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Schmidt vs. Hildebrandt : „Werden Sie so schlecht bezahlt?“

Gipfeltreffen: Hildebrandt und Schmidt Bild: dpa

Harald Schmidt wählt die Grünen und nennt sich noch immer einen Kabarettisten: Mit Dieter Hildebrandt lieferte er sich bei Sandra Maischberger ein Fernsehduell auf intellektueller Augenhöhe - bis er kurz vor Schluss überrumpelt wurde.

          Am Ende hatte der dreißig Jahre Ältere den Jüngeren doch noch alt aussehen lassen, allerdings hatte er dazu fremde Hilfe benötigt.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Eine knappe Stunde lang hatten sich der achtzig Jahre alte Dieter Hildebrandt und der fünfzig Jahre alte Harald Schmidt in der Sendung Sandra Maischbergers ein Duell auf intellektueller Augenhöhe geliefert: der unermüdliche linke Moralist, der sein kabarettistisches Tun als „Inhalt mit Unterhaltung“ bezeichnet, und der unberechenbare Spätnachtspötter, der mit dem Credo dagegenhält: „Hauptsache, die Leute lachen, das ist ja schon schwer genug.“ Zwei Kollegen und Antipoden, die sich auf der Bühne nie begegneten und auch privat „nicht in Freundschaft geraten“ sind, wie es Hildebrandt etwas eckig formulierte, zwei unbestrittene Meister des komischen Fachs, die ihre beruflichen und öffentlichen Rollen unterschiedlicher kaum auslegen könnten.

          Als sich Maischberger einst von n-tv verabschiedete, war Dieter Hildebrandt in ihrer Gesprächssendung der vorletzte Gast. Harald Schmidt war der letzte. Zwei Jahre später gelang es ihr für die ARD nun erstmals, die beiden für ein gemeinsames Interview vor die Kamera zu holen - eine höchst reizvolle Konstellation. Als bundesdeutscher Kabarett-Urvater musste Hildebrandt in Schmidt einen verlorenen Sohn sehen, der den Kampf auf der richtigen Seite aufgab, um sich dem Lebensprojekt Harald Schmidt zu widmen. Schmidt wiederum, der bis Ende der Achtziger im Ensemble des Düsseldorfer „Kom(m)ödchens“ war, hatte später nie verhehlt, von der Schlaumeier-Attitüde des traditionellen Politkabaretts längst angeödet, ja angewidert zu sein - ohne freilich den Namen Hildebrandt je zu erwähnen.

          Schmidtchen Schmeichler

          Zum offenen Kampf der Komikkulturen kam es bei Sandra Maischberger gestern abend dennoch nicht. Unübersehbar saßen sich hier zwei Männer gegenüber, die einander mit Respekt, wohl auch mit gewisser Bewunderung, aber auch mit großem Unverständnis begegnen. Die beiden Leitwölfe umkreisten einander, zeigten auch mal die Zähne, ohne jedoch zuzuschnappen, fassten einander zunächst aber mit Samtpfoten an. Als Hildebrandt vor Jahren im Publikum des Kom(m)ödchens auftauchte, hatte Schmidt, wie er erzählt, „zuviel Respekt. Ich hätte mich nicht getraut, Sie anzusprechen.“ Aufgrund seines Könnens sei Hildebrandt für ihn „der Kabarettist überhaupt“ gewesen, schmeichelte Schmidt. Er nannte sich, als Maischberger ihn fragte, welche Berufsbezeichnung er heute für sich wähle, nicht Moderator, Entertainer, Schauspieler, Intellektueller oder Zyniker, sondern - Kabarettist. „Ich war auch nie etwas anderes.“

          Nachdem also unwidersprochen zwei Kabarettisten bei ihr saßen, sprach Maischberger das aktuelle Nachrichtengeschehen an. Doch beide, Schmidt wie Hildebrandt, erklärten den Fall Zumwinkel für kabarettistisch erledigt. „Das geht so'n VW-Weg“, prophezeite Schmidt, mit langen Verfahren und „am Schluss fünfzig Euro in die Gerichtskasse“. Nicht die Figur Zumwinkel interessiere ihn, so Hildebrandt, sondern die gesamte Kaste der Großverdiener, die die Verbindung „zu uns“ verloren habe. Ob er denn nicht selbst Teil des Establishments sei, hakte die aufmerksame Moderatorin ein, worauf Hildebrandt davon schwärmte, nach seinen Bühnenauftritten die zu ihm eilenden Autogrammjäger riechen zu können. Da musste Schmidt Einspruch erheben: „Wer riecht und sich ein Autogramm holt, ist nicht automatisch moralisch höherstehend.“

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