https://www.faz.net/-gqz-7lwkt

RTL-Dschungelshow : Über wen sollen wir lästern?

  • Aktualisiert am

Wer darf ins Dschungelcamp? Kirsten Petersen ist bei der Schau fürs Casting zuständig Bild: RTL

Die RTL-Dschungelshow erreicht mehr Zuschauer denn je - auch wegen der irren Kandidaten. Die Producerin Kirsten Petersen erklärt, wie der Sender die Urwaldcamper findet.

          Am Samstagabend läuft das Finale der Dschungelshow. Beginnt damit für Sie schon das Casting für die nächste Staffel?

          Ja. Teilweise sind wir sogar mit einigen Wunsch-Kandidaten mehrere Jahre im Gespräch und irgendwann entscheiden sie sich dann zu unserer Freude, an der nächsten Staffel teilzunehmen. Das war auch bei der diesjährigen Staffel der Fall.

          Mola Adebisi hat erzählt, dass er mehrmals abgelehnt hat, bis er jetzt zugesagt hat.

          Mola hat nicht geflunkert. Er ist ein gutes Beispiel für einen Prominenten, mit dem wir schon lange im Gespräch sind, der sich aber erst jetzt zu einer Teilnahme entschieden hat. Es gibt eine Reihe von Wunschkandidaten, bei denen wir eine kleine Chance für eine Zusage erspüren und es immer wieder versuchen. Mit guten Argumenten übrigens. Und manchmal landen wir am Ende einen Treffer.

          Er ließ sich überzeugen: der Moderator Mola Adebisi vor dem Abflug ins australische Dschungelcamp

          Ich stelle mir vor, dass es eine Liste potentieller Kandidaten gibt, auf die jemand im Lauf des Jahres immer einen Namen schreibt, wenn einer in einer Casting- oder Reality-Show besonders auffällt oder durch eine Insolvenz von sich reden macht. Liege ich damit ganz falsch?

          Nein. Natürlich beobachten wir stetig den TV-Markt, wer sich von aktuell erfolgreichen Sendungen für den Dschungel eignen könnte oder aus sonstigen Gründen Interesse an einer Teilnahme haben könnte. Wir gehen gemeinsam mit der Produktionsfirma „itv Studios Germany“ immer wieder Namen durch. Manche werden ein für alle mal gestrichen, manche rücken plötzlich ganz weit nach oben.

          Hat sich die Reaktion der Prominenten, die angefragt werden, im Lauf der Jahre geändert?

          Glücklicherweise ja. Mit dem positiven Imagewandel unserer Sendung hat sich auch die Reaktion der angefragten Prominenten aus unserer Sicht in der Gesamtbetrachtung verbessert. Natürlich gibt es immer noch einige Prominente und deren Agenturen, die beleidigt auf eine Anfrage für „Ich bin ein Star...“ reagieren. Aber wir erleben es immer häufiger, dass wir mit Interessenten ins Gespräch kommen, die eine Teilnahme an unserer Sendung vor ein paar Jahren noch kategorisch für sich abgelehnt haben.

          Wie viele Leute müssen Sie fragen, um am Ende zehn oder elf Kandidaten zu haben?

          Sehr viele. Da der Castingprozess, wie gesagt, ein fortlaufender ist, sind wir im Grunde das ganze Jahr über im Austausch mit den Agenturen der Prominenten und halten die Augen nach guten Kandidaten offen. Es ist aber nicht so, dass wir bei elf Zusagen sofort freudig den Deckel zu machen. Es kommt eben auch beim Casting nicht auf die Quantität der Teilnehmer an, sondern in erster Linie auf die Qualität ihres Unterhaltungswertes.

          Gibt es viele Eigen-Bewerbungen?

          Ja. Überwiegend von nahezu unbekannten Wunschteilnehmern, die sich von einer Teilnahme bei „Ich bin ein Star...“ eine schnelle Bekanntheit erträumen. Aber ab und zu klopft auch mal ein Prominenter bei uns an, der dann auch tatsächlich in Frage kommt.

          Nach welchen Kriterien casten Sie die Leute?

          Die Mischung muss in erster Linie sehr vielfältig sein. Wir wünschen uns im Camp eine Zusammenkunft von möglichst unterschiedlichen Menschen aller Altersklassen mit möglichst unterschiedlichen Hintergrund-Geschichten. Bei uns trifft die Kandidatin einer Castingshow auf einen „Tatort“-Kommissar und teilt mit ihm die Camptoilette. Vor Showbeginn freuen wir uns, wenn jeder Zuschauer zumindest einige prominente Teilnehmer kennt. Viele jüngere Zuschauer kennen Gabby und Larissa, aber nicht Winfried Glatzeder, den wiederum unsere Eltern und die Bundeskanzlerin kennen. Unsere Show zeichnet es glücklicherweise aus, dass es schon nach dem ersten Tag am Lagerfeuer nicht mehr darauf ankommt, ob du Brigitte Nielsen heißt oder Julian F.M. Stoeckl. Es bilden sich Grüppchen und Pärchen und manchmal wirkt die Kandidatenstruktur auf uns wie die einer großen Familie. Strenge Väter, ungezogene Kinder und Campmuttis machen die Mischung aus. Das ermöglicht den Zuschauern ein hohes Maß an Identifikation.

