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Sexueller Missbrauch : Neue Vorwürfe gegen Dieter Wedel

  • Aktualisiert am

Gegen den Regisseur Dieter Wedel werden schwerwiegende Vorwürfe erhoben. Bild: dpa

Drei Schauspielerinnen erheben neue, schwere Vorwürfe gegen den Regisseur Dieter Wedel. Sie berichten von Nötigung, Schlägen und Vergewaltigung.

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          Gegen den Regisseur Dieter Wedel werden neue, gravierende Vorwürfe sexuellen Missbrauchs erhoben. Sie reichen von Mobbing und Nötigung bis zu Vergewaltigung. In der „Zeit“ berichten drei Frauen von Übergriffen des Regisseurs, der, wie die Zeitung berichtet, dazu nicht Stellung nehmen wollte.

          Die Schweizer Schauspielerin Esther Gemsch berichtet, dass Wedel sie im Dezember 1980 in einem Hotelzimmer angegriffen und zu vergewaltigen versucht habe. „Er setzte sich rittlings auf mich, packte meinen Kopf bei den Haaren und schlug ihn immer wieder aufs Bett, einmal auch an die Wand und dann einmal auf die Bettkante", wird die Schauspielerin zitiert. Sie sei so hart auf die Bettkante geprallt, dass sie sich nicht mehr habe bewegen können. Wedel habe ihr mit ihrem Schal die Luft abgeschnürt. Die Dreharbeiten zu der Serie „Bretter, die die Welt bedeuten“, die für den Saarländischen Rundfunk produziert wurde, habe sie abbrechen müssen.

          Die „Zeit“ zitiert dazu aus einem Arztbericht, der entsprechende Verletzungen bestätigt habe. Dieser sei der Produktionsfirma zugeleitet worden, die den Saarländischen Rundfunk auf die Umstände deutlich und ausdrücklich aufmerksam gemacht habe. Über einen Anwalt habe Wedel die Vorwürfe damals abgestritten. Ihn anzuzeigen habe sie sich nicht getraut, sagte Esther Gremsch der „Zeit“, ihre Angst vor Repressalien und finanziellen Schwierigkeiten sei zu groß gewesen.

          Die Schauspielerin Ute Christensen, die an die Stelle von Esther Gemsch trat, schildert, dass sie von Wedel gemobbt worden sei, nachdem sie sich geweigert habe, mit ihm auf sein Hotelzimmer zu gehen. Nach vierzig Tagen habe sie dem Druck nicht länger standgehalten. Mit einem Nervenzusammenbruch und Unterleibsblutungen sei sie ins Krankenhaus gekommen, wo sie ihr ungeborenes Kind verloren habe. Sie sei im zweiten Monat schwanger gewesen – was Wedel der Darstellung nach nicht wusste. Eine Schauspielerin, welche die „Zeit“ anonym zitiert, berichtet, sie sei von Wedel 1975 nach einer Probe für die NDR-Produktion „Pariser Geschichten“  vergewaltigt worden. Er habe sie bei Hamburg in ein Waldstück gefahren, sie habe vergebens versucht ihn abzuwehren.

          Zahlreiche Beschuldigungen, schreibt die „Zeit“, ließen sich durch Aussagen oder durch Dokumente belegen. Esther Gemsch und Ute Christensen hätten eidesstattliche Versicherungen zu ihrer Darstellung gegeben.

          Der Saarländische Rundfunk will die Vorgänge, wie die ARD berichtet, nun aufklären. Warum dies zur Zeit der Produktion nicht geschah, sei unklar. Er habe, sagte der Intendant des Saarländischen Rundfunks, Thomas Kleist, für sich „die Konsequenz gezogen und das Thema für die nächste Intendantensitzung angemeldet." Es sei ihm wichtig, dass „wir uns innerhalb der ARD über solche Vorfälle informieren“. Er wolle „alles offenlegen, damit wir schonungslos die Dinge untersuchen können“.

          Dieter Wedel könne aus gesundheitlichen Gründen zurzeit zu den Vorwürfen keine Stellungnahme abgeben, habe sein Anwalt mitgeteilt, heißt es in der „Zeit“. Wedel liegt wegen eines Herzanfalls im Krankenhaus. Als Intendant der Festspiele in Bad Hersfeld war er am Dienstag zurückgetreten. Die Staatsanwaltschaft München teilte mit, dass sie gegen Wedel Ermittlungen aufgenommen habe.

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