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Nationales Online-Lexikon : Was weiß Wikipedia schon von Russland?

  • -Aktualisiert am

Wikipedia reicht nicht mehr aus: eine eigene „Alternative“ soll kommen. Bild: Picture-Alliance

Unzuverlässig und unglaubwürdig erscheint zwei großen russischen Bibliotheken das Online-Lexikon Wikipedia. Ein eigenes nationales Projekt soll sie ergänzen. Und übertreffen.

          Mit dem Sputnik 1 stellte die Sowjetunion den ersten von Menschenhand angefertigten Satelliten in die Umlaufbahn, und mit der Tupolew TU-144 schenkte sie der Welt die ersten Flüge in Überschallgeschwindigkeit. Technisch war Russland stets auf Eindruck bedacht und baute für die Ewigkeit. Was in den heutigen digitalen Zeiten fehlt, ist ein ausreichend repräsentatives und großes, dabei aber spezifisch russisches Nachschlagewerk im Internet. Das soll sich nun ändern.

          Nachdem Präsident Wladimir Putin das Internet jüngst als ein „CIA Spezial-Projekt“ bezeichnet hatte, gab die nach einem seiner Vorgänger, Boris Jelzin benannte Präsidentenbibliothek nun bekannt, ein eigenes Online-, Mitmach-, und Nachschlagewerk zu initiieren, dass sich klar am Vorbild von Wikipedia orientiert und dieses in gewisser Hinsicht ergänzen soll. In der Darstellung der Beiträge werde es allerdings „gründlicher und objektiver“ sein – und sich inhaltlich auf Land, Regionen und Leute konzentrieren. Obwohl die russische Wikipedia bereits über eine Million Beiträge umfasst, verspricht man sich von dem neuen Vorhaben detailliertere und unverfälschte Einblicke in das russische Leben. Die Wikipedia alleine sei zu unzuverlässig und unglaubwürdig, deswegen müsse man es „ergänzen“.

          Die Präsidentenbibliothek in St. Petersburg will das Projekt zusammen mit der Russischen Nationalbibliothek angehen. In einer Pressemitteilung verkündet Alexander Vershinin, der Direktor der Präsidentenbibliothek, dass ihre Online-Enzyklopädie Dokumente über das russische Territorium enthalten und gleichzeitig virtuelles Museum der regionalen Entwicklung sein solle. Gegenstände und Themen der Russischen Föderation würden in dieser Arbeit auch enthalten sein. Dafür werden bislang 50.000 Bücher und 500 regionale Nachschlagewerke in das Vorhaben eingebunden, die regionale und lokale Entwicklungen thematisieren. Denn wie bei der Wikipedia sollen die Beträge durch die Nutzer stets erweitert, ergänzt und überarbeitet werden.

          Die Initiatoren sehen die Seite schon als eine der meistfrequentierten und wichtigsten im russischen Internet. Ob das Open-Source-Projekt dabei von der russischen Obrigkeit kuratiert, wenn nicht gar zensiert werden wird? Das wird sich vor allem an den Darstellungen brisanter Regionen zeigen. Auch in Russland ist das Internet ideologisch umkämpft: Noch im März blockierten Behörden Websites von Kremlkritikern, und im August trat ein Gesetz in Kraft, das Bloggern, Twitterern und anderen Social-Media-Nutzern vorschreibt, sich bei der Presseaufsicht registrieren zu lassen, sobald sie mehr als dreitausend Leser- oder Follower haben.

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