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Sat.1-Film über zu Guttenberg : Jetzt wirst du ganz großes Kino

Eine Doktorarbeit? Beim Professor Himmel? Max (Johann von Bülow, links) kann nicht fassen, dass Franz (Kai Schumann) auch noch hinter diesem Titel her ist Bild: Sat.1

Sat.1 produziert einen Film, der werden soll wie noch keiner. In „Der Minister“ geht es um eine unglaubliche Politiker-Karriere, die der von Karl-Theodor zu Guttenberg verblüffend ähnelt.

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          Das Neue Schloss Tettnang hat in dieser Woche geschlossen. Im Bacchussaal ist trotzdem großer Bahnhof. Die Kaffeetafel ist reich gedeckt, der Champagner steht kalt. Zwei Paare hocken in den Fauteuils. Die Damen machen Konversation. „Mir wäre es ja zu langweilig, immer nur als Salatbeilage meines Mannes zu erscheinen“, sagt die eine. „Ganz meine Meinung“, erwidert die andere. Deshalb wolle sie ja auch etwas Eigenes machen, vielleicht so etwas wie das „Kinderherzenstiftungsdingsbums“ der Gattin des Bundespräsidenten. „Wie wäre es denn mit einem Jodeldiplom?“ „Ich kann nicht jodeln.“ Prösterchen.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Die beiden, die sich da unterhalten, heißen Viktoria von und zu Donnersberg und Lisa Drexel. Die eine ist für oberflächliches Getue und Schischi zuständig, die andere für den gesunden Menschenverstand und entlarvende Kommentare. Die Rollen stehen den Schauspielerinnen Alexandra Neldel und Stefanie Stappenbeck gut. Und sie passen perfekt zu den beiden Hauptfiguren, von denen der Film handelt, der hier gerade gedreht wird, zu Franz Ferdinand von und zu Donnersberg und zu Max Drexel, zwei Freunden seit Kindertagen, die ein ganz irres Ding drehen: Sie machen einen Minister.

          Wie macht man einen Minister?

          Nach außen hin ist Franz „Der Minister“. Er hat die Ausstrahlung. Nach innen wirkt Max. Er hat den Grips. Franz redet zwar manchmal Unsinn, den aber frei - und er nimmt die Menschen für sich ein. Ein Mann fürs Blitzlichtgewitter. Max gerät vor einer Ansammlung von mehr als drei Leuten ins Stottern, ist aber der geborene Einflüsterer, ein Spindoctor, der kluge Kopf dahinter, früher hätte man ihn Geheimrat genannt. Ein Talleyrand aus der süddeutschen Provinz. Er besorgt seinem Freund den Text. Gemeinsam sind die beiden unwiderstehlich, zumindest eine Zeit lang.

          Für die Schauspieler Kai Schumann und Johann von Bülow ist das ein Fest. Die beiden sagen die pointensatten Texte der Drehbuchautorin Dorothee Schön in einem Tempo auf, dass man beim Hören kaum mitkommt. Die Verquastheit nicht zu vergessen. „Ich neige ja manchmal dazu, den Kairos der Fertigstellung eines Gedankens zu versäumen“, sagt Schumann als Franz in einer Szene, in der er sein erstes Ministeramt mit Jan Breitmann (Thomas Heinze) feiert, dem Chefredakteur einer großen Boulevardzeitung. Na und? „Jetzt wirst du ganz großes Kino“, sagt der Journalist.

          Begonnen hat es als Studentenjux. „Ich habe beschlossen, ein zoon politikon zu werden“, sagt Franz. Er kandidiere für den Bundestag, konkretisiert seine Frau. Doch dafür, meint Lisa, müsse zunächst einmal eine neue Frisur her. Mit seiner Mähne gehe Franz nur als „Barpianist oder Filmregisseur“ durch. Also wird er gegelt, setzt eine Intellektuellenbrille auf, arbeitet an seiner Gestik und legt los.

          Das reale Vorbild ist offensichtlich

          Vom Abgeordneten zum Wirtschafts-, vom Wirtschafts- zum Verteidigungsminister. Kanzlerin Angela Murkel (Katharina Thalbach) kann es nicht fassen, und irgendwann wird es auch Max unheimlich. Also schlägt er seinem Freund, der längst auf einer anderen Umlaufbahn rotiert, vor, die Wehrpflicht abzuschaffen. Der reine Wahnsinn. Das müsste doch der Absturz sein. Aber auch das funktioniert. Bleibt nur die Doktorarbeit, die Max für Franz schreibt.

          “Der Minister“, um den es hier geht, ist zwar eine fiktive Figur namens von und zu Donnersberg, das reale Vorbild aber ist vor aller Augen. Kai Schumann spielt zwar nicht Karl-Theodor zu Guttenberg, aber jemanden, der diesem bis zur Kenntlichkeit in allerhand Details gleicht. Wäre es anders, hätten sich die Produzenten Benjamin Benedict und Nico Hofmann um die Persönlichkeitsrechte bemühen müssen.

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