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Russische Kriegspropaganda : „Z“ ist überall

  • -Aktualisiert am

Diese „Z“ taugt nicht mehr für die russische Propaganda: ein zerstörtes Flugabwehrsystem der russischen Armee in Husarivka in der Region von Charkiw am 14. April. Bild: Reuters

Facebook und Youtube unternehmen zwar etwas gegen russische Propaganda. Doch viel zu wenig, sagt das Disinformation Situation Center. Nur ein winziger Teil hetzerischer Desinformation werde gelöscht.

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          Eine Analyse des „Disinformation Situation Center“, einem Zusammenschluss von NGOs zeigt, dass Inhalte unter dem Rubrum ,Z‘, die den russischen Vernichtungskrieg in der Ukraine unterstützen, auf Facebook und Youtube weit verbreitet sind, obwohl die Propaganda eindeutig gegen die Nutzungsbedingungen verstößt.

          Im Untersuchungszeitraum von knapp einem Monat wurden Beiträge mit ,,Z“-Tags auf Facebook und Youtube analysiert. Bei Youtube fanden sich 921 Videos, die auf 534 Kanälen liefen. Außerdem wurden 8363 Kommentare von 6242 Nutzern untersucht. Für die Analyse auf Facebook wurden 1191 Beiträge untersucht. Zur Datenerhebung wurden ebenfalls 4367 Kommentare analysiert, die von 1592 Kommentatoren verfasst wurden. Das erschreckende Ergebnis: Nur 5,54 Prozent der Propaganda-Beiträge wurden auf Facebook und Youtube gelöscht. Insgesamt verschwanden nur 2,45 Prozent der untersuchten Facebook-Profile und 1,31 Prozent der Profile auf Youtube.

          Youtube reduziere recht erfolgreich die Propaganda russischer Staatsmedien in der EU und kremltreue Beiträge in der Ukraine, jedoch mangele es an der Moderation putinfreundlicher Kanäle in der EU. Von 72 Kanälen seien nur acht gesperrt worden, die insgesamt 26,5 Millionen Abonnenten hatten. Bei Youtube gebe es zu viele systematische Schwachstellen für eine effektive Kontrolle.

          Ein Beispiel ist der Blogger Juri Podolyaka. Seit Beginn der russischen Invasion verbreitet er ,,militärische Berichte“, die der Kreml-Propaganda entsprechen. Er hatte auf seinen drei offiziellen Youtube-Kanälen mehr als drei Millionen Abonnenten. Zwei Kanäle wurden am 7. April gesperrt, der dritte am 12. April. Gleichwohl sind Podolyakas Videos weiter auf der Plattform zu finden. Sein Blogger-Kollege Mikhail Onufrienko ermutigt Nutzer, Videos zu kopieren und auf andere Kanäle zu setzen. Solche Backup-Kanäle seien gängige Taktik der Kreml-Propagandisten, schreibt das Disinformation Situation Center.

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