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RTL-Programmchef im Interview : „Von der Hitler-Serie haben wir uns verabschiedet“

Gehen neue Wege: Martin Rauch (Jonas Nay, links) und seine Kollegen von „Deutschland 83“ werden das amerikanische Publikum per Streamingdienst kennenlernen.
Gehen neue Wege: Martin Rauch (Jonas Nay, links) und seine Kollegen von „Deutschland 83“ werden das amerikanische Publikum per Streamingdienst kennenlernen. : Bild: UFA

Hat aber für RTL nicht so funktioniert wie „Winnetou“.

Die Geschichte nach Karl May ist demographisch breiter angelegt. Philipp Stölzl erzählt „Winnetou“ hochemotional und authentisch, er berücksichtigt viele neue Aspekte und legt eine auch in der Bildsprache überzeugende, moderne Interpretation des Stoffes vor. Er ruft - da spielt die Musik eine wichtige Rolle - die alte Emotionalität auf, inszeniert aber selbstbewusst neu. Das macht die besondere Qualität unseres „Winnetou“ aus.

Sie hatten ein drittes Projekt vor: Eine Serie über Adolf Hitler in jungen Jahren. Davon ist seit langem die Rede. Der Produzent Jan Mojto, der für die internationale Vermarktung zuständig ist, hat auf der Fernsehmesse Mip im vergangenen Jahr schon kundgetan, dass man mit dem französischen Sender TF1 handelseinig sei. Was wird daraus nun bei Ihnen?

Wir haben immer viele fiktionale Stoffe gleichzeitig in der Entwicklung. Erst sind wir auf der Autobahn unterwegs, irgendwann nehmen wir dann die Abfahrt, konkretisieren und verdichten - und verabschieden uns schließlich von dem einen oder anderen Projekt. Wir haben aktuell sechs neue Dramaserien in der Pilotierung, denn unser Bedarf an eigenen, exklusiven Serien ist groß. Von der Hitler-Serie haben wir uns aber verabschiedet.

Warum? Sie haben das sehr lange erwogen. Hinter dem Projekt steht eine Qualitätsmannschaft, mit den Autoren und Regisseuren Niki Stein und Hark Bohm, mit der Vorlage des Historikers Thomas Weber, „Hitlers erster Krieg“. Es ist nicht anzunehmen, dass daraus schlechtes Fernsehen wird.

Davon gehe ich auch überhaupt nicht aus. Wir glauben nur, dass wir innerhalb unserer Programmstrategie anderen Projekten den Vortritt lassen sollten - Serien, die die Interessen unserer Zuschauer und die des Senders noch besser auf einen Nenner bringen. Losgelöst davon steht für mich außer Frage, dass eine Verfilmung der jungen Jahre Adolf Hitlers, wie sie hier angelegt wurde, hochinteressant ist. Das Drehbuch ist hervorragend. Ich würde mich sehr freuen, wenn irgendwo anders etwas daraus entsteht. Dafür drücke ich allen Partnern des Projekts die Daumen.

Könnte ja sein, dass das dann auch bei einer Plattform oder einem Streaming-Dienst landet. Ist das der Trend für 2017 und darüber hinaus?

Für Produktionsfirmen kann das ein interessanter Weg sein. Es entspricht aber nicht unbedingt dem Masterplan eines Fernsehsenders. Wenn wir Fiction-Programme in Auftrag geben, dann in allererster Linie, um Fernsehereignisse zu schaffen, die auf unsere Marken einzahlen. Es gibt nur eine gemeinsame Erkenntnis: Wir merken, dass viele amerikanische Filme an Kraft verlieren. Das sieht man schon, wenn man sich die zehn erfolgreichsten Blockbuster im deutschen Privatfernsehen anguckt. Vor fünf Jahren interessierten sich dafür bei der Erstausstrahlung im Schnitt noch weit über fünf Millionen Zuschauer, heute sind es deutlich unter 4 Millionen. Oder schauen Sie sich die Verteilung des Fernsehpublikums am Abend des 1. Weihnachtstages an: Da sind auch starke Lizenzprogramme gegen „Winnetou“ gelaufen, hatten aber das Nachsehen. Die eigene exklusive Idee hat sich durchgesetzt. Wir wollen den Zuschauern zuallererst ein Programm bieten, das nur bei uns gesehen werden kann. Dafür ist „Winnetou“ gerade ein gutes Beispiel.

Das Gespräch führte Michael Hanfeld.

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