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Programmvorstellung : Sat.1 startet „das innovativste soziale Experiment aller Zeiten“

  • -Aktualisiert am

Wem die Stunde schlägt: Annette Frier bittet in der Serie „Danni Lowinski“ zum letzten Mal zum Gespräch. Noch Fragen? Bild: Foto Sat.1

Pro Sieben Sat.1 stellt neue Programme vor. Viel gibt es nicht. Das verrückteste Projekt heißt „Utopia“: Menschen werden ein Jahr lang eingesperrt und rund um die Uhr gefilmt.

          Sat.1 war als Letztes dran, und Geschäftsführer Nicolas Paalzow fand das keine beneidenswerte Position. Sechs frei empfangbare Sender betreibt die Pro-Sieben-Sat.1-Gruppe in Deutschland inzwischen, und wenn die alle ihre Programme für die nächste Saison vorstellen, wie am Mittwoch in Hamburg, hat es der Letzte nicht leicht.

          Alle Witze über das Leiden an den Quoten während der Fußball-WM seien von den Kollegen schon gemacht worden, klagte Paalzow, alle Explosionen in allen denkbaren Kombinationen in den anderen Programm-Trailern aneinandergeschnitten. Nicht einmal das Willkommenheißen des von Vox geholten Jochen Schropp sei ihm geblieben, denn der wird nicht nur bei Sat.1, sondern auch bei Pro Sieben moderieren und war deshalb schon im Pro-Sieben-Teil der Präsentation knapp eineinhalb Stunden zuvor begrüßt worden.

          Paalzow litt natürlich halb im Scherz. Er kokettierte auch mit der chronisch kurzen Zeit, die sich Sat.1-Geschäftsführer im Amt halten können: „Sat.1 ist auf einem guten Weg“, sagte er. „Das sehen Sie daran, dass ich dieses Jahr wieder hier stehe.“ Ein bisschen Selbstironie kann nicht schaden, in seiner Position.

          Verwertungsanlage für audiovisuelle Inhalte

          Aber tatsächlich zeigt sich bei Sat.1 besonders deutlich, wie wenig die Programme der Gruppe noch als eigenständige Sender wirken und wie sehr sie Abspielstationen sind, Teil einer großen gemeinsamen Verwertungsanlage für audiovisuelle Inhalte mit integriertem Verschiebebahnhof.

          Identitätsstiftende Marken sind rar geworden, markante Sendergesichter gibt es fast gar nicht mehr. Eine Fortsetzung von „Ladykracher“ mit Anke Engelke ist nicht geplant. Annette Friers „Danni Lowinski“ verabschiedet sich mit der fünften Staffel vom Bildschirm; „Der letzte Bulle“ mit Henning Baum ist auch Geschichte. Die jüngste Staffel von „Pastewka“ liegt seit Monaten herum. Große Shows wie „The Voice“ und „Got to Dance“ teilt sich Sat.1 mit Pro Sieben. Ulrich Meyer, früher ein Markenzeichen des Senders, ist in Ungnade gefallen und war nicht einmal mehr vor Ort, obwohl das nichts mit den Vorwürfen gegen seine Produktionsfirma zu tun haben soll, bei einem vermeintlichen Investigativformat getrickst zu haben.

          „Eine neue Show, die zurückkehrt“

          Sat.1 startet eine Show-Offensive. Pro Sieben auch. Jochen Schropp wird neben der neuen Quizshow „Himmel oder Hölle“ auf Pro Sieben die neue Improvisationsshow „Jetzt wird’s schräg“ auf Sat.1 moderieren. Das Pro-Sieben-Gesicht Stefan Gödde moderiert bei Sat.1 eine Show namens „Was weiß ich?“. Die Koffershow „Deal or no deal“, die von Wayne Carpendale moderiert wird, wurde von Paalzow mit den Worten angekündigt: „Eine neue Show, die zurückkehrt.“

          „Unsere Welt, unsere Geschichten, unser Programm - willkommen bei Sat.1“, so kündigte der Sprecher die Vorschau an, und das klang immerhin nach einem Versprechen, das den Sender unterscheidbar machen würde von all der Importware, mit der die anderen Sender der Gruppe bestückt werden. Nur wie dieses Versprechen eingelöst werden soll, das blieb jenseits einzelner Film-Events wie der „Staatsaffäre“ mit Veronica Ferres als Bundeskanzlerin (F.A.Z. vom 3. Juli) schleierhaft. Die deutsche Fiction spielte selbst in der Präsentation nur eine Nebenrolle.

          „Utopia“ - soziales Experiment

          Weil die Prominenten-Ausgabe von „Big Brother“ im vergangenen Sommer viele Momente zum Fremdschämen produzierte, aber keine schlechten Quoten, gibt es eine Neuauflage, nun als „Experiment“ bezeichnet, was sich allerdings nicht auf den Versuch beziehen soll, diesmal eine ordentliche Produktion auf die Beine zu stellen. Immerhin: Von den damals unmittelbar Verantwortlichen soll keiner mehr dabei sein. Auch diese Show moderiert Schropp, Cindy aus Marzahn bekommt eine neue Rolle, Oliver Pocher ist nicht mehr dabei.

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