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Schmidt & Pocher : Böse statt gut

  • -Aktualisiert am

Lustiger wär's, wenn's lustiger wär' Bild: dpa

Wenn man „Schmidt & Pocher“ eine Stunde lang beim Bösesein zugeschaut hat, möchte man sich eigentlich nur noch waschen. Ein erstes Resümee nach vier Sendungen.

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          Muss man erst zehn Sendungen abwarten, oder kann man auch nach vier Malen schon feststellen, dass es eine unfassbar schlechte Idee war, Harald Schmidt Oliver Pocher an die Seite zu stellen? Hatte man früher oft den Eindruck, man schaue einem müden Mann dabei zu, wie er sich langweilt, sieht man jetzt, wie ein jüngerer Mann versucht, den älteren durch Witze, die nur sie beide verstehen, vom Wegnicken abzuhalten.

          Die einzigen Themen, die in der Sendung vorkommen: Fernsehen und Fußball. Es sind halt die einzigen Themen, bei denen Oliver Pocher mitreden kann. Was aber ist langweiliger fürs Publikum als zwei Fernsehmenschen, die sich über ihr Metier unterhalten? Die Insider-Witze über Intendanten reißen und sich dann darüber kaputtlachen wie zwei freche Schüler, die versaute Sprüche über ihren Rektor ins Jungenklo geschrieben haben.

          Alles an dieser Sendung ist furchtbar

          Und dann immer diese Sprüche über Gags, die nicht zünden, über eine Pointe, die versandet ist, wo sie aber doch neulich in der Soundso-Halle noch so gut kam, haha. Lustiger wär's, wenn's lustiger wär'.

          Unter Beobachtung: Schmidt und Pocher
          Unter Beobachtung: Schmidt und Pocher : Bild: dpa

          Alles, alles an dieser Sendung ist furchtbar. Wie Gäste behandelt werden, so von oben herab, hoho, jetzt auch bei uns, der seltene Talkshowgast Bully Herbig. Sabrina Setlur wird als „Hallo Naddel“ begrüßt, und man hätte sich so gewünscht, dass sie aufgestanden und gegangen wäre, anstatt sich mit eingefrorenem Lächeln diesen beiden über ihren Kopf hinweg frotzelnden unverschämten Gastgebern auszusetzen.

          Ein einziges Missverständnis

          Und dieser blöde Hass auf Stefan Raab neuerdings. Warum denn jetzt das eigentlich? Dauernd werden hämische Bemerkungen über ihn gemacht, und Schmidt und Pocher lachen sich in ihre Fäustchen. Dabei macht Raab seine Sendungen tausendmal professioneller und mit mehr Leidenschaft oder, sagen wir einfach: Interesse als Pat und Patachon von der ARD.

          Schmidt war immer schon ein Zyniker, zumindest der Harald Schmidt, den er im Fernsehen zeigt - mit Oliver Pocher an seiner Seite ist dieser Wesenszug ins Unerträgliche vergrößert. Wenn man diesen beiden donnerstags eine Stunde lang beim Bösesein zugeschaut hat, wenn man ihre meckernde Schadenfreude, ihre zur Schau gestellte Arroganz, ihr komplettes Desinteresse an allem außer sich selbst gesehen hat, möchte man sich eigentlich nur noch waschen. Es ist ein einziges Missverständnis, Oliver Pocher im Fernsehen eine Bühne zu geben. Er ist nicht lustig. Er ist schlagfertig und dreist. Er bringt das Schlechteste in Harald Schmidt hervor.

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