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Schleichwerbung mit Klöckner? : Mit „Bunte“ durch dick und dünn

„Wie hat sie das geschafft?“ Julia Klöckner hat eine neue Kleidergröße Bild: dpa

Die CDU-Politikerin Julia Klöckner hat mächtig abgenommen. Wer die Geschichte ihrer Diät in der „Bunte“ liest, könnte sie für Schleichwerbung halten. Die Zeitschrift sieht sie als investigativen Journalismus.

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          Erschlankt schreitet sie Richtung Klausurtagung auf einem seitenfüllenden Bild in der „Bunten“ vom vergangenen Donnerstag: Julia Klöckner, rheinland-pfälzische Oppositionsführerin und stellvertretende CDU-Vorsitzende. Der Artikel daneben aber drängt die Politikerin in eine andere Rolle: die einer informellen Weight-Watchers-Botschafterin. Denn die „Bunte“ fragt in der Ausgabe nicht nur: „17 Kilo schöner in sechs Monaten – wie hat sie das geschafft?“ Sie liefert gleich eine Antwort mit: „,Weil’s funktioniert‘ lautet der Slogan der Weight Watchers, der sich gerade mal wieder bewahrheitet hat“, heißt es in dem Artikel. Dann kommt ausführlich ein Sprecher des Unternehmens mit den Abnehmpunkten zu Wort. In bester Werbermanier plaudert er aus, Julia Klöckner sei Kunde der Firma, die App koste übrigens soundso viel Euro und wer konsequent sei wie die Politikerin, könne mit der Methode „ein Kilo pro Woche verlieren“.

          Ursula Scheer
          Redakteurin im Feuilleton.

          Das sieht doch schwer nach Schleichwerbung aus. Und ist ein dickes Ding, fand Julia Klöckner, die wohl niemand gefragt hatte, ob sie als Beispiel für den Erfolg der Weight-Watchers-Diät herhalten wolle. „Stinksauer“ sei sie, sagte sie dem „Tagesspiegel“. Und seitdem geht es eigentlich nur noch darum, wer wem was alles nicht abnimmt.

          „Selbstverständlich habe ich Weight Watchers keine Erlaubnis dafür erteilt, mit meinem Namen zu werben. Wie ich abgenommen habe, ist Privatsache“, sagte die CDU-Politikerin, die rechtlich gegen das Unternehmen vorgehen will, sollte es noch einmal mit ihrem Namen werben. So ganz als Privatangelegenheit hatte Julia Klöckner ihre Abnehmerfolge allerdings doch nicht behandelt. Vor wenigen Wochen erst hatte sie der „Gala“ ein Interview gewährt über Kilos, Currywurst und Karotten und sich mit neuer Silhouette im Designkleid fotografieren lassen. Von den Weight Watchers war hingegen nicht die Rede.

          Gespielte Empörung

          Dass die Diät-Firma hinter dem Abnehmerfolg stehen soll, will die „Bunte“ investigativ recherchiert haben, und von Schleichwerbung könne keine Rede sein. Die Chefredakteurin Patricia Riekel ließ wissen, hätte die Politikerin mit Gemüsesuppe abgenommen, hätte das auch in der „Bunten“ gestanden. Aber: „Zur Information, dass Frau Klöckner mit Weight Watchers abgenommen hat, liegen uns mehrere Quellen vor“, sagte eine Sprecherin des Magazins. Die Weight Watchers selbst wollen nicht mehr zu diesen Quellen gehören. „Die dort“ – also in der „Bunten“ – „verwendeten Zitate wurden von uns weder autorisiert noch bestätigt.“

          Das kann man glauben oder nicht. Die Weight Watchers sind jedenfalls schon mehrmals durch Schleichwerbung mit Prominenten aufgefallen, etwa mit der Moderatorin Andrea Kiewel. Der Generalsekretär der SPD in Rheinland-Pfalz, Jens Guth, ätzt derweil gegen Julia Klöckner: „Frau Klöckners gespielte Empörung darüber, dass ihr Name im Zusammenhang mit der Firma Weight Watchers genannt wurde, nehmen wir ihr aber irgendwie nicht ab.“ Der CDU mangele es wohl an politischem Gewicht. Interessanter als solches leichtes Politikergeplänkel wird sein, was der Presserat vielleicht aus der ganzen Geschichte machen wird. Bisher lägen keine Beschwerden wegen der Vermischung von Werbung und redaktionellem Inhalt in diesem Fall vor, sagt der Geschäftsführer Lutz Tillmanns. Erst nach einer Beschwerde prüft der Presserat. Aber da könne noch etwas kommen.

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