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RTL-Programmchef im Interview : „Von der Hitler-Serie haben wir uns verabschiedet“

RTL-Programmgeschäftsführer Frank Hoffmann Bild: Niklas Grapatin

Mit der Neuverfilmung des Karl-May-Klassikers „Winnetou“ hat RTL Glück, doch die geplante Hitler-Serie ist abgesagt. Programmgeschäftsführer Frank Hoffmann im Gespräch.

          4 Min.

          Sie haben „Winnetou“ neu verfilmt und nun zu Weihnachten und an den Tagen danach als Dreiteiler gezeigt. Das konnte man für ein Wagnis halten. Hat sich das gelohnt?

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Ja, das hat es. Unsere Zuschauer sind begeistert, viele Kritiker waren angetan, und schon jetzt haben wir einige Nominierungen für den Deutschen Fernsehpreis. Etwas mehr als 4,3 Millionen haben beim zweiten, fünf Millionen Zuschauer beim ersten Teil von „Winnetou“ eingeschaltet. Da schlägt das Herz eines Programmmachers höher.

          Wenn Sie sich für eine solche Produktion entscheiden, müssen Sie viel Geld in die Hand nehmen. Was gibt den Ausschlag, dass Sie sagen: Das machen wir, das machen wir nicht?

          Im Idealfall sollte das Programm eine gewisse Breite aufweisen und eine größere Bekanntheit haben. Das ist bei „Winnetou“ der Fall, und das war auch bei unserem sehr erfolgreichen Film „Duell der Brüder“ im März so. Hier ging es um die Geschichte der Brüder Dassler und ihre weltweit bekannten Marken Adidas und Puma. Der Reiz bestand darin, zu erzählen, was eigentlich geschehen ist, dass sich zwei Brüder derart verkrachen konnten und dann daraus diese einzigartige Geschichte ihrer Unternehmen wurde. Bei „Winnetou“ ging es zunächst darum, zu zeigen, wie man einen solchen Stoff neu interpretieren kann. Projekte dieser Art bergen natürlich die Gefahr, dass man die Fans der alten Filme enttäuscht. Aber das ist offenbar nicht der Fall.

          Mission completed: Winnetou (Nik Xhelilaj, l.) und Old Shatterhand (Wotan Wilke Möhring)
          Mission completed: Winnetou (Nik Xhelilaj, l.) und Old Shatterhand (Wotan Wilke Möhring) : Bild: RTL

          Ich finde es erstaunlich, dass dies auch die Jüngeren erreicht. Karl May ist als Jugendbuchklassiker nur bis zu einer bestimmten Generation präsent. Bei den Zuschauern unter dreißig, würde ich einmal sagen, ist das nicht mehr so.

          Die Interpretation des Regisseurs Philipp Stölzl ist so angelegt, dass sowohl die Fans als auch diejenigen mit Winnetou etwas anfangen können, die weder die Bücher noch die alten Filme kennen. Vielleicht hatten aber auch einfach nur die alten Fans, die Winnetou noch aus ihrer Jugend kennen, in den Familien die Hoheit über die Fernbedienung. Ich habe, während Winnetou bei uns lief, auch Social Media im Blick gehabt und bin erfreut, welche Anerkennung unsere Verfilmung auch dort erlebte.

          Als wir uns das letzte Mal zum Gespräch getroffen haben, sprachen Sie über ein Programm, in das Sie ebenfalls große Hoffnungen steckten - die Serie „Deutschland 83“. Die war für RTL dann nicht sehr erfolgreich und wird von Amazon fortgesetzt, mit Ihnen sozusagen als Kopiloten. Wie kam das denn?

          Es sieht vielleicht auf den ersten Blick nicht so aus: Aber auch „Deutschland 83“ ist für RTL ein Erfolg gewesen. Zwar waren die Quoten nicht so gut, aber wir hatten in der Branche und vor allem international einen großen Aufschlag. Viele Talente haben Lust bekommen, mit uns zusammenzuarbeiten. Dass die Fortsetzung „Deutschland 86“ jetzt in einer anderen Konstellation produziert wird, hat auch damit zu tun, dass die Macher große Lust verspürten, die Serie noch internationaler anzulegen und für eine Plattform zu produzieren. Da wir zudem nicht allein unsere Sender-Interessen gesehen haben und die Produktionsfirma Ufa ebenso wie der weltweite Vertrieb von Fremantlemedia International zur Familie der RTL Group gehören, haben wir entschieden, einen neuen Weg zu gehen, denn die Serie ist unser Ticket für den Weltmarkt. Der International Emmy hat dann endgültig gezeigt, dass „Deutschland 83“ weltweit eine besondere Erfolgsgeschichte ist.

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