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Programmvorstellung : Sat.1 startet „das innovativste soziale Experiment aller Zeiten“

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Wenn es etwas gibt, das das Programm von Sat.1 2015 prägen wird, im Guten oder im Schlechten, wird es „Utopia“ sein, ein leicht größenwahnsinniges Reality-Projekt. Sat.1 kündigt es an als „das innovativste soziale Experiment aller Zeiten“ - vermutlich abgesehen von der Sache mit Adam und Eva damals. Es wird eine Art „Big Brother“ ohne Big Brother: Ein Jahr lang sollen Menschen, rund um die Uhr beobachtet von Kameras, eine Lebensgemeinschaft bilden, sich Regeln geben, Strukturen aufbauen, Geld verdienen, überleben - und dabei, das ist wohl die eigentliche Utopie: das Vorabendprogramm von Sat.1 retten, wo das vom Frühjahr an täglich zu sehen sein soll.

Grüße an die Spartensender

Am Ende der Präsentation in Hamburg traten Richard und Jasmin auf, zwei Teilnehmer von „The Voice Kids“, und sangen „All of me“. Das war herzerwärmend, und Wolfgang Link, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Sendergruppe, sagte hinterher: „Wenn ich so was erlebe, weiß ich, warum wir alle diesen Job machen.“ Das kam als Bekenntnis an dieser Stelle etwas überraschend, denn bis dahin hatte der Abend eher den Eindruck hinterlassen, dass alle diesen Job machen, um möglichst viele Kleinstsender zu gründen und sie mit irgendwelchen Inhalten zu füllen, um dann jubeln zu können, dass der Pro-Sieben-Ableger Pro Sieben Maxx - „das Mäxxchen“, wie Link sagte - schon dreimal die Ein-Prozent-Marke in der Zielgruppe geknackt hat und der „am schnellsten wachsende Sender der dritten Generation“ sei.

Pro Sieben Maxx wird neben diversen Reality-Importen aus Amerika und einer eigenen Grill-Reihe für „Jumbo“ Schreiner die zweite Staffel von „House of Cards“ zeigen - in einem Rutsch an zwei aufeinanderfolgenden Tagen. Beim Frauensender Sixx sollen sich Männer und Frauen gründlich entstellt mit Horrormasken zum ersten Date treffen und deshalb nach inneren Werten entscheiden, wen sie wiedersehen wollen. Auf Sat.1 Gold laufen Schlager sowie jeweils exakt ein neues Reise- und Luxus-Magazin. Kabel 1 zeigt nach „Back to the 80s“ konsequenterweise „Back to the 90s“, macht eine Hai-Themenwoche und könnte mit dem Slogan „Nichts Neues“ in die nächste Saison gehen. Aber wenn man all diese Marktanteile zusammenzählt, kommt etwas dabei raus, womit sich ein sehr profitables Geschäft machen lässt.

Programmplätze müssen befüllt werden

Als „Könige der Mehrfachverwertung“ bezeichnete sich und seine Kollegen Wolfgang Link - allerdings auch halb im Scherz, um zu erklären, warum er zurzeit gleichzeitig Chef der gesamten Gruppe und des Senders Pro Sieben ist. Die Kritik daran, dass dieser Sender sich inzwischen damit zufriedengibt, weite Teile des Tagesprogramms mit Wiederholungen von Sitcoms wie „How I Met Your Mother“ oder „Big Bang Theory“ zu füllen, schmettert er mit dem böse gemeinten Hinweis ab, man könne ja auch „Arabella“ zurückholen oder „Das Geständnis“, einen selig vergessenen irrwitzigen Auswuchs der Zeit, als der Sender mit Fake-Talks günstig Quote zu machen versuchte. Auch die Sitcom-Vervielfachung lässt sich als Indiz dafür lesen, dass es immer weniger um das Programm-Machen geht als um das Befüllen vorhandener Programmplätze.

Andererseits ist Pro Sieben in seiner eigenen Selbstdarstellung ohnehin kein Sender, sondern „mehr als Fernsehen“, „die Entertainment-Brand fürs Leben“. Dort will „Galileo“ in der kommenden Saison erstmals live eine Geburt übertragen (Link: „das wird eine tolle Aktion werden“). Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf bekommen eine neue Samstagabend-Show. Bei „Schlag den Star“ treten in Zukunft zwei Stars gegeneinander an, zum Beispiel Axel Stein gegen Michael Wendler. Und außerdem, verkündet Wolfgang Link: „Stefan Raab bastelt an einer neuen Idee.“ Eine neue Idee. Ja, das wär was.

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