Mutter gegenübersitzen, bewegt sie nur noch ein Gedanke: Wie kommen wir hier raus? Die Antwort lautet: gar nicht.

          Um aus dieser Familienaufstellung eine packende Serie zu machen, braucht es dann nur noch passende Bilder, wie sie Calle Persson und Nille Leander fotografieren. Die Motive drängen sich auf: das Meer, die wenig bevölkerte Insel, das heruntergekommene Hotel. Da muss man nur noch warten, bis sich der Himmel ein wenig bewölkt, ein Sturm aufzieht - und die Stimmung der Figuren und der sie umgebenden Welt ist eins.

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