https://www.faz.net/-gqz-7tvnm

Sanssouci Media Colloquium : Durch die Datenwüste

Gut zugehört hatte Redmer der stellvertretende ZDF -Chefredakteur Elmar Theveßen, der ihm seine Schockiertheit über die Snowden-Enthüllungen nicht ganz abnehmen wollte. Google hat lange vor den Enthüllungen mit der NSA kooperiert und sich anders als Yahoo nicht dagegen gewehrt. Es gab auch Stimmen, die Google weniger kritisch sahen, aber trotzdem die Einsicht in seine geheimen Algorithmen für unabhängige Schiedsstellen forderten. Algorithmentransparenz gehört zweifellos zu den wichtigsten Anliegen des Datenschutzes, weit über Google hinaus.

Die Erwartungen der Wirtschaft

Wo es um Informationsasymmetrien, Kontrollmacht,  Selektion und Verhaltungssteuerung durch Anreizsysteme geht, ist Big Data nämlich anders als Redmer suggerierte gewiss kein weltanschaulich neutraler Begriff.  Was ist es anderes als Manipulation, wenn Google wie bei der Fußball-WM negative Begriffe herausfiltert oder den  Nutzer in seinen Filterblasen in die eigene Weltsicht verstrickt?

Algorithmentransparenz ist bei dieser Auslese das Mindestgebot. Der Datenschutzaktivist Mathias Spielkamp schlug härtere Töne an. Wenn die Unternehmen ihre Geschäftsmodelle nicht ändern, müsse es eben die Gesellschaft durch weitreichende Gesetzesänderungen tun. Bis dahin prophezeite der Grünen-Politiker Konstantin zu Notz viele weitere Gerichtsurteile.

Die wirtschaftlichen Interessen blieben in Potsdam nicht unterrepräsentiert. Joachim Bühler vom Branchenverband Bitkom forderte mit Nachdruck, beim Datenschutz auch die Geschäftsmodelle der deutschen Wirtschaft im Auge zu haben, die oft zwingend auf Big Data aufbauten. Der aktuelle Entwurf der Datenschutzverordnung habe nur den Schutz der Bürger in sozialen Netzwerken im Sinn. Auf dem Spiel stehe aber auch das Überleben von ganzen Industriezweigen. Bühlers Parole „Digital heißt immer Freiheit“ klang nach Snowden freilich arg phrasenhaft.

Ehrung für Vitali Klitschko

Die Verlage sehen sich  in der Big-Data-Ökonomie in einer doppelten Rolle. Auch sie sind Teil der Informationsökonomie und bedienen sich nicht selten der Methoden, die sie bei anderen kritisieren. Christoph Fiedler vom Verband deutscher Zeitschriftenverleger wies mit Aplomb auf die Gefahren der europäischen Datenschutzverordnung für die Pressefreiheit hin. Im Vergleich zur bisherigen Richtlinie schwäche die Verordnung die Ausnahmeregelungen für die Presse deutlich. Worüber könne sie überhaupt noch berichten, wenn alles unter den Schutz personenbezogener Daten fällt? Fiedler sah eine Katastrophe auf die Verlage zukommen. Das gelte auch für ihre Marketingabteilungen, die es mit der kontrollierten Verbreitung ihrer Produkte schwer haben würden, wenn die Verordnung auf das Einwilligungsprinzip umstellt.

Die Überlegungen, was die Medien unter dem Stichwort Datenjournalismus publizistisch mit den großen Datensätzen anfangen könnten, waren noch recht vage formuliert. Hier steht man noch am Anfang. Gleiches gilt für den „neuen Pakt mit den Informanten“, die aus Furcht vor Überwachung weniger als früher den Kontakt zu den Redaktionen suchen.

Nach dem Kolloquium wurde Vitali Klitschko für seinen Freiheitskampf in der Majdan-Revolution geehrt. Der europäische Parlamentspräsdent Martin Schulz hielt die Laudatio, der österreichische Außenminister Sebastian Kurz überreichte die Urkunde. Für einen Moment wurde noch einmal auf ganz andere Weise deutlich, was beim Kampf für eine freie und demokratische Welt auf dem Spiel steht.

Weitere Themen

Topmeldungen

Angestellte von Google und Youtube beim Gay Pride Festival in San Francisco, Juni 2014

Trump gegen Google : Man nennt es Meinungsfreiheit

Ohne das Internet wäre Donald Trump wohl nicht amerikanischer Präsident geworden. Jetzt beschwert er sich über politische Ideologisierung bei Google. Aus dem Silicon Valley schallt es zurück.
Im Jahr 2016 ist es in Kalkutta zwar noch wuseliger, aber die Anzahl der Läden und Fahrzeuge deuten auf einen Entwicklungsfortschritt hin.

Wohlstand, Gesundheit, Bildung : Der Welt geht es immer besser

Kurz bevor er starb, hat der schwedische Arzt Hans Rosling noch ein Buch geschrieben. Es hat eine zutiefst erschütternde These: Der Zustand der Welt verbessert sich, doch keiner bekommt es mit. Woran liegt das?
Schon im Wahlkampfmodus? Olaf Scholz am Samstag beim Tag der Offenen Tür im Finanzministerium in Berlin

SPD : Scholz will bald Partnerin für Parteivorsitz vorstellen

Olaf Scholz will sich in der „zweiten Wochenhälfte“ zu seiner Kandidatur und seiner Partnerin äußern. Die Zahl der Kandidaten-Paare für den Parteivorsitz könnte bis dahin noch gestiegen sein.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.