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Rupert Murdochs Heirat : Romanze in Print?

  • -Aktualisiert am

Bild: dpa

Medienzar Rupert Murdoch hat zum vierten Mal geheiratet. Die Trauung fand ausgerechnet in der St. Bride’s Church in der Fleet Street, London statt – einem historisch bedeutenden Ort des Printjournalismus. Dabei hatte ihm Murdoch 1981 den Rücken gekehrt.

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          Für die Hochzeitsgarderobe empfiehlt ein britischer Volksreim der Braut etwas Altes als Merkmal der Vergangenheit, etwas Neues für das künftige Eheleben, etwas Geborgtes als Symbol der Freundschaft, etwas Blaues – in der Regel ein Strumpfband – als Zeichen der Hoffnung und einen für den Wohlstand stehenden Glückspfennig. Ob Jerry Hall diesem Brauch in allen Punkten gefolgt ist, bleibt ungewiss. Auf den Glückspfennig dürfte sie jedenfalls verzichtet haben können, da sie selbst nicht arm ist und ihr Mann, der demnächst 85 Jahre alte Medienzar Rupert Murdoch, über ein Milliardenvermögen verfügt.

          Doch hat die Braut mit ihrem blassblauen Chiffonkleid von Vivienne Westwood und dem Strumpfband am Schenkel, den sie beim Aussteigen aus dem Wagen entblößte, signalisiert, dass sie der Tradition verpflichtet ist. Desgleichen ihr neuer Gatte, dessen vierte Frau die ehemalige Lebensgefährtin Mick Jaggers und Mutter vier seiner Kinder am Wochenende geworden ist. Das verrät nicht nur die Agende mit dem Hohelied der Liebe aus dem ersten Brief an die Korinther, Hymne, „Jerusalem“, sondern auch der Standort der kirchlichen Segensgaben in St. Bride’s, Fleet Street, dem von Christopher Wren nach dem Großen Brand von 1666 entworfenen Gotteshaus, das sich auch heute, nachdem die Zeitungsbranche längst in alle Winde zerstreut wurde, als geistige Heimat der Medien anpreist.

          Ironie oder Unverfrorenheit?

          Fleet Street, das Zentrum des Druckgewerbes, seit Wynkyn de Worde, der Lehrling von William Caxton, dem Vater des englischen Buchdrucks, im frühen sechzehnten Jahrhundert sein Geschäft dort ansiedelte, ist nur noch ein Synonym für das Zeitungswesen. Das Ende der „Straße der Schande“, wie sie aufgrund der possenreißerischen Blätter mitunter hieß, und der alkoholbetankten journalistischen Kameraderie, die mit der alten Zeitungskultur einherging, wurde eingeläutet, als Murdoch, der Kaprizen der Druckergewerkschaften überdrüssig, seine vier Titel 1981 in einer Nacht-und-Nebel-Aktion in die stacheldrahtbewehrte „Festung Wapping“ verlegte, wo die Zeitungen dank neuer Technologie ohne die mächtigen Setzer hergestellt werden konnten. Seitdem gilt er, wenn auch nur mit zähneknirschender Anerkennung, vielen aufgeschlosseneren Köpfen als Retter der Zeitungsindustrie.

          Seine Widersacher verteufeln ihn weiterhin als Zerstörer und weisen auf die Ironie hin, dass Murdoch seine Eheschließung ausgerechnet in der „Kathedrale des Journalismus“ segnen ließ. Ein Labour-Abgeordneter schimpfte über diese „Unverfrorenheit“, das sei, wie wenn Dracula in einer Blutbank heiraten würde. Doch kann man es auch positiver sehen. Mit seiner Heirat in St. Bride’s, wo eine Tafel Keith Murdochs, des Vaters, als „großen Journalisten“ gedenkt, hat der alte Fuchs wieder einmal bekundet, wie sehr ihm die britische Zeitungsindustrie am Herzen liegt und er sich, als mehrfach Verheirateter, nicht nur in der Liebe eine romantische Ader bewahrt hat.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

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