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Salafisten bedrohen Reporter : Die Koran-Verteiler

Unverfängliche Einladung oder ideologischer Befehl: die „Lies!“-Aktion der Salafisten Bild: dapd

Kritische Berichterstattung ist den Salafisten, die in deutschen Fußgängerzonen gratis den Koran verteilen, offensichtlich unerwünscht. Reporter werden im Netz bedroht und verfolgt.

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          Seit einem halben Jahr läuft in den Fußgängerzonen etlicher deutscher Großstädte die Aktion „Lies!“. Salafisten, die einer besonders strengen Auslegung des Korans huldigen und die Einführung der Scharia befürworten, schicken sich an, insgesamt fünfundzwanzig Millionen Exemplare des Korans kostenlos unter die Leute zu bringen. Im Internet, bei Youtube, feiern sie die Aktion, die auch zum vergangenen Osterwochenende stattfand, als großen Erfolg. Mit der naheliegenden Idee, ihr Glaubensbuch zu verteilen und - zunächst - sonst nichts, scheint ihnen die Missionierung leichter zu gelingen denn je.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Eine kritische Berichterstattung darüber ist allerdings offenbar nicht erwünscht und wird - wie die „Welt“ recherchiert hat - von einem namhaften Salafisten sogar verfolgt. Er soll für ein Video verantwortlich sein, in dem zwei Journalisten bedroht werden, die für den „Tagesspiegel“ und die „Frankfurter Rundschau“ berichten. Man habe „detaillierte Informationen über die Affen und Schweine“, die „verlogene“ Berichte über die Salafisten-Vereinigung Dawa FFM bei Frankfurt und andere „Geschwister“ veröffentlicht hätten, hieß es den Angaben zufolge in dem Video. Es folgten persönliche Angaben über die Journalisten und Fotos. Man kenne die Adressen der Betreffenden und habe deren Mobilnummern. Man habe auch „weitere Namen, die wir zu einem anderen Zeitpunkt offenlegen werden“. Das Video wurde von dem Internetportal Youtube inzwischen entfernt.

          Subtile Ideologisierung

          Der Produzent des Videos soll mit dem Organisator der Aktion „Lies!“, Ibrahim Abou Nagie, in Verbindung stehen und für diesen als Kameramann gearbeitet haben. In einem weiteren Video, das wie viele andere bei Youtube noch verfügbar ist, macht sich ein junger Mann, mit lässigem Kölner Akzent, etwa über einen Bericht der Springer-Presse lustig, in dem vor den Salafisten gewarnt wird.

          Die bedrohten Journalisten werden, dem Vernehmen nach, von den Sicherheitsbehörden inzwischen betreut. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) hat die Drohungen und Einschüchterungsversuche gegen die beiden Journalisten verurteilt. „Kritische Berichterstattung gehört zum Kern der demokratischen Gesellschaft“, sagte der DJV-Vorsitzende Michael Konken. „Das müssen auch religiöse Eiferer akzeptieren.“ Er ermunterte Journalisten, sich nicht einschüchtern zu lassen.

          Gegen die massenhafte, kostenlose Verteilung des Korans durch die Salafisten - die gern auch vor allem an Schulen für sich werben -, haben sich inzwischen Union, SPD, kirchliche Organisationen und der Zentralrat der Muslime ausgesprochen. „Was sich als reine Koran-Verteilaktion präsentiert“, hieß es aus dem nordrhein-westfälischen Innenministerium, sei „in Wahrheit die subtile Verbreitung der salafistischen Ideologie“. Die FDP sieht indes keine Handhabe, der Gratisverteilung des Korans Einhalt zu gebieten. „Solange bei der konkreten Verteilung in Fußgängerzonen oder anderswo keine Gesetze verletzt werden, ist ein Verbot nicht mit dem Rechtsstaat vereinbar“, sagte die FDP-Innenexpertin Gisela Piltz der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Die Ulmer Druckerei Ebner & Spiegel überprüft derweil den Auftrag zum Druck des Korans, den sie für die Salafisten übernommen hat.

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