https://www.faz.net/-gqz-9wldp

Eingang zur Zentrale der BBC in London Bild: AP

Rundfunkgebühren : Droht das Ende der BBC?

  • -Aktualisiert am

Schlechte Nachrichten aus der Downing Street für die BBC: Der Konfrontationskurs mit dem öffentlich-rechtlichen Sender erreicht die nächste Eskalationsstufe.

          3 Min.

          Wenig bemerkt in dem Sturm um die Regierungsumbildung der vergangenen Woche war die Rückkehr von John Whittingdale in das Kulturministerium, an dessen Spitze er 2015 avancierte. Damals hielt er sich kaum mehr als ein Jahr auf dem Posten. Jetzt hat Premierminister Johnson ihn wieder in seinem alten Ministerium eingesetzt, diesmal eine Stufe niedriger als Staatsminster unter dem neuen Kabinettsmitglied Oliver Dowden, der bei seiner Ernennung zum Kulturminister als der Mann bezeichnet wurde, der das Schicksal der BBC in seinen Händen hält. Whittingdale, leidenschaftlicher Anhänger des Brexit, ist als Gegner der BBC-Rundfunkgebühr bekannt. Er nannte sie „schlimmer als eine Kopfsteuer“ und meinte, sie sei auf lange Sicht unhaltbar. Damit steht er ganz auf der Linie von Downing Street.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Die „Sunday Times“ meldete am Wochenende, dass Downing Street den Konfrontationskurs mit dem öffentlich-rechtlichen Sender eskaliere. Die Zeitung berief sich auf hochgestellte Quellen, denen zufolge die Rundfunkgebühr womöglich schon bis 2027, dem Jahr, in dem die Erneuerung der dem Rundfunkvertrag entsprechenden Royal Charter fällig wird, durch ein Subskriptionsmodell ersetzt und der Sender gewaltig verkleinert werden soll. Whittlingdale habe von Downing Street den Auftrag erhalten: „Mission: Angriff“. Die geplante Abschaffung der Rundfunkgebühr sei kein „Bluff“, zitierte die „Sunday Times“ eine ranghohe Quelle, die preisgab, es werde eine Beratung darüber abgehalten und dann „werden wir sie umnieten“. Es müsse das Subkriptionsmodell sein. Die BBC habe „Hunderte von Hörfunksendern, sie haben all diese Fernsehsender und eine massive Website. Das Ganze muss massiv zurechtgestutzt werden,“ sagte der Informant. Es ist vom Verkauf eines Großteils der 61 nationalen und lokalen Hörfunksender sowie eine Reduzierung der zehn Fernsehkanäle und der Website die Rede. Dafür wolle die Regierung den Auslandsdienst stärker finanzieren und die zwei anspruchsvolleren Hörfunksender, Radio 3 und 4 erhalten.

          Schroffer Ton, sarkastische Kommentare

          Damit zeigt die Regierung, wie wenig sie sich beeindrucken lässt von den Argumenten des BBC-Vorsitzenden Sir David Clementi, der warnte, eine Bezahlmauer würde die einigende Kraft der BBC als nationale Institution beinträchtigen. „Eine reduzierte BBC bedeutet ein geschwächtes Vereinigtes Königreich.“ Dazu kam aus Downing Street der sarkastische Kommentar, „die BBC liefert wunderbare Argumente für die Bedeutung der BBC; wenn die Bevölkerung dieses Landes dem zustimmt, wird sie subskribieren.“ Das entspricht dem schroffen Ton von Johnsons Chefstratege Dominic Cummings. Er hat die BBC schon vor Jahren als Todfeind der konservativen Partei bezeichnet und für das Ende des Senders in seiner gegenwärtigen Form plädiert. „Die geschlossene privilegierte Welt der BBC muss auf den Kopf gestellt werden und ihr bloßes Dasein sollte Gegenstand einer äußerst intensiven und gut finanzierten Kampagne sein“, predigte er bereits 2004. Nun ist die Kampagne lanciert worden.

          In der Diskussion um die unvermeidliche Anpassung der bald hundert Jahre alten BBC an die veränderte Medienlandschaft gerät vor lauter Eindreschen auf Schwächen eines aufgeblähten, selbstgefälligen Apparats seine öffentlich-dienstliche Funktion in Vergessenheit. Der Musikkritiker der „Times“ machte dies mit dem Hinweis auf die mögliche Folgen einer Umstellung auf das Subkriptionsmodell für das Musikleben des Landes anschaulich. Kein Sender der Welt leiste so viel für die klassische Musik. Als Vater von drei Kindern, die nie BBC-Fernsehen anschauten, habe er Sympathie für diejenigen, die nicht gezwungen sein wollten, für einen öffentlich-rechtlichen Sender zu zahlen, den sie nicht benutzen. Doch er könne nicht mit ansehen, wie ein Land ahnungslos in eine Kulturkatastrophe hineinschliddere.

          Morrison unterstrich, er widerspreche damit der Linie seiner Zeitung. Die „Times“ pflegte schon in der Zeit, als ihr Eigentümer Rupert Murdoch noch den Bezahlsender Sky kontrollierte, das Monopol der BBC auf die Rundfunkgebühr als Einsatz staatliche Gelder zur Unterminierung kommerzieller Rivalen anzugreifen. Nun plant Murdochs britischer Konzern einen neuen Hörfunksender, der mit seiner Mischung aus Nachrichten, Analyse und Kommentar dem anspruchvollen Wortsender Radio 4 der BBC Konkurrenz machen will mit dem Ziel, Abonnenten für die „Times“ und die „Sunday Times“ zu gewinnen. Es werden bereits kräftige Abwerbungsversuche bei der BBC unternommen. Kein Wunder, dass die „Times“ zu den wortstärksten Befürwortern der Abschaffung der Rundfunkgebühr zählt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Livestream : Bundespressekonferenz zur Bekämpfung des Coronavirus

          Gesundheitsminister Jens Spahn spricht zusammen mit dem Präsident des Robert-Koch-Instituts Prof. Lothar Wieler, Familienministerin Franziska Giffey und Stressforscher Prof. Mazda Adli über die aktuellen Entwicklungen in der Corona-Krise. Verfolgen Sie die Pressekonferenz im Livestream.
          Die Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag am Hafen in Oldenburg. Dort hat sie ihren Wahlkreis.

          Linkspartei : „Wir sind bereit, zu regieren“

          Die Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Amira Mohamed Ali, hat in ihrer Partei schnell Karriere gemacht. Ein Gespräch über Streit in den eigenen Reihen, die nächste Bundestagswahl und Dinge, die man auch nicht im Scherz sagen darf.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.