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Russische Propaganda : Es schlägt ihr der blanke Hass entgegen

Vermummt und anonym: Propagandisten hetzen im Internet, oft trifft es völlig Unbeteiligte Bild: ddp

Eine in Deutschland lebende Frau wird Opfer prorussischer Propaganda: Olga Wieber stammt aus der Ukraine und wird mit dem Tode bedroht. Grund dafür ist eine abstruse Geschichte, die im Internet kursiert.

          Die Propaganda der Getreuen Putins läuft heiß. Muss sie ja auch, schließlich gilt es der Welt zu erklären, dass die dreihundert Toten aus dem Flieger der Malaysia Airlines nicht auf das Konto der Separatisten in der Ost-Ukraine gehen, dass es nicht eine über die russische Grenze geschaffte Buk-Rakete war, die das Flugzeug zerfetzt hat, dass die Leichen nicht ausgeplündert und OSZE-Beobachter nicht behindert und ferngehalten wurden. Sondern dass dies alles eine Verschwörung des mit der ukrainischen Regierung verbündeten Westens ist.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Keine Legende ist zu abstrus, als dass sie nicht dazu herhalten könnte, den Krieg, mit dem Putin die Ukraine überzieht, zu camouflieren. Die russischen Staatsmedien ergehen sich in dieser Übung, sie versorgen ihr Publikum mit einem geschlossenen Weltbild wie aus alten, totalitären Tagen. Im Zusammenspiel mit dem Internet funktioniert das besonders gut. Trolle verpesten mit ihren Kommentaren die Nachrichtenseiten, und Bloggerstoßtrupps setzen Lügen in die Welt, die mir nichts, dir nichts die Runde machen und – in den russischen Staatsmedien landen. Wie etwa die Geschichte, die man Olga Wieber angedichtet hat. Sie lebt im Badischen, stammt aus der Ukraine, ihr Profilbild auf Facebook hat sie in den ukrainischen Landesfarben eingefärbt, sie ist Mathematikerin und hat einmal für eine Medizintechnik-Firma gearbeitet.

          In verschiedenen Blogs, ausgehend offenbar von der prorussischen Gruppe „Cyberkut“ erscheint sie als Ärztin, die illegal mit Organen handele, die schwerverletzten ukrainischen Soldaten entnommen würden. Sie stecke unter einer Decke mit der ehemaligen ukrainischen Regierungschefin Julia Timoschenko, deren Anwalt und dem Kommandeur einer ukrainischen Armee-Einheit. Die Geschichte ist frei erfunden, doch das hält die Propaganda natürlich nicht auf. Olga Wieber schlägt der blanke Hass entgegen, ihre Freunde werden bedrängt, sie wird mit übelsten Kommentaren überzogen, sie wird mit dem Tod bedroht – man hat im Netz auch ihre Wohnadresse kenntlich gemacht. Doch sie geht in die Offensive, hat mit Zeitungen gesprochen und jetzt im Deutschlandfunk ihre Geschichte erzählt, um eine Gegenöffentlichkeit herzustellen.

          Nicht nur, um sich selbst zu schützen, sondern, wie sie im Radio sagte, um auf die politische Dimension der dumpfen Hasspropaganda hinzuweisen. Schließlich werde nicht nur sie verleumdet und bedroht, es werde suggeriert, dass Verbrechen, wie sie ihr angedichtet werden, nur mit Unterstützung der deutschen Ärzteschaft und im Einvernehmen mit der Bundesregierung geschehen könnten. „Die Propaganda hat zum Ziel, europäische Werte zu diskreditieren“, sagt Olga Wieber. Deren Verteidigung darf nicht nur ihre Sache sein.

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