https://www.faz.net/-gqz-x73c

Schätzing fürs Fernsehen : Die Detektivin und die Söldner

Privatermittlerin Vera Gemini (Melika Foroutan) informiert sich in „Die Dunkle Seite” via Handy. Bild: RTL/Reiner Bajo

RTL hat zwei Romane von Frank Schätzing verfilmt: Die dunkle Seite“ ist ein herausragendes Fernsehstück, „Mordshunder“ ein Feinschmecker-Krimi, den man sogar für Kinder freigeben kann.

          Als er neunzehn Jahre alt gewesen sei, erzählte er jüngst in einem Interview, habe ihn eine westdeutsche Kunstakademie rundweg abgelehnt: „Frank Schätzing“, lautete die Begründung, „lässt keinerlei kreative Begabung erkennen.“ In wenigen Tagen wird der selbstgemachte Alternativkreative nun einundfünfzig Jahre alt und ist einer der erfolgreichsten Autoren unserer Sprache. Sein 2004 erschienener Tausendseiten-Thriller „Der Schwarm“ ist weltweit über zwei Millionen Mal verkauft worden, die Hollywood-Verfilmung ist zumindest auf den Weg gebracht und könnte zu Weihnachten 2010 in die Kinos kommen.

          Jochen Hieber

          Redakteur im Feuilleton.

          Romane und Erzählungen veröffentlicht Schätzing seit 1995. Von Anfang an haben sie ihre Leser gefunden, im Kielwasser des ozeanischen Epos aber nahmen sie die volle Fahrt erst richtig auf. Zwei von ihnen, der kulinarische Krimi „Mordshunger“ von 1996 und der Rache-Roman „Die dunkle Seite“ von 1999, haben das erzählerische Flagschiff der Schätzing-Flotte nun sogar überholt und es als erste zwar nicht gleich auf die Leinwand, aber auf den Bildschirm geschafft - beide zudem in anspruchsvollen, opulent ausgestatteten und von glänzenden Schauspielern geprägten Versionen, die auch mit intelligenten und witzigen Dialogen für sich einzunehmen wissen. Dass sie von RTL produziert wurden, stellt dem Privatsender für dieses Mal ein wirklich erstaunliches Qualitätszeugnis aus.

          Berlin anstelle von Köln

          Sehr zu Recht den Auftakt macht am Sonntag - in unmittelbarer Konkurrenz zum „Tatort“ im Ersten - der jetzt sogar noch leicht futuristisch erscheinende Thriller „Die dunkle Seite“: Die Haupthandlung spielt im August dieses Jahres in Berlin, Rückblenden verweisen auf die erste Phase des Irakkriegs im Frühling 2003. Um ein gutes Jahrzehnt nach vorne gerückt hat der Drehbuchautor Nils Morten Osburg damit die Geschichte, die bei Schätzing zu Anfang und in der Mitte der neunziger Jahre spielt. Die zeitliche Aktualisierung bekommt der Romanvorlage ebenso gut wie der Wechsel des Handlungsorts - Berlin wirkt als Kulisse für die bisweilen gewalttätigen Szenen sofort viel glaubhafter als das selbst in seinem Nachtschatten immer noch frohsinnigere, also nie ganz ernstzunehmende Köln.

          Ein Foto präsentiert die Tochter der Ermordeten (Marleen Lohse) als Alibi.

          Ohne Vorbehalt zu rühmen ist der Regisseur Peter Keglevic. Für seinen Spielfilm „Der Tanz mit dem Teufel“, der die Entführung des Millionenerben Richard Oetker schilderte, wurde er vor sieben Jahren mit einen Grimme-Preis ausgezeichnet. Und natürlich ist der 1950 in Salzburg geborene Keglevic längst das, was man - stets leicht abwertend - einen Fernsehroutinier nennt, schon in den achtziger Jahren etwa hat er „Tatort“-Folgen inszeniert. In nahezu jeder Szene der Schätzing-Verfilmung stellt er nun mit ganz unangestrengter, gleichwohl strenger Präzision unter Beweis, dass handwerkliches Können etwa beim Führen und Charakterisieren der Figuren oder technische Tricks wie die wiederholt eingesetzte Verfremdung natürlicher Farben notwendige Voraussetzungen für Regiekunst sind - sie aber beileibe noch nicht ausmachen.

          Motivierte Schockeffekte

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.