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Apple und China : Sag niemals Taiwan!

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Hier noch in aller Schönheit zu sehen, auf chinesischen iPhones allerdings nicht mehr: die taiwanesische Flagge. Bild: EPA

Apple hilft Chinas Zensur, der Systemabsturz folgt: Wie das Unternehmen die taiwanesische Flagge aus dem Emoji-Katalog seiner chinesischen Geräte verbannte.

          Dass Taiwan nicht Fußball, sondern Baseball zum Volkssport hat, dürfte zumindest Apple als Vorteil auslegen. Denn wenn in den vergangenen Wochen bei der WM die Fußballmannschaften aller Herren Ländern gegeneinander antraten, flatterten bisweilen die Nationalflaggen jedes noch so kleinen Teilnehmerstaates in Emoji-Form über die Handybildschirme der Welt. Kein Problem für Apple-Nutzer, die etwa auf ihren iPhones das panamaische Schachbrett per SMS versenden oder das isländische Kreuz in einen Tweet einbauen wollten. Wäre nun aber auch Taiwan beim Turnier in Russland vertreten gewesen, hätten die Apple-Zentralen wohl massenhaft Beschwerden über abgestürzte Apps entgegennehmen müssen.

          Anfang 2017 hat Apple der Volksrepublik China, die Taiwan als abtrünnige Provinz betrachtet, allem Anschein nach einen kleinen Gefallen getan und die taiwanesische Flagge aus dem Emoji-Katalog seiner chinesischen Geräte verbannt. Apple, das seine Handys und Tablets in China zusammenbauen lässt, hat durchaus wirtschaftliches Interesse daran, die chinesische Regierung milde zu stimmen – allein in den letzten beiden Geschäftsquartalen konnte der Konzern dort mehr als dreißig Milliarden Dollar Umsatz verbuchen. Die im Gegenzug geleistete Zensurhilfe lässt sich an jedem gewöhnlichen Apple-Gerät nachvollziehen, indem man seine Region in den Einstellungen – völlig visumfrei – zu China ändert und einen Blick in die Emoji-Liste seiner Tastatur wirft. Wo sonst zwischen den Flaggen Tadschikistans und Tansanias jene der ostasiatischen Pazifikinsel weht, findet sich nun: nichts. Versucht man trotzdem, das nunmehr fehlende Emoji anzuzeigen, etwa indem man es sich vorher selbst zuschickt, erscheint stattdessen ein kleines durchkreuztes Kästchen.

          Das bloße Eintippen des Wortes „Taiwan“ genügt

          George Orwell hätte zweifelsohne Spaß an der Geschichte gehabt: Wie der amerikanische Sicherheitsforscher und Hacker Patrick Wardle, dessen ehemaliger Arbeitgeber der Geheimdienst NSA ist, nun herausgefunden hat, ist Apple bei der stillschweigenden Aktion ein peinlicher Fehler unterlaufen. Die taiwanesische Flagge, die die Leitprinzipien der Kuomintang, der Gründerpartei Taiwans, symbolisiert, war bis vor Kurzem nicht nur in China gesperrt, sondern führte auch auf einigen nichtchinesischen Geräten zum sofortigen Absturz der App, in der sie angezeigt werden sollte. Eine Freundin hatte Wardle gegenüber deshalb die Sorge geäußert, ihr Handy sei von China gehackt worden.

          Eine Videoaufnahme in einem Blogpost des Sicherheitsexperten zeigt, dass auf dem betroffenen iPhone sogar das bloße Eintippen des Wortes „Taiwan“ genügte, um den Bildschirm schwarz werden zu lassen. Zu seiner Belustigung stellte Wardle fest, dass theoretisch jeder einen ferngesteuerten App-Absturz herbeiführen konnte, indem er der Zielperson per Nachricht einfach das verbotene Emoji schickte.

          Am vergangenen Montag hat Apple das Problem durch ein Update behoben. Es handle sich um ein sogenanntes denial of service bei Geräten, deren Besitzer keine feste Region eingestellt hatten. Ein Service wird zumindest weiterhin verwehrt: Auf chinesischen iPhones ist die taiwanesische Flagge selbstverständlich weiterhin zensiert.

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