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Satiremagazin : Der gerechte Humor

Ein Qualitätskonservativer aus dem Internet Bild: Daniel Pilar

Leo Fischer ist einer der jüngsten Chefredakteure hierzulande. Seit kurzem leitet er das Satiremagazin „Titanic“. Er kam über das Internet, versteht sich jedoch qualitätskonservativ. Sein Ziel ist, für die unverblödeten Räume dieser Welt zu kämpfen.

          Jedes Jahr im Herbst, wenn die Buchmessenwoche in Frankfurt allmählich dem Ende zugeht, lädt das Satiremagazin „Titanic“ in den Kanuclub am Main ein. Es ist bestimmt die familiärste Party der Messe. Das liegt gar nicht so sehr am Vereinsheim, in dem gefeiert wird, es liegt vor allem am wunderbaren Büfett, handgemacht von Kristin Eilert, der Frau des „Titanic“-Routiniers Bernd Eilert, und an dem Kreis von genau solchen alten Mitstreitern, Freunden und Gleichgesinnten, die rund um das Büfett zusammenfinden.

          Tobias Rüther

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Sie lösen Getränkegutscheine ein, bis keine mehr übrig sind und gezahlt werden muss, sie treten zum Rauchen auf den Balkon, vis-à-vis der Wolkenkratzer, und ansonsten unterhalten sie sich mit Humor für Leute mit Humor. Man könnte in diesen paar Stunden am Main meinen, dass die „Titanic“ eine einzige große Familie ist, eine anständige Familie mit kleinen und großen Geschwistern, Übervätern, peinlicher Verwandtschaft und Durst.

          Einer der Jüngsten seines Fachs

          Bei der letzten Party am 17. Oktober 2008 trat Thomas Gsella als Chefredakteur des Magazins ab. Er hatte das, wie es so seine Art ist, in der Einladung reimend angedeutet: „Wie kaum je im Leben / Wird es auf der Buchmessenparty eine Rede geben / die ich halten tu und muss / Dreivier Worte, dann ist Schluss“. Sein Nachfolger Leo Fischer, der noch als Praktikant mit Gsella das Büro geteilt hatte, bekränzte ihn zum Dank mit Geldscheinen, übergab ihm ein selbstgemachtes „Text und Kritik“-Heft und reichte zum Abschied noch ein paar Frechheiten hinterher, über Gsellas charakteristischen Husten zum Beispiel: Wie man das so macht unter Brüdern. Seit dem Dezemberheft ist Fischer offiziell im Amt. Er wurde vor bald achtundzwanzig Jahren in München geboren. Damit ist Fischer einer der jüngsten Chefredakteure der Bundesrepublik.

          Der scheidende Chefredakteur Thomas Gsella übergibt an seinen Nachfolger

          An seinem Alter haben sich in den letzten Wochen schon ein paar Porträts und Interviews lange aufgehalten. Für die „Titanic“ ist diese relative Jugend allerdings gar nicht ungewöhnlich: Auch einer von Fischers Vorgängern, der Schriftsteller Oliver Maria Schmitt, war achtundzwanzig, als er 1995 Chefredakteur des Magazins wurde und es bis zum Jahr 2000 blieb. Außerdem ist die „Titanic“ das „endgültige Satiremagazin“ und nicht die dpa. Und auch nicht die CSU, sagt Martin Sonneborn, der Schmitt nachfolgte, fünfunddreißig war, als das geschah, und 2005 an Thomas Gsella, Jahrgang 1958, übergab. Ungefähr alle fünf Jahre die Chefredaktion zu wechseln: das scheint bei der „Titanic“ eher ein Prinzip zu sein als der biographische Zufall des Alters.

          Satire kennt keinen Schmerz

          Leo Fischer steht im Pullover am Türrahmen der Frankfurter Altbauwohnung, in der seit Ewigkeiten das Heft gemacht wird. Er ist ausgesucht höflich, er schaut freundlich, wenn man ihn etwas fragt, und denkt gründlich nach, bevor er antwortet. Im Doktorandenkolloquium einer westdeutschen Studentenstadt, dort also, wo die „Titanic“ vielleicht am leidenschaftlichsten gelesen wird, fiele Fischer nicht weiter auf.

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