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TV-Vorschau: „Formel eins“ : Mit Vollgas in die Retroschleife

Zum Glück ist ein Arzt dabei: Dr. Alban, der 1992 mit Liedern wie „It´s my live“ und „Sing Hallelujah“ Hits landete, (links) und Moderator Peter Illmann. Bild: RTL Nitro

Wie schlimm waren die Neunziger, musikalisch gesehen? Gar nicht so übel. Aber wie die Musikshows damals waren, zeigt die Neuauflage von „Formel Eins“. Dort hüpft sogar Verona Pooth durchs Bild.

          Wie sagte Jean Paul so schön kalenderblatttauglich? „Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.“ Der Garten Eden, in den Fernsehsender ihre Zuschauer gern pflanzen, wären demnach Wiederholungen oder Wiederauflagen längst ausgemusterter Sendungen. Zum Beispiel von „Formel Eins“, der Musikvideoshow, die von 1983 bis 1990 im Ersten MTV die Stirn bieten sollte und im neuen Jahrtausend erst bei Kabel eins, dann bei RTL Nitro kurzlebige Auferstehungen feierte. Bei letzterem präsentiert „Formel Eins“-Veteran Peter Illmann nun zehn Themenfolgen: „Die 90er“.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

          Illmann trägt heute keine Vokuhila mehr, aber der Schnitt der Sendung wirkt wie aus einer anderen Zeit: ein Musikjahr, eine Dreiviertelstunde, eine Auswahl von Musikclip-Schnipseln der Top 100 von einst („ermittelt von der GfK Entertainment“), dazu ein paar Aufsager diverser Exmoderatoren (Stefanie Tücking, Ingolf Lück) sowie diverser Altstars, und obendrauf ein krönendes, gnadenlos lobhudelndes Studiointerview. In der Sendung zum Jahr 1990 führt Illmann es mit „Verdammt-ich-lieb-dich“-Mann Matthias Reim, der im Gespräch nicht mehr weiß, zum wievielten Mal er verheiratet ist oder war, aber sich beim Griff zur zufällig bereitstehenden Gitarre immer noch freut, dass „die ganze Nation“ mitsingt bei seiner Nummer eins.

          Die drei Herren dürfen die Songs der anderen aus den Neunzigern covern: „Fools Garden“ und Moderator Peter Illmann (zweiter von links).

          Verona Pooth als Hupf- und Singdohle

          Es ist wie bei einem Klassentreffen, auf dem alte Fotos rausgekramt werden. Und so gibt es ein Wiedersehen mit Verona Pooth als Hupf- und Singdohle von „Ritmo De La Noche“ sowie mit Peter und Volker von Fools Garden. Die Kombo darf, das ist der besondere Drive dieser „Formel Eins“, in jeder Folge einen neuen Hit aus den Neunzigern nach „Lemon Tree“-Art vortragen. Als erstes ist „Enjoy The Silence“ von Depeche Mode dran, und die komplette Zehnerpackung gibt es dann auch als CD und eine CD zur Sendung sowieso.

          Das Ganze ist also eine Art Dauerwerbesendung, die allerdings statt zum Tonträgerkauf eher dazu verleitet, sofort einen Musik-Streamingdienst einzuschalten. Um seine eigene Auswahl zu hören, ohne Geplapper. Dem Drumherum verdanken wir die Info, dass Sinéad O’Connors neue Platte „I’m Not Bossy, I’m the Boss“ heißt. Wenn das mal nicht Bruce Springsteen hört. Der fasste schließlich das ganze Elend derer, die in der Vergangenheit feststecken, schon vor Jahrzehnten in einen Song mit der Moral: Auch „Glory Days“ sind mal vorbei.

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