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„Schulz & Böhmermann“ bei ZDFneo : Kopfüber in den leeren Pool

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Gespräche an der Oberfläche

Die Moderatoren wirken kaum vorbereitet oder einfach desinteressiert an ihren Gästen. Und doch sind es deren Biographien, um die sich alles dreht. „Ich kann diese Jura-Geschichte nicht mehr hören“, klagt der Rapper, der in jedem zweiten Interview nach seinem unabgeschlossenen Jurastudium gefragt werde. So schleppt sich das Gespräch dahin, bleibt stets an der Oberfläche, die im Falle des in den neunziger Jahren als falscher Psychiater tätigen Postels so sattsam bekannt ist wie im Falle des Wetterfroschs Kachelmann, der sich erfolgreich gegen Vergewaltigungsvorwürfe zur Wehr gesetzt hat.

Postel gehen Schulz wie Böhmermann sehr hart an („Was glauben Sie, was mit Ihnen nicht stimmt?“), weshalb es kaum verwundert, dass der sich nicht öffnet, sondern ein ums andere Mal Versatzstücke der eigenen, längst in Büchern, Filmen und Interviews ausgeschmückten Legende zum Besten gibt: „Ich war Hochstapler unter Hochstaplern“. Die Moderatoren beharren indes auf ihrer Etikettierung „echter Gangster“, was dieser – nicht ganz zu Unrecht – „vollkommen langweilig und zum Gähnen“ findet. Böhmermanns Antwort „Aber ich ja nicht“ wirkt schlagfertiger, als sie ist.

Neues über Til Schweiger

Kachelmann wiederum scheint nur in die Sendung gekommen zu sein, um seinem gesteigerten Rechtfertigungs- und Anklagebedürfnis Genüge zu tun, und so hören wir wieder und wieder, welch schreckliches Unrecht ihm widerfahren sei („die Verbrecherin sitzt draußen und lacht“) und wer dafür noch zu büßen habe: „die Staatsanwaltschaft, die Frau und letztendlich Springer“. Dem ist mit Stand-up-Humor aus der Comedybranche nicht beizukommen.

Schließlich scheinen sich die beiden Gastgeber zu erinnern, dass ja eine weitere Person in ihrer Runde sitzt, aber noch gar nicht zu Wort gekommen ist. Nun darf die Drehbuchautorin Anika Decker einige Sätze sagen, die aber in ihrer öden Nichtigkeit („Ich bin grundsätzlich so ein bisschen die Gag-Tante“) nur unterstreichen, dass es gar nicht schlecht war, sie bislang zu übergehen. Immerhin weiß man jetzt, dass Til Schweiger höchstselbst ein paar Zeilen des „Keinohrhase“-Drehbuchs getippt hat, auch wenn er nicht immer die richtigen Tasten traf: „Er meint‘s ja nicht böse.“ Wenn etwas noch dröger ist als Wetter-Gespräche, dann Til-Schweiger-Gespräche.

Böhmermanns Feuerschnauze

Dass eine solche Sendung scheitern kann, räumt Jan Böhmermann zu Beginn selbst ein (und gibt am Ende zu, es sei noch Luft nach oben), allerdings meint er wohl ein grandioses, glanzvolles Scheitern: Tränen, Anbrüllen, Weglaufen, betrunken Umkippen, alles eben außer dem schlimmstmöglichen Scheitern, der trägen Routine. Und obwohl es die erste Sendung ist, fühlt sich schon viel nach Routine an, das Zuspielen der Bälle zwischen den Gastgebern, das Abklappern der boulevardmäßigsten Themen, das Gedöns mit den Jokerkarten: Eine Minute wird herausgeschnitten, wenn es kein Veto gibt (auch das schon so ähnlich, aber lustiger bei „Roche & Böhmermann“).

Natürlich finden sich auch kurze lustige Momente, für die meist Böhmermanns Feuerschnauze verantwortlich ist. Das Ankumpeln der Gäste wiederum, dem alles Echte abgeht, wirkt aufgesetzt und trägt hier einen guten Teil zum Eindruck des Berufsjugendlichen bei. Vielleicht macht die Sendung mit anderen Gästen noch einen Sprung heraus aus der faden Witzelei, wird frischer. Es wäre ihr zu wünschen. Ob sie dabei je die Reiseflughöhe des Vorgängers erreichen wird, ist mehr als ungewiss. Die erste Ausgabe jedenfalls gleicht einem mit viel Anlauf vollführten Zappelsprung vom Zehnmeterbrett in den leeren Pool.

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