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Rundfunk : Verbraucherzentrale hilft bei GEZ-Gebühr aus

  • -Aktualisiert am

Bei Fragen und Problemen, wenden Sie sich bitte an Ihre Verbraucherzentrale: die GEZ kommt nicht alleine klar Bild: picture-alliance/ dpa

Was für ein toller Plan: Verbraucherzentralen beraten Menschen, die Probleme mit der Art haben, in der ARD und ZDF via GEZ die Gebühren einziehen. Doch sind die Verbraucherzentralen wirklich ehrliche Makler?

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          Einmal angenommen, eine junge Frau zieht aus ihrer Wohnung in eine WG mit drei Bewohnern und vier Fernsehern - muss sie weiter Rundfunkgebühren zahlen, obwohl sie künftig den Apparat im Gemeinschaftsraum nutzt? Günter Hörmann schmunzelte, als er den Brief an seine Hamburger Verbraucherzentrale verlas. Einer von vielen, der die Interessenvertreter der Konsumenten erreicht. Bislang taten sich die Verbraucherschützer schwer mit der Beantwortung solcher Fragen. „Wir hatten das Thema ja noch nie kommuniziert“, sagt der Geschäftsführer. Doch da er und seine Kollegen aus drei norddeutschen Ländern am Donnerstag einen Vertrag mit dem NDR zur Kooperation in Sachen Rundfunkgebühr unterschrieben haben, soll sich sein Personal nun gezielter auf die Sorgen der Zuschauer und Hörer vorbereiten können.

          Vom 1. Juli an werden die Zentralen von Hamburg, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Bremen in Zusammenarbeit mit dem NDR und der Einzugszentrale GEZ als Nahtstelle zwischen Sendern und Gebührenzahlern dienen. „Die Rundfunkgebühren sind ja eigentlich permanent in der Diskussion“, sagte der NDR-Intendant Lutz Marmor nach dem Vertragsabschluss - durch ihre neue Erhöhung um 95 Cent zum Januar 2009, durch das undurchsichtige Regelwerk, vor allem aber durch die Methoden des Gebühreneinzugs der GEZ.

          Objektiv, neutral, kritisch?

          Dank der „objektiven, neutralen und kritischen“ Verbraucherschützer, so Marmor, wolle man „kundenorientierter, erreichbarer sein“. Und wenn im Oktober auch Schleswig-Holstein hinzukommt, wird ein Pilotprojekt komplettiert, das aus Sicht Marmors bundesweit Schule machen soll. „Es gibt da ein großes Interesse“, berichtet er aus den Gremien. Der WDR hat gestern ein ähnliches Abkommen angekündigt, der Südwestfunk zeige sich offen für die Initiative. Allein von Überlegungen aus Bayern „weiß bislang noch niemand.“ Doch irgendwann, da zeigen sich die Vertragspartner zuversichtlich, werden alle vierzig Millionen GEZ-Zahler im Land versorgt sein.

          Vorerst aber sollen die Verbraucherzentralen - mit finanzieller Unterstützung der Funkhäuser im fünfstelligen Bereich - den Sorgen abhelfen. Für die 54.000 Euro des NDR will die Zweigstelle Niedersachsen einen Internetauftritt organisieren, Flyer verteilen, Personal schulen und Fragen nach sozialen Härtefällen, Zahlungsmodalitäten oder rechtlichen Belangen klären. Und als Sorgentelefon dienen, etwa wegen rücksichtsloser GEZ-Eintreiber, die von der Zentrale in Köln beharrlich als Einzelfälle abgetan werden. Ob die GEZ deswegen zögerlich auf das Angebot reagierte, ist offen. Bei einer halben Million Anfragen pro Monat sollte sie dankbar für jede Hilfe sein. Und so wird die Verbraucherzentrale das WG-Problem der jungen Frau klären. Zu ihrem Leidwesen - sie muss wohl zahlen.

          Dass die Gebühreneinzugszentrale in Köln ein Imageproblem hat, liegt nicht nur an der undankbaren Aufgabe des Gebühreneinzugs, die sie zu verrichten hat. Die Zahl der Klagen über das rücksichtslose Vorgehen ihrer Gebührenbeauftragten, die mit Drohgebärden, Spitzeleien und falschen Angaben die Bürger torpedieren, ist Legion. Eine Geschichte über die GEZ hat fast jeder zu erzählen, meist handelt sie von verschleppten Prozessen, juristischer Rabulistik, Zwangsanmeldungen und fragwürdigen Methoden der Datenbeschaffung, vor allem aber immer wieder von der Anonymität, mit der diese Halbbehörde dem Bürger gegenübertritt. Selbst der Politik verweigert sie ausreichende Einsicht in ihr undurchsichtiges Geschäftsgebaren. In unserer GEZ-Serie haben wir im vergangenen Jahr darüber berichtet.

          Die GEZ ist darin geübt zu delegieren. Wer immer sich über sie beschweren will, wird weitergeleitet, bis er in einer ihrer Telefonschleifen verendet. Auch die Arbeit an ihrem Image will sie jetzt delegieren: Stolz kündigen WDR und NDR an, dass, wer Rat im Umgang mit der GEZ sucht, nun bei den Verbraucherzentralen anfragen kann. Die WDR-Intendantin Monika Piel freut sich, „mit der Verbraucherzentrale für alle Zweifelsfälle in Gebührenfragen oder bei Problemen mit den Beauftragten eine neutrale Beratungsinstanz zu haben“. Was nicht nur heißt, dass die GEZ alle Beschwerden über ihre Methoden, die sie bisher meist ignorierte, öffentlich als Problem anerkennt, sondern auch, dass sie sich selbst nicht in der Lage sieht, diese zu lösen. Wird sie die Passagen auf ihrer Homepage, die transparente Kommunikation zur Maxime erklären, streichen, weil sie sich selbst nicht mehr erklären kann oder will?

          Ob mit den Verbraucherzentralen jetzt wirklich eine unabhängige Instanz parat steht, ist fraglich. Denn die Verbraucherzentralisten sitzen im Rundfunkrat des NDR wie des WDR. Und ihr Bundesverband hat zuletzt fleißig Lobbyarbeit für die Online-Pläne von ARD und ZDF betrieben. (thom)

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