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Russischer Medienmarkt : Springer lässt sich von Putin verjagen

Springer-Zentrale in Berlin Bild: dpa

Der Springer-Verlag zieht sich nach elf Jahren vom russischen Markt zurück. Wie das Unternehmen bestätigte, verkauft es die Anteile seines russischen Ablegers vollständig. Eine Gesetzänderung Putins zwang den Verlag zu diesem Schritt.

          Der Verleger Alexander Fedotow wird Springer die Anteile am russischen Verlag abkaufen. Dieser will alsdann zwanzig Prozent der Anteile an Regina von Flemming weiterverkaufen, die bisherige Vorstandsvorsitzende von Axel Springer Russia. Das Unternehmen gibt bisher - teils in Lizenz verlegte - Zeitschriften wie „Forbes Russia“, „Gala Biografia“, „OK!“ und „Geo“ heraus. Von 2016 an aber darf der Anteil von Ausländern an russischen Verlagen bei höchstens zwanzig Prozent liegen. Bisher galt nur für Fernsehen und Radio eine solche Schwelle, die zudem bei fünfzig Prozent lag. In der Debatte über das Gesetz war, dem Moskauer Zeitgeist entsprechend, der Schutz der „Souveränität“ Russlands ins Feld geführt worden, der angebliche „Informationskrieg“ des Westens und dessen „fünfte Kolonne“ im Land.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Zu dieser werden auch Journalisten gezählt, welche die Seilschaften um Macht und Geld im Land offenlegen. Insbesondere „Forbes“ widmet sich Fällen von Korruption und Vetternwirtschaft in der Elite. Unter anderem hatte die Zeitschrift den Leiter des Ölunternehmens Rosneft, Igor Setschin, mit konkreten Zahlenangaben als bestbezahlten Vorstandsvorsitzenden im Land bezeichnet; dagegen klagte der Weggefährte von Präsident Wladimir Putin im vorigen Jahr mit Erfolg. „Als wir in den russischen Markt eingetreten sind, haben wir an die weitere ökonomische Entwicklung und Liberalisierung geglaubt“, sagte nun Ralph Büchi, der für Springers Auslandsgeschäft zuständig ist. Man bedauere, Russland aufgrund des neuen Gesetzes verlassen zu müssen; ein Minderheitsanteil wäre für Springer „nicht akzeptabel“ gewesen.

          Viele ziehen sich vom Markt zurück

          Axel Springer, Burda, Bauer und andere Medienhäuser hatten im Frühjahr in einem Brief an Putin um ein Jahr Aufschub gebeten und auf die schwierige wirtschaftliche Lage hingewiesen. Ohne Erfolg. Neben dem gesetzlichen Verkaufszwang dürfte die Rezession im Land die Preise drücken; auch Werbeausgaben werden zurückgefahren. Angeblich hat Axel Springer Russia 2014 rund drei Millionen Euro Verlust gemacht. Der Verkaufspreis wurde nun nicht mitgeteilt. Andere Medienhäuser holen sich russische Partner ins Boot oder ziehen sich ebenfalls ganz von dem Markt zurück. Burda teilte dieser Zeitung auf die Frage nach der Zukunft des Russland-Geschäfts mit, man könne sich dazu derzeit nicht äußern.

          Alexander Fedotow, der Käufer von Springer Russia, gibt bislang mit seiner Artcom Media Group unpolitische Titel wie „L’Officiel“, „SNC“ oder „Port“ heraus. Er soll mit einem Möbelgeschäft und Immobilien zu Geld gekommen sein. Man hofft offenkundig, dass die redaktionelle Arbeit wie bisher weitergehen kann, insbesondere mit Blick auf die Recherchen von „Forbes“. Regina von Flemming, die Beraterin des Vorstands werden soll, erklärte ihr Engagement gegenüber dieser Zeitung nun damit, dass sie im Dienste der Pressefreiheit „Kontinuität und Stabilität“ erhalten wolle.

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