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„Die Hochzeitsverplaner“ : Mit Klangschalen in den siebten Himmel

  • -Aktualisiert am

Gibt sich nicht so leicht geschlagen: Mutter Claudia (Rebecca Immanuel) möchte eine Hochzeit ohne Energieblockaden. Bild: SAT1/Jacqueline Krause-Burberg

In „Edel & Stark“ stritten sie formschön als Anwaltskollegen. In „Die Hochzeitsverplaner“ zeigen Rebecca Immanuel und Christoph M. Ohrt wie man sich auf die leichte Art ver- und wieder entliebt.

          Das hatte sich die Mutter des Bräutigams traumschön vorgestellt: eine fernöstlich angehauchte Hochzeit im Garten, bei der der sanfte Klang der Windspiele in den Bäumen alle Energieblockaden davon weht. Dazu achtsam zubereitete Gesundheitskost. Von „popeliger Öko-Hochzeit“ im kleinen Rahmen will allerdings der Vater der Braut nichts wissen. Wenn es denn unbedingt sein muss, dass sein Goldkind mit Anfang zwanzig völlig überflüssigerweise heiratet, schwebt ihm etwas wie die „Party-Location Villa Romantica“ mit Golfplatz und Feuerwerk vor.

          „Wie Vegas“, „geschmackloser Kitsch“ und „das Essen sieht genmanipuliert aus“, findet Mutter Claudia (Rebecca Immanuel), und guckt kampfeslustig aus ihren kunterbunten Wallegewändern. Doch der arrogante, nicht minder angriffslustige Schnösel Herbert „Herb“ (Christoph M. Ohrt), Schönheitschirurg aus L. A., bleibt dabei. In der „Almhütte“, in der Claudia als Chakren-Masseurin arbeitet, gibt es zwar reichlich Aussicht, aber noch nicht mal Wlan. Naturschönheit ist ohnehin ein Widerspruch in sich. Schließlich soll es ein Hochzeitsplaner (Lukas Spisser) richten, der, „so wollen es die Kunden“, auf Supertunte mit italienischem Akzent macht, in Wirklichkeit aber hetero und dauerbrünstig ist.

          Traum in Weiß von Vera Wang statt Boho-Dress

          Da die geliebten Kinder, Jade (Lea Ruckpaul) und Oliver (Tilman Pörzgen), bei der Anreise nach Südtirol die Koffer verloren haben, darf es statt dem vorgesehenen Boho-Dress nun doch ein klassischer Traum in Weiß von Vera Wang sein. Punkt für Papa. Der zahlt, auch wenn er den Kindergärtner Oliver für einen Schwächling hält. Derweil wäre Claudia erbost, wenn ihr Karma ihr das nicht kategorisch verbieten würde.

          In stiller Zwietracht: Mutter Claudia (Rebecca Immanuel, rechts), Vater Herb (Christoph M. Ohrt, links) Schwiergersohn Oliver (Tilman Pörzgen) und Töchterchen Jade (Lea Ruckpaul).

          Selbst wer das Genre solcher Komödien nicht kennt, dem dämmert der Ausgang inzwischen. Klar, dass Herb beim Golfen im Weinberg der Schmerz ins Kreuz fährt. Sein Sakralchakra ist verklemmt, diagnostiziert Claudia. Eine Klangschalenmassage später kommt es, wie schon die Besetzung des Sat.1-Films „Die Hochzeitsverplaner“ nahelegt: Das fragliche Chakra hindert ihn am Verlassen der Massageliege. Eine romantische Nacht am See, dann reist Herbs Gespielin Amanda (Jana Kilka) aus L. A. nach und zeigt die gestalterischen Künste des Chirurgen freizügig beim Sonnen im Garten. Zeit für das junge Brautpaar, sich ad hoc mordsmäßig zu zerstreiten. Wirklich bangen muss man um keines der Paare.

          Von 2002 bis 2005 waren Rebecca Immanuel und Christoph M. Ohrt 52 sehr erfolgreiche Folgen lang als Anwalts-Duo „Edel & Starck“ im Fernsehen eine feste Größe. Das dort verwendete Konzept der Streithähne mit erotischem Funkenflug wurde eins zu eins auf die „Hochzeitsverplaner“ übertragen. Immanuel und Ohrt feuern auch jetzt ihre Sarkasmen und Pointen mit sichtbarem Vergnügen ab, und die Chemie auf dem Schirm stimmt nach wie vor.

          Dass es bei der eher schlichten, x-fach schon verwendeten Grundidee vor allem um Dialogtempo und Situationskomik gehen muss, beherzigt das Drehbuch von Daniel Scott-Rosini. Liebevoll ausgespielte Sottisen und genussvoll zelebrierte Platituden, ebenso das Südtiroler Ambiente sorgen dafür, dass man das ein oder andere kritische Auge zudrückt. Obwohl das totale Ver- und Entlieben der beiden Paare schon sehr unmotiviert präsentiert wird (Regie Christina Schiewe, Kamera Raphael Beinder).

          Dass einerder Dauerbrenner-Streitpunkte zwischen Bräutigammutter und Brautvater sich an der Frage entzündet, ob ein streunender Hund besser kastriert werden sollte (sie ist dafür, ihm tut schon beim Gedanken alles weh), macht den Witz auch nicht subtiler. Angenehm aber fällt auf, dass unter den Messdienern in der Kirche eine Darstellerin mit Down-Syndrom mitspielt, deren Woher und Wozu keine Rolle spielt. Sie ist einfach in der Runde mit dabei, als es vor dem Altar zum finalen Tohuwabohu kommt. So beiläufig kann Inklusion funktionieren. Das macht die leichte Unterhaltung der „Hochzeitsverplaner“ noch ein wenig sympathischer.

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