https://www.faz.net/-gqz-882ug

Krise bei Sat.1 : Ein Sender schaltet sich ab

Gar nicht erst auspacken: Von Mila (Susan Sideropoulos) ist bei Sat.1 nicht mehr viel zu sehen. Bild: SAT.1 / Claudius Pflug

Weiß jemand, warum Sat.1 jetzt vollkommen abschmiert? Die Seifenoper „Mila“ ist ein Flop, die Serie „Frauenherzen“ ist es auch. Also bloß weg damit. Es gibt übrigens Gründe, warum die Zuschauer stiften gehen.

          Schlimmer hätte der Start in die Herbstsaison für Sat.1 nicht laufen können. Die Serien „Frauenherzen“ und „Josephine Klick“, die der Sender in der vergangenen Woche startete, waren ein Flop, und die Daily Soap „Mila“ ist eine Katastrophe: einstellige Marktanteile, soweit das Auge reicht.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Damit will Sat.1 nun keinen einzigen weiteren Tag gegen die Konkurrenz antreten. „Mila“, das auf 287 Tage angelegt ist, wird von sofort an auf dem Frauensender Sixx verklappt, samstags mit fünf Folgen am Stück. Das Vorabendmagazin „Unser Tag“ verschwindet ganz, für „Frauenherzen“, das nur 1,34 Millionen Zuschauer sahen, wird ein neuer Sendeplatz gesucht. Am Vorabend läuft bei Sat.1 jetzt eine Dokusoap mit dem zum Geschehen passenden Namen „In Gefahr“.

          Aschenputtel ist out

          Den Sender dürften die Niederschläge in eine Nichts-geht-mehr-Sinnkrise stürzen. Bei genauer Analyse wird sich aber ergeben, dass wir es bei „Mila“ und „Frauenherzen“ mit handwerklichen Mängeln zu tun haben, die man sich im umkämpften deutschen Fernsehmarkt nicht leisten darf. „Mila“ mag im Groben den Ansprüchen genügen, die man an eine solche Seifenoper stellt - junge Frau landet in Berlin und hofft auf Karriere und die große Liebe -, die Dramaturgie mag sogar die eine oder andere Finesse und Anspielung aufweisen: Der Hauptdarstellerin Susan Sideropoulos nehmen die Zuschauer die junge Mila offenbar schlicht nicht ab.

          Jede macht was anderes und keine, was sie soll: Nadeshda Brennicke, Muriel Baumeister, Julia Hartmann und Christina Petersen (von links) in „Frauenherzen“.

          Und eine Aschenputtel-Geschichte dieser Art haben sie schon zu oft gesehen. Der frühere Sat.1-Geschäftsführer Roger Schawinski hatte damit noch Erfolg, sogar großen, als er „Verliebt in Berlin“ mit Alexandra Neldel in der Hauptrolle startete. Doch wann war das? Vor zehn Jahren. Damals war Sat.1 Vorreiter und setzte einen Trend. Heute kopiert es sich selbst und andere, und das auch noch mit Verspätung. Erstaunlich ist dabei, dass „Mila“ von der Produktionsfirma Ufa stammt, die seit Ewigkeiten für RTL die unzerstörbaren Daily Soaps „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ (bis jetzt 5833 Folgen) und „Alles was zählt“ (2266 Folgen) erstellt.

          Gegenwärtige Stoffe, die ruhig märchenhaft erzählt sein können und unterhaltsam daherkommen müssen, sehen heute anders aus als „Mila“ und - spielen unter Umständen auch woanders, also nicht immer nur in Berlin, wo auch die „Frauenherzen“ schlagen. Es könnte sein, dass die Zuschauer von Kamerafahrten im Prenzlauer Berg langsam genug haben. Sie werden dem Seniorenserienfernsehen mit Klosterfrau-Melissengeist-Effekt, für das ARD und ZDF immer noch stehen, von Sat.1 in die Arme getrieben.

          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android
          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android

          Das neue Angebot für den klugen Überblick: Die wichtigsten Nachrichten und Kommentare der letzten 24 Stunden – aus der Redaktion der F.A.Z. – bereits über 100.000 mal heruntergeladen.

          Mehr erfahren

          Weitere Themen

          Werner Herzog stellt neuen Film vor Video-Seite öffnen

          Filmfestspiele in Cannes : Werner Herzog stellt neuen Film vor

          "Family Romance, LLC" erzählt die Geschichte darüber, dass man in Japan Menschen mieten kann, damit sie zum Beispiel die Rolle toter Verwandter einnehmen. Werner Herzog zähltzu einem der wichtigsten Vertreter des „Neuen Deutschen Films".

          Ahnung des Unendlichen

          Mozart als Romantiker : Ahnung des Unendlichen

          Warum hat Wolfgang Amadeus Mozart eine solch immense Wirkung auf Literatur, Musik und Philosophie der Romantik gehabt? In Würzburg stellt sich das Mozartfest dieser Frage. Der Aufwand ist berechtigt.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.