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Senkung des Rundfunkbeitrages : ARD, ZDF und ihre kostspielige Verjüngungskur

Bild: dpa

Satte 450 Mitarbeiter von ARD und ZDF reisten zu den Olympischen Spielen nach Sotschi. Bis zu zwanzig Redakteure sind für den gemeinsamen Jugendkanal geplant. Für Beitragsenkungs-Pläne bleibt da natürlich kein Spielraum.

          Was wenig ist und was viel, ist bekanntlich eine Frage der Perspektive. 450 Mitarbeiter von ARD und ZDF bei den Olympischen Spielen in Sotschi, das könnte dem unbefangenen Betrachter als Personalausstattung satt erscheinen, nach Ansicht des ZDF-Intendanten Thomas Bellut aber beweist die Zahl, dass die beiden öffentlich-rechtlichen Systeme so eng wie noch nie zusammengearbeitet haben, weniger Manpower wäre aus arbeitsrechtlichen Gründen auch gar nicht möglich gewesen, der amerikanische Sender NBC sei – zum Vergleich – mit mehr als tausend Leuten an den Start gegangen.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Mit zehn bis zwanzig Redakteuren indes wollen ARD und ZDF beim neuen Jugendkanal auskommen, den die Ministerpräsidenten in der nächsten Woche wahrscheinlich als „trimediales“ Angebot beschließen. Was selbstverständlich wieder Geld kostet und eine Erklärung sein könnte, warum die Politiker an der Empfehlung der Gebührenkommission Kef, den Rundfunkbeitrag um 73 Cent im Monat zu senken, herumschnippeln.

          Zeit der großen Quoten ist vorbei

          45 Millionen Euro soll der Jugendkanal nämlich pro Jahr kosten, die geben sich leichter aus, wenn man den Gebührenzahlern möglichst wenig von dem errechneten Überschuss von 1,15 Milliarden Euro zurückgibt, der den Sendern bis 2016 ins Haus steht. Wirklich beliebt ist der Jugendkanal beim ZDF nicht – das Zweite hat mit ZDFneo nämlich längst das perfekte Verjüngungsprogramm in eigener Regie aufgelegt.

          Ob Thomas Bellut deshalb am Freitag auf der Pressekonferenz nach der Sitzung des Fernsehrats weniger locker wirkte als sonst? Oder war es die geballte Kritik an Markus Lanz? Die gegen den Moderator gerichtete Online-Petition hat das ZDF inzwischen entgegengenommen. In der Ausgabe von dessen Talkshow mit Sarah Wagenknecht, sagte der Intendant Bellut, habe es vielleicht eine „etwas unglückliche Konstellation gegeben“, da Lanz die „Höflichkeit des Gastgebers“ an den Tag legen und zugleich kritische Fragen stellen müsse, doch hätten ja schon andere – wie die Moderatoren Frank Elstner und Joko Winterscheidt – darauf hingewiesen, wie heftig der Druck sei, den Lanz ausgesetzt ist.

          Es sei dringend an der Zeit, die Debatte zu versachlichen, er mache Lanz „überhaupt keinen Vorwurf“, sagte Bellut, auch nicht mit Blick auf das zuletzt schwache Abschneiden von „Wetten, dass ..?“, die Zeit der ganz großen Quoten sei generell vorbei. Die Zeit der großen öffentlich-rechtlichen Einnahmen indes dauert wohl noch an.

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