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Disput mit Putin-Gegner : Bekenntnisse eines Putinisten

  • -Aktualisiert am

Politik interessiert ihn nicht, er aber will kein „Verräter“ sein: Der Schauspieler Oskar Kutschera (l.) im Gespräch mit dem Blogger Juri Dud Bild: вДудь/Youtube

Das Gespräch eines Putin treuen Schauspielers mit dem regierungskritischen Blogger Juri Dud lässt in die Köpfe der konformistischen Mehrheit blicken und geht in Russland viral.

          5 Min.

          Oskar Kutschera ist ein 48 Jahre alter Schauspieler und früheren Mo­derator des Popsenders Muz-TV, der die russische Armee unterstützt. Kürzlich lud ihn Juri Dud, Russlands populärster Blogger und op­positioneller Journalist, zu einem drei Stunden langen Gespräch. Das Interview erschien am 16. Januar auf Youtube, wurde in den ersten Tagen mehr als vierzehn Millionen Mal aufgerufen und verbreitet sich weiter viral. Denn Kutschera offenbart im Gespräch die Denkweisen der Putin-Wählerschaft samt Ideenwirrwarr und Propagandasprüchen. Auf Youtube kann man ihn wie ein Exponat in einer Ausstellung über Russland betrachten. Die Putin unterstützende Mehrheit, hier ist sie: Siebzig Prozent der Bevölkerung verschmelzen zu einem netten, un­politischen, im Grunde friedliebenden, nicht zu Analysen neigenden Typen.

          Kutschera behauptet, Moskau und Kiew seien für ihn gleichwertig, als Sohn eines ukrainischen Juden sei er Halb­ukrainer. Die Frage, warum Russland den Krieg begonnen habe, kann er, wie viele Russen, nicht beantworten. Offenbar änderte die Propaganda den offiziellen Zweck der militärischen Spezialoperation zu oft. Es bleibt nur das Grundkonzept: Der Krieg begann, weil Amerika Russland schwächen wollte, um aus seiner Wirtschaftskrise herauszukommen, und einen Krieg in Europa arrangierte. Und Russland begann den Krieg nicht, um die Ukraine zu erobern, nein! Obwohl die September-Referenden in den Regionen Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja natürlich eine Eroberung ukrainischer Gebiete darstellten. Aber Kutschera versteht vieles an diesem Krieg nicht, er ist eigentlich gegen Krieg, Krieg sei furchtbar. Aber nun könne er sich nicht gegen sein Land und dessen Armee wenden. Er unterstütze Putin, weil dieser auf Russlands Seite stehe, und je länger der Krieg dauere, desto mehr vertraue er ihm.

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