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TV-Film „Das Dorf der Mörder“ : Da liegt eine Leiche im Zoo

Hat sich etwas zu weit vorgewagt: Die Streifenpolizistin Sanela Beara (Alina Levhin) muss ihre Dienstwaffe abgeben. Bild: ZDF / JULIA TERJUNG

Eine junge Polizistin gerät in „Das Dorf der Mörder“. Wir fragen uns: Kehrt sie heil zurück? Kennen wir die Szene unter der Dusche nicht aus „Psycho“? Und gibt es im ZDF nur noch Krimis nach 08/15-Schema? Es scheint so.

          Kriminalkommissar Gehring braucht dringend einen Kaffee. Und jemanden, der ihn holt. Gerne eine Kollegin, auch wenn die gerade Besseres zu tun hat. Die Streifenbeamtin Sanela Beara hat Besseres zu tun. Sie sorgt dafür, dass von der Leiche im Berliner Tierpark, an der die Pekari-Wildschweine knabbern, wenigstens noch etwas übrig bleibt, und hat schon eine erste Theorie zu dem Verbrechen.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Doch davon will der Kommissar, dessen öliger Charme nur bei wenigen Frauen wirkt, nichts hören. Er braucht jetzt den Kaffee, schwarz mit Zucker, sonst nichts. Schwarz aber wird es um Sanela Beara (Alina Levshin), nachdem sie einen Schlag vor den Kopf bekommen hat - mit dem Spaten, von der Tierpflegerin Charlie Rubin (Anna Loos). Die soll den Mann im Schweinegehege ermordet haben. Ist das nicht schön einfach? Der Fall scheint abgeschlossen, die Täterin gefunden. Nur Sanela Beara glaubt das nicht. Sie beginnt auf eigene Faust zu ermitteln und findet sich im „Dorf der Mörder“ wieder, in dem die Geschichte ihren Anfang nahm und das eigentlich „Dorf der Mörderinnen“ heißen müsste.

          Bis der bräsige Kommissar (Jürgen Tarrach) dort eintrifft und sich bequemt, an der Lösung des Rätsels mitzuwirken, hat Sanela Beara ganze Arbeit geleistet und sich - wie sich das für eine solche Geschichte gehört -, in höchste Gefahr gebracht. Der verständnisvolle Psychiater Jeremy Saaler (Benjamin Sadler) ist aufgetaucht, hegt einen ähnlichen Verdacht wie die Polizistin und bändelt mit Cara (Anna Brüggemann) an, der jüngeren Schwester von Charlie, die sich nicht erklären kann, warum die Ältere partout nichts mit ihr zu tun haben will. Irgendetwas muss damals auf dem Hof der Eltern, die beide tot sind, geschehen sein.

          Kaffee hatte er schon, fehlt nur noch die Nackenmassage: Kommissar Gehring (Jürgen Tarrach) und seine Assistentin Angelika Grobhe (Anja Taschenberg).

          Allzu hohe Ansprüche darf man an diesen Film nach einer Vorlage von Elisabeth Herrmann, die wenig hergibt, nicht stellen. Die Handlung ist teilweise hanebüchen, die Psychologie der Figuren rudimentär und fragwürdig; es gibt Dialoge, wie sie niemand spricht, es sei denn, er oder sie spielt in einem Krimi mit. Dabei lässt sich der Regisseur Niki Stein, der auch das Drehbuch geschrieben hat, zur Auflockerung allerhand einfallen. Mittendrin zum Beispiel gibt es eine anspielungsreiche „Psycho“-Szene unter der Dusche. Die Kamera von Arthur W. Ahrweiler holt aus den Motiven - etwa dem Drehort im südlichen Brandenburg - heraus, was rauszuholen ist. Und die Schauspieler sind allesamt Könner und ziehen ihre Rollen locker aus dem Ärmel. Sie stehen zu Recht im Vordergrund, nur leider in einem recht durchschnittlichen Film, dem gefühlt hundertsten 08/15-Krimi in diesem Jahr.

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