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Schauspieler Fahri Yardim : Seine Stunde hat geschlagen

  • -Aktualisiert am

„Echt, ich bin attraktiv? Das ist nett!“: Fahri Yardim weiß, wie man mit Komplimenten umgeht. Komplimente bekommt er im Augenblick aber vor allem wegen seiner schauspielerischen Leistungen Bild: Fricke, Helmut

Wir müssen über Fahri Yardim reden. Nicht nur, weil er Til Schweiger neulich im „Tatort“ fast die Schau gestohlen hat. Er ist im Fernsehen der Schauspieler der Stunde. Das macht ihn aber ein wenig skeptisch.

          5 Min.

          Es dauert genau zwanzig Sekunden, bis wir uns duzen. Es geht auch nicht anders. Fahri Yardim ist kein Mensch, den man lange siezen kann, weil alles an ihm eine direkte Sprache spricht. Die schwarzen Haare in gepflegter Unordnung, läuft er auf die Terrasse des Cafés zu, in dem wir verabredet sind, Handy am Ohr, iPad im Jutebeutel, Jeans, graues T-Shirt, schwarze Jacke – ein Prototyp unprätentiöser Urbanität. Ohnehin ist dieser unglaublich sonnige Tag in Frankfurt, an dem der Frühling nicht nur ein Versprechen ist, für Höflichkeitsformeln nicht gemacht.

          Lena Bopp

          Redakteurin im Feuilleton.

          Es dauert keine weiteren fünfzehn Minuten, bis ein Mann auf uns zusteuert, kurz zögert und dann doch nicht anders kann, als Yardim die Hand zu schütteln. „Sorry, ich bin ein großer Fan von dir“, sagt er und verschwindet so schnell wie er gekommen ist. Yardim ist sofort hellwach. „Danke, guter Moment“, ruft er ihm hinterher, „das ist ein Interview und alles mit drauf!“ Und zu mir gewandt: „Der kriegt nachher seine fünfzig Euro.“

          Kiezerfahren, kneipenerprobt, Herz am rechten Fleck

          In Momenten wie diesen ist Fahri Yardim ganz bei sich. Die unmittelbare Geste, das spontane Gefrotzel sind seine Sache und auch, wenn er sich über Sinn und Zweck seines Tuns viele Gedanken macht, wird er im Laufe dieses Nachmittags, als wir etwa über Hamburg reden und die Verlockungen des Schauspielerlebens, gleich mehrmals ebenso aufrichtig wie ungläubig zu mir schauen und fragen: „Interessiert dich das wirklich?“ Ja, durchaus. Sonst säßen wir nicht hier.

          Das Interesse, das ihm die fernsehschauende Öffentlichkeit in letzter Zeit entgegenbringt, scheint ihn ehrlich zu erstaunen. Dabei ist Fahri Yardim dreiunddreißig Jahre alt und seit zehn Jahren im Geschäft. Man kennt ihn aus der Komödie „Kebab Connection“, in der er 2004 den Griechen Lefty spielte, der seinem Freund Ibo (Denis Moschitto) in Liebes- und Lebensdingen aus der Patsche hilft.

          Man hat ihn in Nebenrollen in den Til-Schweiger-Filmen „Keinohrhasen“ und „Kokowääh“ gesehen, er hat in den Genrekrimis von Lars Becker („Nachtschicht“, „Die Geisterfahrer“, „Unter Feinden“) und in Dutzenden Fernsehfilmen Haupt- und Nebenrollen gespielt, aber so richtig schlägt seine Stunde eigentlich erst jetzt.

          Im Fernsehen ist er gerade in einem Werbespot zu sehen, in dem er zusammen mit Jürgen Klopp, Karoline Herfurth, Nadja Uhl und Joachim Król dafür sorgen soll, dass sich das Image eines Autobauers aus Rüsselsheim verbessert. Und wie er da am Steuer des Wagens sitzt und später vor einer Holzhütte an einem windumtosten Strand, strahlt er selbst in wenigen Sekunden eine Lässigkeit aus, von der man sofort glauben möchte, dass sie nicht gespielt ist.

          Fahri Yardim und Til Schweiger Anfang März bei der Premiere der Tatort-Folge „Kopfgeld“ in Hamburg ... Bilderstrecke

          Es ist diese Unkompliziertheit, die auch seine Rolle als Kommissar Yalcin Gümer im Hamburger „Tatort“ auszeichnet und die mit dazu beigetragen hat, dass ihm der Ruf vorauseilt, ein echter Hamburger Jung zu sein: kiezerfahren, kneipenerprobt, Herz am rechten Fleck – das sind so die Dinge, die über ihn zu hören sind.

          Von der Wahrheit mag das gar nicht so weit entfernt sein. Aber Fahri Yardim lässt sich nicht gern in die Karte schauen. Er ist Schauspieler – er selbst bezeichnet sich als „Gaukler“ – und weiß natürlich, dass dieser Job das Interesse des Publikums auch an seinen privaten Angelegenheiten weckt. Doch er ist ausgesprochen vorsichtig, wenn er über sich redet. Selbst auf die Frage, wieso er überhaupt Schauspieler werden wollte, sucht er lange nach einer Antwort, die etwas aussagt, ohne zu viel preiszugeben, und meint schließlich, es sei „eine Mischung aus unbewusstem Narzissmus und einer wahnsinnigen Spielfreude“ gewesen.

          Vom Schülertheater zum roten Teppich

          Als Schüler, so viel verrät er dann doch, habe er einfach Anerkennung gespürt, als er auf der Bühne stand. „Die Leute haben gelacht und geklatscht, und das ist für so einen jugendlichen Fatzke ein Wahnsinnsgeschenk.“ Und außerdem waren da, natürlich, die Mädchen. „Die Hormone spielen verrückt in dem Alter. Dir wachsen die ersten Härchen, und du denkst: Echt, ich bin attraktiv? Das ist nett!“ Dabei habe er ausgesehen wie eine Mischung aus Steve Urkel und Rambo – „ich hatte mir damals so ein Tuch um den Kopf gebunden.“

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