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Sarah Palin und die Medien : Das Paradox aus der Provinz

Sie sprach zur rechten Zeit: Sarah Palin Aufstieg war ein Meisterstück politischer Kommunikation Bild: AFP

Der Aufstieg der Provinzgouverneurin als Kandidatin der Republikaner für das Amt des Vizepräsidenten ist auch eine Meisterleistung politischer Kommunikation. Wie Sarah Palin es schafft, mit Medienschelte die Medien für sich zu gewinnen.

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          Wer noch Beweise brauchte für die blinde Gefolgschaft, die die amerikanischem Medien ihrem Messias leisten, der musste nur bis sieben zählen: Zum siebten Mal in diesem Jahr hatte es Barack Obama Ende August auf den Titel des „Time Magazine“ geschafft, nur zweimal war dort, im gleichen Zeitraum, John McCain zu finden. Sieben zu zwei: Ein derart deutliches Ergebnis reicht, um im Wahlkampf als Argument durchzugehen. Die MSM, die mainstream media, das schien damit nicht nur ein paar erregten Bloggern klar, bewiesen wieder einmal ihre Blindheit auf dem rechten Auge.

          Harald Staun

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Dass die amerikanischen Medien, von den internationalen einmal ganz zu schweigen, in den vergangenen Monaten ein gewisses Faible für Barack Obama an den Tag gelegt haben, das lässt sich nur schwer leugnen, und wer alleine die Magazincover nebeneinanderlegt, die der smarte Demokrat zuletzt zierte, vom „Rolling Stone“ bis zu „GQ“, von „Wired“ bis zur „Men's Vogue“, der kann, zum einen, durchaus verstehen, dass selbst politische Gegner allmählich Mitleid mit John McCain bekamen; er sieht aber, zum anderen, natürlich auch sofort, dass im ein oder anderen Fall eine gewisse Inkompatibilität des 72 Jahre alten Vietnamveteranen mit der Zielgruppe eine Rolle gespielt haben mag.

          Ein Kandidat, mit dem man Zeitungen verkaufen kann

          Vermutlich war es nicht nur politische Abneigung, die etwa das Hip-Hop-Magazin „Vibe“ dazu veranlasste, bisher auf eine Titelgeschichte über McCain zu verzichten. Wer aber darauf hinwies, dass der erste schwarze Präsidentschaftskandidat womöglich ganz einfach deshalb medial präsenter war, weil er die interessantere Geschichte zu bieten hat, die besseren Pointen oder ganz einfach mehr Glamour, der stützte damit natürlich eher den Verdacht, dass der nationalen journalistischen Agenda ein liberaler Tenor zugrunde liegt. Wenn aber sogar der nicht gerade als Sozialist bekannte Rupert Murdoch, wie es vor kurzem in einem „Vanity Fair“-Porträt zu lesen war, für Obama votiert, weil dieser „mehr Zeitungen verkauft“, dann wird es schon ein wenig schwierig, der „Obamania“ alleine politische Vorlieben zu unterstellen.

          McCains Vize-Kandidatin : Palin begeistert den Parteitag

          Es war verdächtig ruhig geworden um die Legende von der Dominanz der „liberalen Medien“ in den Vereinigten Staaten, auch wenn das Mantra von den linken Eliten als Grundrauschen des politischen Diskurses nie ganz abzustellen war. Die Frage, ob etwas dran ist an der Voreingenommenheit der amerikanischen Medien, ist nicht nur deshalb ziemlich zwecklos, weil sich keiner grundsätzlich für ihre Beantwortung interessiert: Die Evokation der liberalen Medien ist ein wahlkampftaktisches Instrument, kein ernstgemeinter Vorwurf. „Working the refs“ nennen das die Amerikaner, Bearbeitung der Schiris. Wie im Fußball gehört die politische Schwalbe längst zum Repertoire der Spieler, wie im Fußball funktioniert sie gelegentlich, und wie im Fußball geben sich auch in der Politik diejenigen, die die Sache sportlich sehen, nach dem Schlusspfiff wieder die Hand und anerkennen insgeheim die Schlitzohrigkeit der Gegner, auch wenn das im einen Fall als faire Geste gilt, im anderen als Zynismus.

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