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RTL zwischen Trash und Trübsinn : Und ewig grüßt das Dschungeltier

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Zurück in der Wildnis: Dirk Bach und Sonja Zietlow moderieren „Ich bin ein Star - Holt mich hier raus” Bild: RTL / Pick

RTL will wieder fesseln: Dirk Bach und Sonja Zietlow moderieren die dritte Staffel der längst entsorgt geglaubten Trash-Show „Ich bin ein Star - Holt mich hier raus“. Der Wahnsinn hat Methode: Warum Deutschlands größtem Privatsender nichts Besseres eingefallen ist.

          Was werden all die Ratten, Spinnen und die Kakerlaken froh gewesen sein, dass ihnen das Fernsehen diese kleine Verschnaufpause gegönnt hat, bis sie die nächsten Menschen ekeln, erschrecken und bekrabbeln müssen. Anfang Dezember hat das britische Fernsehen die Koffer gepackt, sein Lager abgebaut und seine Restprominenten wieder mit nach Hause genommen. Dann war Ruhe im Dschungel. In fünf Tagen kommt RTL mit neuen Opfern im Schlepptau.

          An diesem Freitag startet in Deutschland die dritte Staffel der Trash-Show „Ich bin ein Star - Holt mich hier raus“, in der Prominente zwei Wochen lang so tun müssen, als hausten sie ohne Unterstützung der Außenwelt im gefährlichen australischen Busch, der in Wirklichkeit bloß ein hübsch zurechtdekorierter Safaripark für karrieregeknickte Beinahe-Stars ist. Es gibt Mutproben, jede Menge Rumgezicke, und zum Schluss wird ein Dschungelkönig gewählt, der davon nicht viel hat, außer in der Boulevardpresse deswegen ein Weilchen gefeiert zu werden.

          Eigentlich Gift fürs RTL-Abendprogramm

          Über fünfzig Prozent Marktanteil holte RTL vor vier Jahren bei den jungen Zuschauern, als Costa Cordalis nach zwei Wochen Ekelurlaub unter Palmen auf den Thron stieg, nachdem bereits so illustre Persönlichkeiten wie Daniel Küblböck und Susan Stahnke auf der Strecke geblieben waren. Ein halbes Jahr später folgte Lästerkönigin Désirée Nick auf den Thron. Die Zuschauer fanden's klasse, die Werbekunden pfui: Wer will schon in den Pausen einer Show, bei der Känguruhoden und Würmer verspeist werden, Werbung für Milchschokolade oder Geflügelwurst machen? Also schien die Angelegenheit für RTL erledigt. Beim Geldverdienen hört der Spaß schließlich auf.

          Lisa Bund vor einem Dreivierteljahr

          Umso erstaunlicher ist es, dass der Sender sich nach der langen Pause nun doch zu einer neuen Staffel aufrafft. Woche für Woche sickerten zuletzt Kandidaten (siehe auch: Bild für Bild: Die neuen Dschungelshow-Kandidaten) per „Bild“-Zeitung durch: Fußballer Eike Immel ist dabei, außerdem Schlagersänger Bata Illic, Ex-Pornostar Michaela Schaffrath, Moderator Björn-Hergen Schimpf, die Modedesignerin Barbara Herzsprung, die Sängerin Lisa Bund, Profitänzerin Isabel Edvardsson, Schauspielerin Julia Biedermann, Musiker DJ Tomekk und Popstar Ross Antony. Dabei ist „Ich bin ein Star . . .“ eigentlich Gift fürs durchgeplante RTL-Abendprogramm, in das jetzt für zwei Wochen eine Schneise mit Tageszusammenfassungen aus dem Camp geschlagen wird. „Es geht uns darum, wieder Gesprächsthema Nummer eins zu sein und ein Highlight zu setzen“, begründet RTL-Geschäftsführerin Anke Schäferkordt den Entschluss. Und das ausgerechnet, nachdem sie sich zweieinhalb Jahre bemüht hat, alles so herzurichten, dass die Zuschauer bloß nicht auf die Idee kommen, bei RTL könnten sie noch Überraschungen erwarten.

          Wer braucht da noch Innovationen?

          Gesprächsthema Nummer eins zu sein, das schafft RTL nämlich nur noch in Ausnahmen. Nach den wilden achtziger und neunziger Jahren ist der Sender braver und stiller geworden. Erotikshows und Krawalltalks sind passé, das Einzige, worüber sich noch streiten ließe, ist, warum einer wie Marco Schreyl große Abendshows moderieren darf. RTL ist zwar immer noch Marktführer beim jungen Publikum, auf das die Werbeindustrie so sehr schielt. Aber warum eigentlich? Provoziert wird schon lange nicht mehr. Das neue Ziel heißt: Verlässlichkeit. Oder wie Unterhaltungschef Tom Sänger sagt: „Man kann dem Publikum nicht ständig bloß Neues vorsetzen.“

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