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RTL-Senderchef Frank Hoffmann : „Wir bieten dem Zuschauer alles“

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„Erfolgreiches Fernsehen“, sagt Frank Hoffmann, „lebt von der Mischung aus Neuem und Bewährtem“. Bild: Grapatin, Niklas

Herausragendes Programm gibt es nur bei kleinen Sendern, und Neues nur im Netz? RTL-Programmgeschäftsführer Hoffmann sieht das anders. Er will Programme kreieren, die man gesehen haben muss – wie „Deutschland ’83“.

          Zurzeit ist in der Fernsehbranche viel von neuem Programm die Rede. Ich frage mich nur: Wo läuft das denn? Bei RTL?

          Im Herbst starten bei uns viele neue Programme. Grundsätzlich gilt, dass erfolgreiches Fernsehen von der Mischung aus Neuem und Bewährtem lebt. Wir wollen für die Zuschauer über den ganzen Tag hinweg ein verlässlicher Partner sein und dabei in unseren journalistischen Sendungen Haltung zeigen – wie etwa mit dem Thementag zur Flüchtlingskrise. Wir haben erfolgreiche Unterhaltungsprogramme wie „Deutschland sucht den Superstar“ oder „Let’s Dance“, die wir pflegen, denn Neues zu etablieren wird immer schwieriger. Wichtig ist es, zu „eventisieren“, also Ereignisse zu schaffen. Das ist das Lebenselixier des frei empfangbaren Fernsehens. Wir müssen Programme kreieren, über die man spricht und die man gesehen haben muss, um mitreden zu können.

          Sie haben Ereignisse dieser Art?

          Das nächste könnte die von uns mit der Ufa produzierte Serie „Deutschland 83“ sein, die Ende November startet. Sie wurde zuerst in Amerika ausgestrahlt, was ein Risiko war, da uns negative Reaktionen den Start bei uns erschwert hätten. Doch die Quoten bei dem amerikanischen Sender Sundance Channel und die Kritiken waren sensationell. Bei iTunes, nur als Beispiel, gab es nur positives Feedback von den Zuschauern. Wir sind von der Serie so überzeugt, dass wir die Drehbücher für eine zweite Staffel schon jetzt in Auftrag gegeben haben, um bei Erfolg schnell nachlegen zu können.

          Eine erstaunliche Reaktion aus Amerika, wenn man bedenkt, dass es um einen jungen Stasi-Agenten geht, der die Bundeswehr und deren Alliierte ausspioniert.

           Die Akzeptanz in Amerika ist ein Schlüssel für die internationale Verbreitung eines Programms. Wir – RTL, das Produzententeam um Nico Hofmann und unser internationaler Vertrieb von FremantleMedia – wussten, dass das der Serie im Erfolgsfall sehr viel mehr Aufmerksamkeit und Glaubwürdigkeit beschert. Schließlich hat es das noch nie gegeben, dass eine deutsche Serie von einem amerikanischen Sender gekauft wird und dort selbst mit Untertiteln so erfolgreich läuft.

          Aber wir freuen uns nicht nur auf „Deutschland 83“, sondern auch auf den Eventfilm „Starfighter“ samt anschließender Dokumentation. Wegen des German-Wings-Absturzes im Frühjahr und aus Respekt vor den Angehörigen der Opfer haben wir das Programm in den Herbst verschoben. Wir bereiten einen Film zum Untergang der Costa Concordia vor, mit einem Regisseur, der schon James Bond inszeniert hat. Wir drehen die „Turnschuhgiganten“ über die Dassler-Brüder, die Adidas und Puma gegründet haben, und in Kroatien produzieren wir gerade „Winnetou“. All das wird richtig schönes, großes Fernsehen, ist allerdings auch sehr aufwendig und teuer. Doch wir wollen mehr eigene Inhalte entwickeln und können so etwas anpacken, weil wir wirtschaftlich allerbester Gesundheit sind. Auch unser journalistisches Angebot, in das wir jährlich einen dreistelligen Millionenbetrag investieren, kann sich mehr als sehen lassen. So haben wir gerade erst in Berlin unser neues Hauptstadtstudio eröffnet. Wir möchten alle Genres und jeden Geschmack abdecken. Gewissermaßen machen wir höchst demokratisches Fernsehen. Abgestimmt wird mit der Fernbedienung, wir wollen keinen Zuschauer auslassen.

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