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Saudi-Arabiens erste Chefredakteurin : Diese Frau will alles ändern

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Der Flughafen von Dschidda. Die saudi-arabischen Hafenstadt gilt als verhältnismäßig liberal.
Der Flughafen von Dschidda. Die saudi-arabischen Hafenstadt gilt als verhältnismäßig liberal. : Bild: AFP

Nah an den Geschehnissen zu sein und so viele Fragen zu stellen, wie man will, ist Somayya Jabartis journalistisches Credo: „eine Lizenz zur Neugierde“. Druckreif sind die Sätze, die die Tochter zweier Wissenschaftler spricht, engagiert ihr Auftritt. Sie neige dazu, „extrem zu sein“, sagt sie lächelnd; etwas anderes bleibt ihr auch kaum übrig in der von Männern dominierten Gesellschaft. Immerhin fünfzehn Frauen arbeiten inzwischen neben ihr bei der Zeitung, allerdings getrennt von den männlichen Redakteuren in einem eigenen Newsroom.

Dass ihre Kindheit und Jugend in den Vereinigten Staaten und in Großbritannien Somayya Jabarti geprägt haben, gibt sie offen zu. Ihre Mutter war die erste Frau in Saudi-Arabien, die in Mathematik promovierte. „Sie hat uns immer ermutigt, den Mund aufzumachen“, erinnert sich die Journalistin. Als ihre Familie aus England zurückkehrte, war sie fünfzehn Jahre alt und musste auf eine Mädchenschule gehen. Dort begehrte sie zum ersten Mal auf. Nur widerwillig fügte sie sich ein, heiratete früh und studierte nach einem kurzen Versuch in Medizin europäische Sprachen und Literatur. Ein erster Abstecher brachte sie zur „Saudi Gazette“, ehe sie Englisch unterrichtete.

Chefposten auf Zeit?

Das marode Bildungssystem hält sie für das größte Problem ihres Landes, die überstürzte Nationalisierungspolitik für einen Fehler. Solange einheimische Lehrer nicht die nötigen Qualifikationen hätten, sollten sich weiter ausländische Fachkräfte um die Kinder kümmern - schließlich seien Schulen die Orte, an denen Wandel beginne. Die Entscheidung, nach ihrer Tochter keine weiteren Kinder großzuziehen, traf sie bewusst. „Wenn wir die Bildung auf die richtige Spur bringen, regelt sich alles andere von allein.“ Weil sie die starrköpfige, reformunwillige Bürokratie nicht mehr ertrug, stieg sie nach fünf Jahren im Schuldienst aus und landete wieder im Journalismus. 2012 dann holte ihr Vorgänger sie von der „Arab News“ zur „Saudi Gazette“. Als Khaled Almaeena sie im Februar den Lesern als seine Nachfolgerin vorstellte, begründete er das mit ihrer Leistung und nicht als Ergebnis einer Frauenquote. Sie lobt ihn als „progressiven Führer“.

Dass sie die neue Rolle an der Spitze der Zeitung nutzen will, um ihre intolerante und erstarrte Gesellschaft aufzurütteln, ist offensichtlich. „Diese Position würde keinen Sinn ergeben, wenn sich dadurch nicht andere Türe öffnen“, sagt sie. Neben dem Bildungssektor sei das von Religionshütern gelenkte Justizsystem das Haupthindernis für Fortschritt. In vielen Artikeln seien seit ihrem Amtsantritt aber auch das Arbeits- und das Gesundheitsministerium für Missstände angegriffen worden. Bei der Beschreibung macht sie nicht halt, es gehe darum, „die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen: Sie müssen gefeuert werden.“

Über ihren Einfluss macht Somayya Jabarti sich keine Illusionen. „Um Wandel herbeizuführen, bedarf es einer großen kollektiven Anstrengung, und die wird nicht ohne Turbulenzen vonstattengehen“, sagt sie. Bis an die Grenzen des Erlaubten will sie gehen. Die aber sind unscharf und kosteten liberale Mitstreiter Somayya Jabartis wie Jamal Khashoggi, der 2003 als Chefredakteur der Tageszeitung „al Watan“ den Einfluss des religiösen Establishments kritisierte, nach wenigen Wochen den Job. „Nur Gott weiß, wie lange ich diese Stelle behalten werde“, sagt auch Somayya Jabarti. Ihr Ziel ist es, so lange wie möglich zu bleiben, „um so viel wie möglich zu ändern“.

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