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„Schmidt & Pocher“ : Sie hatten ja keine Zeit

Doppelpack: Schmidt & Pocher Bild: ddp

Dem Medienrummel vorab nach zu urteilen, ist die gemeinsame Show von Harald Schmidt und Oliver Pocher die wichtigste Sendung mindestens dieses Jahres. Gestern nun war Premiere. Jörg Thomann beantwortet die wichtigsten Fragen.

          Dem Medienrummel vorab nach zu urteilen, ist die gemeinsame Show von Harald Schmidt und Oliver Pocher die wichtigste Sendung mindestens dieses Jahres. Gestern nun war Premiere. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          1. Wer durfte die Sendung eröffnen?

          Das war Ehren- und damit Chefsache: Schmidt machte es. Er steht im Sendungstitel vorne, sein Publikum kennt und schätzt den pointengespickten Monolog zur Begrüßung. Außerdem ist Stand-Up nun wahrlich nicht die Stärke Pochers. Ihn zu Beginn ein paar Rohrkrepierer auf die erwartungsvollen Zuschauer abfeuern zu lassen, wäre ein zu großes Risiko gewesen.

          Guckt mal, ich kann tanzen: Pocher als Michael Jackson

          2. War Schmidt endlich wieder motiviert?

          Motivierter jedenfalls als vor seiner langen, langen Sommerpause. Für eine herausragende Sendung freilich reicht Motivation allein nicht aus. Schmidts durchaus nicht lustlos vorgetragener Einstiegsmonolog jedenfalls zog sich aufgrund durchschnittlicher Pointen erheblich. Der SPD-Parteitag, der am Donnerstag noch nicht einmal begonnen hatte, ist vielleicht auch nicht das dankbarste Thema. Gerhard Schröder als „russischen Botschafter in Hannover“ zu bezeichnen, war so geistreich wie die Bemerkung, Helmut Schmidt kommuniziere nurmehr durch Rauchzeichen. Schon netter und eine aktuelle Grußbotschaft an die mit Schmidt verbundenen Feuilletonisten war der Hinweis, dass einstmals zwischen Schröder und Lafontaine kein Blatt gepasst habe, zwischen Müntefering und Beck aber „die ganze Anna Amalia Bibliothek“. Gegen Ende dieses Stand-Ups dürften sich selbst eingefleischte Schmidt-Fans gewünscht haben, dass nun endlich Pocher dazustieße.

          3. Wie wurde Pocher eingeführt?

          Das war zu befürchten: Pocher legte zu Beginn unter Lichtblitzen einen Michael-Jackson-Tanz hin. Das war bereits Bestandteil seines Bühnenprogramms gewesen, ebenso wie eine Choreographie zu Liedern der Backstreet Boys. Und schon damals fragte man sich, was uns diese Nummern sagen sollen: Dass der Olli ganz toll tanzen kann? Dass sich hier jemand als Teil der Popkultur anpreisen möchte? Zum Wesen der Parodie zählt es, Besonderheiten an Charakter oder Auftreten einer Person zu erkennen, deutlicher herauszuarbeiten und ins Komische zu variieren. Die reine Imitation hingegen - wie Pochers mit viel Fleiß und Schweiß eintrainierte Tanzeinlage - ist nicht lustig.

          4. Die Sendung soll ein „satirischer Wochenrückblick“ sein. War sie das?

          Es mag im Wesen einer Premierensendung liegen, doch ihren Blick richteten Schmidt und Pocher deutlich weiter zurück. Der Eva-Herman-Kerner-Skandal liegt schon drei Wochen zurück, und trotzdem wurde er zum Thema der Sendung - einschließlich der erwartbaren Kerner-Anspielung, jemand werde gleich des Studios verwiesen. Gar nicht dumm, aber auch gar nicht so komisch war die Präsentation eines „Nazometers“, das beim Gebrauch vorbelasteter Begriffe wie „Autobahn“ ein Alarmsignal ausstieß. Schmidt präsentierte dann noch das Waschgel „Arischer Frühling“, das er stets benutze, nachdem er mit „entarteter Kunst“ in Berührung gekommen sei. Ein hämischer Gruß an Kardinal Meisner. Aktueller wäre einer an Bischof Mixa und seine kongeniale Kontrahentin Claudia Roth gewesen, doch das Thema ließen sich die beiden entgehen.

          5. Wie ist die Rollenverteilung zwischen den Gastgebern?

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