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Saar-Tatort : Auserzählt?

Nix zu machen: Die Schauspieler Maximilian Brückner und Gregor Weber sind nicht mehr im Einsatz. Bild: SR/Manuela Meyer

Nach nur sieben Folgen wird das Tatort-Duo Kappl/Deininger abgesetzt. Am Alter der Krimi-Reihe aus Saarbrücken kann es also nicht liegen. Woran dann?

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          Der Saarländische Rundfunk hat für die frühe Absetzung seines „Tatort“-Teams mit Maximilian Brückner und Gregor Weber eine erstaunliche Begründung gefunden: Die Geschichte der beiden sei „auserzählt“, hieß es lapidar. Punkt, aus, vorbei.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Für „Tatort“-Verhältnisse ist diese Einschätzung revolutionär. Denn zum Stichwort „auserzählt“ fielen einem da doch viel eher ein paar andere Paarungen ein. Die Kollegen Batic und Leitmayr aus München zum Beispiel, die seit 1991 über die Gänge des Polizeipräsidiums schlurfen, oder die Herren Ballauf und Schenk, die seit 1997 ein und dieselbe Kölner Currywurstbude belagern, und Lena Odenthal fing in Ludwigshafen schon 1989 an. Ganz zu schweigen von den „Polizeiruf“-Veteranen Schmücke und Schneider, die sich seit 1996 in der Kunst der Langatmigkeit üben.

          Den Dienstjahren nach zählen die „Tatort“-Kommissare aus Saarbrücken nun wahrlich nicht zum alten Eisen. Seit 2006 haben sie es auf ganze sieben Einsätze gebracht, wobei der von Gregor Weber gespielte Kommissar Deininger schon vorher dabei war und vierzehnmal ermittelte. Doch das Dienstalter macht die Qualität eines „Tatorts“ ja nicht aus: Das privat geschiedene, beruflich aber aneinandergekettete Paar Saalfeld und Keppler aus Leipzig sieht nach drei Jahren schon ziemlich alt aus. Es hängt von der Kunst der Inszenierung, der Frische der Stoffe und dem Willen zur stetigen Innovation ab, ob einem ein „Tatort“ wirklich „auserzählt“ vorkommt. Vor der Ära von Maximilian Brückner und Gregor Weber hatte der Saarländische Rundfunk freilich einen „Tatort“, der so was von „auserzählt“ war, dass man nicht mehr hinschauen konnte - das waren die siebzehn bleiernen Jahre mit dem von Jochen Senf gespielten Kommissar Palu. Seither aber hatte sich die Sache geändert, nicht nur den Quoten nach machten die aktuellen Kommissare von der Saar mit acht Millionen Zuschauern gute Figur. Die Konstellation mit dem zugezogenen und mundartlichen fremden Jungspund Kappl und dem ursaarländischen Deininger hatte ihren Reiz, von dem man nicht den Eindruck haben musste, er sei schon verloren.

          Nun probiert es der Saarländische Rundfunk mit neuen Leuten und einem neuen Konzept. Darin einen Skandal sehen zu wollen ist reichlich übertrieben. Es ist eine programmatische Entscheidung, hinter der mit dem Redakteur Christian Bauer zudem jemand steht, dem es an Kennerschaft nicht mangelt. Ob es eine kluge, ob es die richtige Entscheidung ist, werden wir sehen. Ein Vorbild könnten sich die Saarländer beim Norddeutschen Rundfunk nehmen. Dort sind beim „Tatort“ in Kiel und wohl demnächst mit Til Schweiger in Hamburg wie auch beim „Polizeiruf“ in Rostock neue Krimisaiten aufgezogen worden, die es braucht, damit der „Tatort“ eine Traditionsmarke bleibt, die nicht in Traditionen erstarrt. Der Saarländische Rundfunk hat nicht viele Pole, mit denen er im Ersten Programm aufscheint. Von dem einen, dem „Tatort“, hängt viel ab.

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