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Russische Medien gehackt : „Blut klebt an euren Händen“

  • Aktualisiert am

Von Hackern lahmgelegt: das russische Portal Rutube. Bild: Reuters

Hacker haben die russische Plattform „Rutube“ lahmgelegt. Im Staatsfernsehen erschien ein Text, der Russland wegen der Tötung Tausender Ukrainer anklagt.

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          Die russische Videoplattform Ru­tube, die sich als Konkurrent des amerikanischen Youtube betrachtet, ist am Dienstag Ziel einer massiven Cyberattacke geworden. „Wir sind tatsächlich mit der größten Cyberattacke in der Geschichte von Rutube konfrontiert“, teilte das Unternehmen auf dem Messengerdienst Telegram mit. Den Zugang wiederherzustellen werde „mehr Zeit in Anspruch nehmen, als die Techniker zunächst dachten“, erklärte Rutube.

          Beim Aufruf der Website Rutube.ru erschien am Dienstagmorgen ein schwarzer Bildschirm, darauf in weißer Schrift ein Hinweis auf Wartungsarbeiten: „Die Website wurde gehackt. Aktuell ist die Lage unter Kontrolle. Die Nutzerdaten sind geschützt.“

          Laut Rutube ist die Website seit Montag nicht erreichbar. Am Montag hatte Russland mit einer großen Militärparade den Sieg über Hitler-Deutschland vor 77 Jahren gefeiert. Der Diktator Wladimir Putin hatte sein Land auf den Krieg gegen die Ukraine, der im Sprachgebrauch des Kremls als militärische „Spezialoperation“ bezeichnet wird, unter der Losung eingeschworen, die er seit Beginn des Angriffs am 24. Februar ausgibt: Es gehe um „Entnazifizierung“.

          Hinter dem Cyberangriff auf Ru­tube stünden dieselben Hacker, die „in den vergangenen zwei Monaten immer wieder die Websites öffentlicher Einrichtungen attackiert“ hätten, erklärte das russische Unternehmen. Ukrainische Medien hatten am Montag auf Fotos gestützt berichtet, dass es Hackerangriffe auf das Ausstrahlungssystem der russischen Fernsehsender MTS, NTV-Plus, Rostelecom und Winx gegeben habe. Dabei sei die Nachricht verbreitet worden: „Das Blut Tausender Ukrainer und Hunderter ihrer getöteten Kinder klebt an euren Händen. Das Fernsehen und die Behörden lügen. Nein zum Krieg.“

          Zwei Journalisten der Nachrichtenwebsite Lenta.ru, die als kremltreu gilt, veröffentlichten am Montagmorgen einen langen Text, in dem sie den russischen Angriff auf die Ukraine als „blutig und absurd“ kritisieren. Der Text wurde schnell von der Seite entfernt. „Wir suchen jetzt Arbeit, Anwälte und vielleicht politisches Asyl“, sagten Egor Poliakow und Alexandra Mirotschnikowa. „Wichtigster Grund war das Gewissen“, sagte Poljakow. Da unabhängige Medien ohne alternative Internetzugänge in Russland nicht mehr aufzurufen seien, habe er sich mit seiner Mitarbeiterin entschlossen, deren Materialien für die Leser seines Mediums zugänglich zu machen. Über mögliche juristische Konsequenzen war zunächst nichts bekannt.

          Im März war die beim Sender Perwy Kanal beschäftigte Redakteurin Marina Owsjannikowa während der wichtigsten Nachrichtensendung hinter der Sprecherin aufgetaucht. Owsjannikowa hielt ein Schild in die Kamera mit Kritik am russischen Vorgehen in der Ukraine und an der „Propaganda“ der Medien.

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