          Wie finden Sie die Mischung in diesem Jahr?

          Sie funktioniert extrem gut. Dass wir regelmäßig von über 40 Prozent aller Zuschauer aus unserer Zielgruppe gesehen werden, haben wir mit Sicherheit besonders der guten Mischung der Kandidaten zu verdanken.

          Vermutlich hilft es, wenn ein paar der Kandidaten wirklich sehr bekannt und prominent sind. Welche Eigenschaften muss ein eher unbekannter Kandidat mitbringen?

          Wichtig ist, dass diese Kandidaten bereit sind, uns an ihrem Seelenleben teilhaben zu lassen. Wir freuen uns über Eloquenz, Humor und eine generell eher extrovertierte Grundhaltung. Unser Publikum hat auch ein gutes Gespür dafür, wer authentisch ist und wer nicht.  Natürlich ist es auch immer wieder unterhaltsam, wenn Selbst- und Fremdwahrnehmung der Kandidaten auseinander gehen: Es fühlt sich jemand als Held, wird aber von den Zuschauern als Trottel gesehen. Dasselbe Prinzip gibt es auch genau umgekehrt.

          Nach sieben Staffeln haben sich verschiedene Rollen herauskristallisiert, die Kandidaten im Camp übernehmen (die junge Irre, der alte Zausel). Versuchen Sie bewusst, diese Rollen zu besetzen?

          Den Prominenten unterschiedlicher Altersgruppen schon im Vorfeld bestimmte Attribute zuzuschreiben, macht keinen Sinn. Oft werden wir auch im Laufe der Sendungen von den Teilnehmern selbst überrascht. Die zuvor als eher gutmütig eingeschätzte ältere Dame entpuppt sich als grantige Person, der vermeintlich Ungebildete sagt im Endeffekt die klügsten Dinge.

          Durch Shows wie „Der Bachelor“ oder „Germany’s Next Topmodel“ ist der Fundus an potentiellen Mitwirkenden riesig. Wie prüfen Sie, wer tatsächlich als Kandidat taugt?

          Bei den „Bachelor“-Kandidatinnen haben wir das Glück, dass wir sie schon aus den allerersten Castings für die ursprüngliche Sendung  kennen. „Der Bachelor“ ist bei RTL wie „Ich bin ein Star…“ im Bereich „Comedy & Real Life“ unter der Leitung von Markus Küttner angesiedelt. Und so hatte ich beispielsweise das berufliche Glück, dass ich mir bereits von den Kandidatinnen Georgina und Melanie ein ausführliches persönliches Bild machen konnte, bevor sie irgendjemand kannte. Aber natürlich werden sie und auch ihr persönliches Umfeld auch von den itv-Kolleginnen genau unter die Lupe genommen. Mit den Topmodel-Kandidatinnen hatten wir bereits in der Vergangenheit schon sehr gute Erfahrungen gemacht. Sarah „Dingens“ und Larissa Marolt haben wir in gewisser Weise dem Castinggespür unserer Pro-Sieben-Kollegen zu verdanken. Aber natürlich in erster Linie den Zuschauern, die sich schon damals bei Ausstrahlung von ihnen unterhalten fühlten. Wie sie sich die Kandidatinnen dann tatsächlich später im Camp entwickeln, kann wohl niemand im Vorfeld treffsicher einschätzen.

          Hatten Sie vorher schon eine Ahnung, wie groß der Unterhaltungswert von Larissa sein würde?

          Dass sie einen enormen Unterhaltungswert und auch eine Beliebtheit besitzt, konnten wir durch ihren Gewinn bei „Austria’s next Topmodel“ und ihr Verhalten in der deutschen Topmodel-Staffel erahnen. Auch war sie bereits kurz nach der Ankunft im Hotel Versace großes Gesprächsthema in unserem Team und unter ihren Mitstreitern. Diese haben sie ja auch nicht zufällig gemeinsam mit Michael Wendler in die erste Dschungelprüfung gewählt. Dass sie allerdings eine solche Wandlung vollzieht und einen derartigen Hype bei unseren Zuschauern auslöst, hätte sich wohl keiner träumen lassen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Das Duo „S!sters“ gewinnt den deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest.

          Vorentscheid zum ESC : Zusammengecastet für Tel Aviv

          Mit „S!sters“ gewinnt ein Duo den deutschen Vorentscheid für den ESC, das weder sich selbst noch seine Musik gut kennt. Ob die Sängerinnen mit ihrem eher gewöhnlichen Song beim Finale in Israel punkten werden, ist fraglich.

          Resolution gegen Notstand : Trump droht mit Veto

          Vor einer Woche hatte Präsident Trump den Notstand ausgerufen, um die von ihm versprochene Mauer an der Grenze zu Mexiko bauen zu können. Die Demokraten wollen die Maßnahme nun im Kongress kippen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.