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Sat.1 setzt Harald Schmidt vor die Tür : Neun Monate wurden es nur

Statt Sommerpause ist nun Schluss: Harald Schmidts Late Night bei Sat.1 endet am 3. Mai Bild: dpa

Am 3. Mai sollte der Moderator in die Sommerpause gehen. Doch aus der kommt er nicht mehr zurück. Obwohl die „Harald Schmidt Show“ beste Kritiken erhielt, blieben die Zuschauer fern.

          Zuletzt hat er noch fortwährend Witze darüber gemacht, dass es seinem geschätzten Kollegen Thomas Gottschalk bei der ARD wohl über kurz oder lang an den Kragen gehe. Jetzt erwischt es ihn selbst: Harald Schmidt geht mit seiner Late-Night-Show bei Sat.1 am 3. Mai in die Sommerpause und – kehrt aus dieser nicht mehr zurück. Man habe sich „nach intensiven Gesprächen darauf verständigt, dass dieser Tag gleichzeitig das Finale der Sendung bedeutet“, teilt Sat.1 mit.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Der Moderator hat dafür nur ein Wort: „Schade.“ Sein Manager Fred Kogel meint : „Die Sendungen waren gut, die Quoten waren es insgesamt noch nicht. Eine tägliche Late Night Show braucht entsprechende Rahmenbedingungen und vor allem Zeit. Wenn man darüber keine Einigung erzielen kann, hört man besser auf.“

          Der Sat.1-Geschäftsführer Joachim Kosack äußert sich, als trete Harald Schmidt nicht ab, sondern gerade erst an: „Harald Schmidt ist für mich persönlich Late Night der Extraklasse. Doch auch die Erhöhung der wöchentlichen Frequenz auf drei Ausgaben hat die Fangemeinde leider nicht ausreichend erweitern können. Ich danke Harald Schmidt und seinem gesamten Team herzlich für viele wunderbare Sendungen.“

          Dafür können sich Schmidt und Kogel nichts kaufen. Die von dem Manager erbetene Zeit schien Sat.1 Schmidt zumindest bis jetzt geben zu wollen – seine Quoten waren nicht berühmt, aber er war in Form, weit entfernt von der Lustlosigkeit, die man ihm zuvor bei seinen wöchentlichen Auftritten in der ARD noch anlasten konnte.

          Und Sat.1 schien über alle Maßen erfreut über den Heimkehrer, dessen Wechsel von der ARD zu Sat.1 schon im Herbst 2010 verkündet wurde, obwohl er erst im Jahr darauf im Programm des Münchner Privatsenders auftauchte. Von einem auf zwei Jahre geschlossenen Vertrag war damals die Rede. Aus den zwei Jahren sind nun neun Monate geworden.

          Was den Zuschauerzuspruch angeht, können sich Thomas Gottschalk und Harald Schmidt die Hände reichen. Bei einer Quote von um die fünf Prozent liegt Gottschalk am Vorabend im Ersten, mit etwas mehr als einer Million Zuschauer. Harald Schmidt kommt am späten Abend bei Sat.1 auf einen Markanteil von 5,4 Prozent bei allen, und von 7,1 Prozent bei den Zuschauern im Alter zwischen vierzehn und neunundvierzig Jahren, macht summa summarum knapp eine dreiviertel Million Zuseher.

          In besseren, früheren Zeiten bei Sat.1 hatte Schmidt bei Markanteilen von zwölf Prozent gelegen. Und ein zweistelliges Ergebnis muss es bei den Programmchefs – im privaten wie im öffentlich-rechtlichen Fernsehen – schon sein.

          Die Sendung von Harald Schmidt allerdings ist ob ihrer ironischen Brechung des täglichen Medienwahns ein Wert an sich – mit dem die ARD seinerzeit überhaupt nichts anfangen konnte und den sich Pro Sieben Sat.1 nicht länger leisten will. Das ist nicht nur „schade“, wie Harald Schmidt sagt, sondern eine Tragödie.

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